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Premiere für die Hofweihnacht

Die Stadt organisiert keinen Weihnachtsmarkt mehr. Jetzt springen Gewerbetreibende und Händler in die Bresche.

Von Jürgen Müller

Der Weihnachtsmarkt ist tot, es lebe der Weihnachtsmarkt! Das könnte das Motto in Lommatzsch sein. Die Stadt hat im vergangenen Jahr noch eine Weihnacht im Museumshof veranstaltet, sich danach aber aus der Organisation von Märkten und Festen zurückgezogen. Das Kirschblütenfest im Frühjahr wurde schon lange zu Grabe getragen. Geblieben ist nur noch der Krautmarkt, das Erntedankfest. Die Stadt sei keine Veranstaltungsagentur, heißt es aus dem Rathaus. Märkte sollten diejenigen auf die Beine stellen, die letztlich davon profitieren, also die Händler und Gewerbetreibenden. Die hatten das ja über den Handels- und Gewerbeverein über Jahre gemacht. Bis auch der sich zurückzog. Keine Zeit, keine Leute. Doch damit wollen sich viele Lommatzscher nicht abfinden. „Wir können Lommatzsch nicht sterben lassen, der Weihnachtsmarkt gehört doch zur Stadt“, sagt Bodo Hausen, der ein Reisebüro in Lommatzsch betreibt. Gemeinsam mit anderen Gewerbetreibenden will er nun den Weihnachtsmarkt retten. Erstmals wird es am Wochenende die Lommatzscher Hofweihnacht geben.

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Das Kellernachtprinzip

Die Hofweihnacht, die ausschließlich auf privatem Gelände stattfindet, soll ein besinnlicher Weihnachtsmarkt werden. Nicht nur viele regionale Produkte sollen angeboten werden, es beteiligen sich auch zahlreiche Vereine aus der Stadt und aus der Umgebung, so der Karnevalsverein, der Spielmannszug, die Monday Singers, die Klöppel-Frauen, Mädchen und Jungen der Oberschule Lommatzsch und viele andere. „Das ist schön, denn Geld für ein großes Rahmenprogramm haben wird nicht“, sagt Bodo Hausen. Die Bäckerei Arnold wird wieder einen Riesenstollen backen und gebackenes Schwein anbieten. Auch eine Après-Ski-Party wird es wieder geben, und zwar in der Markthalle Poitzsch.

Die Höfe machen sich nicht gegenseitig Konkurrenz, sondern ergänzen sich mit ihren Angeboten. „Das ist sozusagen das Kellernachtprinzip. Die Leute sollen von einem Hof zum anderen ziehen und sich alles ansehen“, so Bodo Hausen. Er sieht die Hofweihnacht nicht nur als Markt für die Lommatzscher, sondern auch als Dankeschön an die Kunden. „Viele Händler beklagen sich, dass so viel im Internet gekauft wird. Um das zu ändern, muss der Handel nicht jammern, sondern Gesicht zeigen. Genau das wollen wir mit der Hofweihnacht tun“, sagt er. Die Veranstalter haben einige Händler wieder mit ins Boot geholt, die einst von der Stadt abgelehnt wurden, weil sie nicht ins Weihnachtsmarktkonzept passten. Die meisten Händler kommen aus der Stadt oder der näheren Umgebung. „0815-Weihnachtsmärkte gibt es überall. Der Lommatzscher soll individuell und ganz speziell werden“, verspricht Bodo Hausen.

Der Baum ist noch dunkel

Er versteht die Haltung der Stadt, dass die Märkte die organisieren sollen, die davon profitieren. Dennoch wünscht er sich, dass die Stadt wenigstens ein bisschen für den äußeren Rahmen sorgt. Und dazu gehört nun mal, dass der Weihnachtsbaum vor dem Rathaus beleuchtet ist. Der ist bisher noch dunkel.

Erstmals wird es in diesem Jahr auch eine Lommatzscher Weihnachts-CD geben. 1 000 Stück wurden hergestellt. Zu hören sind 25 Weihnachtslieder mit Chören und Künstlern aus der Region. Bodo Hausen und seine Mitstreiter sind gespannt, wie die 1. Lommatzscher Hofweihnacht aufgenommen wird. Der Reiseverkehrskaufmann ist sich jetzt schon sicher: Auch im nächsten Jahr wird es eine Hofweihnacht in Lommatzsch geben.