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Preiswürdiges Schloss

Das Zinzendorfschloss erhält als eines von vier sächsischen Bauten den Denkmalschutz-Bundespreis. Einzelheiten sind noch geheim.

Von Anja Beutler

Wer zuletzt kommt, räumt ab. Ein bisschen scheint es so zu sein, wenn man Pfarrer Andreas Taesler erzählen hört, wie der Freundeskreis Zinzendorfschloss überhaupt dazu gekommen ist, sich beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege zu bewerben. „Wir haben davon gar nichts gewusst, uns hat ein, zwei Tage vor Ende der Anmeldungsfrist das Landesamt für Denkmalpflege selbst noch angemeldet“, erinnert er sich. Jetzt hält Taesler – genauso wie auch der Architekt des Projektes, Daniel Neuer – eine Einladung zur Preisverleihung am 11. Dezember in Dresden in der Hand.

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An diesem Tag wird sich auch zeigen, wie viel Geld der Freundeskreis als Besitzer des Schlosses erhält. Denn das ist noch eine Überraschung, sagt Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Immerhin – das verrät sie schon – wird es unter den vier sächsischen Objekten, die einen Preis erhalten – zwei erste Plätze und je einen zweiten und dritten geben. Wo in diesem Ranking das Schloss steht, und wie viel von den 15 000 Euro Preisgeld dann nach Berthelsdorf fließt, ist noch geheim.

Andreas Taesler sieht die Sache gelassener. Ihm gehe es nicht vordergründig um das Geld. Klar, mit dem Preisgeld ließe sich wirtschaften, denn neue Projekte stehen an: der Speicher zum Beispiel. Oder die barocken Kachelöfen im Schloss. „Mir ist das Signal nach außen viel wichtiger“, betont Taesler. All die Spender, die Spendensammler, die freiwilligen Helfer, die Nachbarn und Freunde, die alte Türbeschläge oder Baumaterial vorbeigebracht haben – sie alle sehen jetzt, dass ihr Einsatz nicht vergeudet war, sagt der Pfarrer. Immerhin sind rund 2,5 Millionen Euro in den Schlossaufbau geflossen, rund 800 000 Euro davon hat der Verein selbst aufgebracht.

Taesler freut sich auch besonders für die zehn Handwerkerfirmen, die mit der Auszeichnung ebenfalls eine Urkunde erhalten, die ihnen sicherlich auch weitere Türen öffnen wird. Ob sich mit der neuen Auszeichnung auch für den Schloss-Verein bei der Suche nach weiteren Fördermitteln mehr Türen öffnen, werde sich zeigen, sagt Taesler. Generell, so schätzt auch Architekt Daniel Neuer ein, habe sich der Verein und das Schloss an sich bereits in den zehn Baujahren von 2002 bis 2012 einen guten Namen gemacht.

Und wie geht es weiter im Schlossareal? Die aktuelle Baustelle ist das kleine Uhrentürmchen auf dem Dach des Speichers. Hier wird in einem spezialisierten Betrieb in Erfurt derzeit der Holzturm, der obenauf gesetzt wird, gebaut und auch mit einem ersten Schutzanstrich versehen. „Ob das Türmchen noch in diesem Jahr aufgesetzt werden kann, wissen wir noch nicht genau“, sagt Daniel Neuer. Generell seien die Arbeiten für dieses kleine Detail am großen Projekt Speicher gut vorangekommen. Sogar eine interessante Entdeckung war möglich: „Entgegen allen Vermutungen auch der Denkmalschützer, sieht es so aus, als ob auch der Speicher im gleichen, edlen Weiß-Grau gehalten war wie das Schloss selbst“, sagt Neuer. Das werde in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege aber noch weiter untersucht, sagt Neuer. Und die Farbe ist für den Schloss-Verein eine wichtige Frage, denn die Sanierung des Speichers ist eine der nächsten großen Aufgaben, die die Schloss-Freunde in Angriff nehmen wollen.

Die Auszeichnung kommt deshalb zu einem guten Zeitpunkt. Das sei natürlich sehr motivierend, betonen Taesler und Neuer. Eine große Feier nach der Verleihung des Bundespreises werde es zwar nicht geben – die ebenfalls ausgezeichneten Handwerker sind nicht alle in der Region ansässig. Aber ein hübsches Weihnachtsgeschenk ist es mit Sicherheit.