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Priestewitz hat die Wahl

Die Gemeinde könnte noch andere Dörfer aufnehmen.  Aber auch die Fusion mit Niederau ist eine Möglichkeit.

Von Catharina Karlshaus

Wer die Gerüchteküche zum Brodeln bringt, wird am besten wissen, weshalb er das tut: Nach dem Tag der Sachsen im September wolle sich die Gastgeberstadt Großenhain ein neues Betätigungsfeld suchen, wird da plötzlich gemunkelt. Soll praktisch heißen: Auf zu neuen Ortsteilen, die etwa von der angrenzenden Gemeinde Priestewitz stammen könnten. „Mit dieser Gemeinde verbindet uns eine gute Nachbarschaft. Von unserer Seite gibt es keine Überlegungen oder aktive Bestrebungen zu einer Fusion“, sagt Großenhains Sprecherin Diana Schulze. Fest stehe nur, dass Entscheidungen über die Zukunft der Gemeinde in Priestewitz getroffen werden.

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Allerdings: Dass Priestewitz noch immer eine Option im gemeindlichen Ehekarussell darstellt, ist kein Geheimnis. Vielmehr ein längst bekanntes Rechenexempel, dass durch die Vorgabe des Freistaates wie ein Damoklesschwert über Gemeinden dieser Größenordnung schwebt. Mit ihren gegenwärtig 3 300 Priestewitzern haben sieganz offenkundig zurzeit zu wenig, denkt man an sächsische Bestrebungen, die für den ländlichen Raum nun einmal Strukturen von 5 000 Einwohnern vorsieht.

Ansichten, die Bürgermeisterin und Neu-Kreisrätin Susann Frentzen (parteilos) natürlich gut bekannt sind. Gemeinsam mit dem bisherigen Gemeinderat hatte die 35-Jährige bereits im vergangenen Jahr ihre Fühler ausgestreckt. Nicht etwa, um sich selbst freiwillig als gemeindliche Trophäe einer größeren Einheit – eben wie der Großenhainer – zuschlagen zu lassen. „Genau das wollen wir ja vermeiden. Mir geht es ebenso wie den Bürgermeistern von Diera-Zehren oder Niederau ausschließlich um die Absicherung, den Erhalt der Eigenständigkeit eines ländlichen Raumes zwischen Meißen und Großenhain“, betont Susann Frentzen. Aus diesem Grund hatte sich in Priestewitz im Frühjahr vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe gebildet, die erste Gespräche mit den betreffenden Gemeinden geführt hatte.

Ein denkbar günstiger Zeitpunkt, da die Räte von Diera-Zehren damals beschlossen hatten, dass sich einzelne Ortsteile wie Diera, Golk, Karpfenschänke, Kleinzadel, Löbsal, Naundörfel, Nieschütz und Zadel – alle eng an Priestewitz angrenzend – künftig abspalten könnten. „Es war an dieser Stelle naheliegend, dass wir nun auch aktiv geworden sind“, erklärt Verwaltungschefin Frentzen. Immerhin nehme man gern Ortsteile auf – nur so könne Priestewitz schließlich selbst auf die notwendige Einwohnerzahl kommen.

Eine Einwohnerzahl von eben jenen 5 000, die auch das nahe gelegene Ebersbach noch nicht zu bieten hat. Etwa 4 500 Menschlein wohnen gegenwärtig in den 14 Ortsteilen, die sich auf einer Fläche von mehr als 8 000 Hektar erstrecken. Dass ein paar Einwohner angesichts des sachsenweiten Richtmaßes fehlen, weiß auch Bürgermeisterin Margot Fehrmann (CDU). Darüber Gedanken mache sie sich aber nach eigenem Bekunden jetzt ganz und gar nicht. Fest stehe lediglich, dass Ebersbach als ländliche Gemeinde – schließlich mit Großenhain und Radeburg zwischen zwei größeren Städten befindlich – eigenständig bleiben möchte.

Aus diesem Grund, so Margot Fehrmann, sei es wichtig, die Finanzen im Blick zu behalten. Sie bildeten überhaupt eine der wichtigsten Grundlagen, um unabhängig überleben zu können. „Nur darauf arbeiten wir konsequent hin. Aber ich denke wirklich nur für uns und melde bestimmt nirgendwo meinen Bedarf an, um Ebersbach vergrößern zu können“, sagt die Bürgermeisterin. Vielmehr stehe die Stärkung des ländlichen Raumes im Vordergrund und natürlich Ebersbach selbst.

Auf welche geeigneten Mittel und Wege sich die Kommunalpolitiker in den jeweiligen Gemeinden tatsächlich einigen, um dieses Anliegen durchzusetzen, bleibt indes abzuwarten.

Zunächst einmal müssen die am 25. Mai gewählten Räte zu ihren ersten Sitzungen zusammenkommen. In Priestewitz beispielsweise werde dies frühstens Mitte Juli der Fall sein. Erst danach, so Bürgermeisterin Susann Frentzen, spreche man gemeinsam über diese durchaus ernste Angelegenheit und berate das weitere Vorgehen.

„Im Moment ist da überhaupt keine Gefahr im Verzug. Aber es ist natürlich weiterhin ein Thema, dass man aber nur mit Ruhe und Sachlichkeit angehen kann.“