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Preiskampf zwingt Betriebe zur Fusion

Landwirtschaft. Rolf Bobe vertritt heute die Region zur Versammlung des Bundes-Bauernverbandes in Magdeburg.

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Der Regionalbauernverband, dessen Vorsitzender Sie sind, ist der jetzt diskutierten Kreisreform schon Jahre voraus. Seit 1993 vertritt er die Interessen von Bauern im Weißeritzkreis und in der Sächsischen Schweiz. Da sind Sie sicher Feuer und Flamme für die Reform. Oder?

Im Prinzip ja. Aber ich habe Bedenken, was die fachlichen Kompetenzen betrifft, wenn die Landwirtschaftsämter nicht mehr dem Ministerium, sondern wie geplant, den Landratsämtern unterstehen.

Größere Strukturen machen auch um die Landwirtschaft keinen Bogen. Gibt es neben Kooperationen auch Fusionen?

Waltersdorf und Lohmen gingen diesen Schritt schon 1997. Wir sind eben immer schneller … Nentmannsdorf, Falkenhain und Maxen vollzogen den Zusammenschluss voriges Jahr. Bei zwei weiteren laufen die Gespräche. Namen möchte ich nicht nennen. Außerdem gibt es Erzeugergemeinschaften, von denen vor allem kleine Betriebe profitieren, weil größere Einheiten andere Preise erzielen können.

Stichwort Preise. Immer wieder beschweren sich Bauern über zu geringe Preise, zum Beispiel bei der Milch. Wieso?

Durch das Überangebot und die Preispolitik. Der Preis deckt die Selbstkosten der Erzeuger nicht mehr. Hinzu kommen verschärfte Bedingungen für deutsche Bauern, die das Bestehen im EU-Wettbewerb erschweren. Es wird zwar von gleichen Ausgangspositionen gesprochen, aber dem ist nicht so.

Es wäre also verständlich, wenn Bauern sagen, sie produzieren keine Milch mehr.

Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus ja. Aber die Einstellung der Milchproduktion geht einher mit einer Reduzierung der Tierbestände, und das ist keine schöne Entwicklung, wenn wir an den Erhalt von Arbeitsplätzen denken, immerhin arbeiten noch zwei Prozent der Beschäftigten in der Region in der Landwirtschaft. Auch der Tourismus ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor.

Haben sich landwirtschaftliche Betriebe schon von der Milchproduktion verabschiedet?

Ja, je einer im Weißeritzkreis und in der Sächsischen Schweiz.

Werden ihnen weitere folgen?

Das ist nicht zu wünschen, aber auch nicht auszuschließen.

Gibt es auch bei Fleisch und Getreide Probleme?

Bei Schweinefleisch kann der Bedarf zum Beispiel im Land gar nicht gedeckt werden, weil die Bestände zurückgegangen sind. Wir versuchen, die Bauern wieder dafür zu interessieren. Doch dafür brauchen sie Sicherheit bei den Investitionen. Und die gibt es derzeit nicht. Es sollte eine dafür im Bund zur Verfügung stehende Summe bis 2013 festgeschrieben werden. Das wäre wichtig. Doch sie wird schon wieder in Frage gestellt. Das hemmt. Unser Getreide wird je nach Qualität bis nach Italien für die Herstellung von Spaghetti geliefert. Für die Braugerste haben wir mit Sachsenmalz einen wichtigen Abnehmer.

Welche Meinung haben Sie zur Bioenergie? In der Region sind mehrere Anlagen geplant.

Sie ist für die Landwirtschaft ein mögliches weiteres Standbein. Hauptziel bleibt aber weiter die Herstellung von Lebensmitteln und der Erhalt der Kulturlandschaft. Wir hoffen zudem, dass der Einsatz von Biokraftstoffen steuerfrei bleibt.

Sie nehmen heute an der Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbandes in Magdeburg teil. Was bringt das den hiesigen Bauern?

Auf den ersten Blick nicht viel. Aber der Bauernverband ist der größte Interessenvertreter, wenn es um unsere Existenz, Forderungen und Sorgen geht. Was in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wurde, aber wichtig ist: Wir erreichten, dass in den neuen Bundesländern die unterschiedlichen Rechtsformen ohne wesentliche Unterschiede bei der Förderung anerkannt werden. Auch der Wegfall der Obergrenzen bei der Tierhaltung ist unserem Verband zu verdanken.

Das Gespräch führte Heike Sabel.