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Preiswert und gefährlich

Die Modedroge Crystal Meth findet in Deutschland immer mehr Abnehmer. In Sachsen ist sie unter allen illegalen Drogen schon die Nummer eins.

Von Axel Hofmann und Ralf Hübner

Das frühere Rittergut im Erzgebirgs-Dorf Großrückerswalde ist ständig ausgebucht. Dort befindet sich eine Entzugsklinik, die Jugendliche von den Drogen wegbringen will – wie zum Beispiel Walter. Der damals 18-Jährige verbrachte Anfang des Jahres einige Zeit in der Einrichtung. Der Blondschopf, der seinen wirklichen Namen nicht verraten will, hatte mit 16 Jahren zum ersten Mal Crystal Meth genommen. Und spürte rasch die verheerenden Folgen: „Ich litt an Verfolgungswahn, Depressionen, dachte an Selbstmord und wog nur noch 40 Kilo.“

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
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Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Walter ist kein Einzelfall. Nach den Zahlen, die die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) jetzt in Berlin vorstellte, sind die Zuwachsraten bei Ecstasy zwar größer – doch wegen der massiven Gesundheitsschäden beim Konsum von Crystal Meth steht die neue, schnell abhängig machende Modedroge besonders im Fokus. Anfangs sind die Betroffenen zwar voller Energie, doch schon bald fühlen sie sich ausgelaugt, werden von Psychosen geplagt und leiden unter körperlichem Verfall.

„Die Herstellung ist leider einfach“

Bislang lassen sich die Konsumenten nicht von den Risiken abschrecken. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die euphorisierende Droge leicht verfügbar und relativ preiswert ist. Auf sogenannten Asia-Märkten in Tschechien soll ein Gramm mitunter weniger als 20 Euro kosten.

In der Tschechischen Republik ist der Grundstoff Ephedrin vergleichsweise einfach zu beschaffen. Und weil Crystal Meth deshalb meist aus tschechischen Labors kommt, ist die Droge in den benachbarten Bundesländern Sachsen und Bayern besonders weit verbreitet. „Crystal ist seit einigen Jahren das Problem Nummer eins bei den illegalen Drogen in Sachsen“, heißt es bei der dortigen Landesstelle gegen die Suchtgefahren. Das Hamburger Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung hatte kürzlich ermittelt, dass sich in den grenznahen Suchtberatungsstellen bereits jeder dritte Fall um Crystal Meth dreht.

Allein im vergangenen Jahr stellte die deutsche Polizei 77 Kilogramm Crystal sicher – mehr als jemals zuvor. Um den Drogenumschlag an der deutsch-tschechischen Grenze einzudämmen, war die Bundesdrogenbeauftragte Mortler erst vor wenigen Tagen in Prag bei ihrem Amtskollegen Jindrich Voboril.

Doch durch die offenen EU-Grenzen ist der Drogenschmuggel schwer in den Griff zu bekommen. Und auch die Produktion von Crystal Meth lässt sich kaum unterbinden, wie Voboril bei Mortlers Besuch einräumen musste: „Die Herstellung ist leider einfach, das findet man im Internet.“ Entsprechend groß ist die Gewinnspanne der Händler – trotz der relativ niedrigen Verkaufspreise. (dpa)