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Private Banken fordern mehr Anti-Corona-Zuschüsse

Die beschlossenen Schnellkredite helfen laut ostdeutschen Branchenexperten zwar, reichen aber nicht.

© Symbolbild/Monika Skolimowska/dpa

Der ostdeutsche Bankenverband geht davon aus, dass die Staatshaftung für Corona-Notkredite der KfW-Bank die Bewilligung von Anträgen erheblich beschleunigen wird. „Durch die Automatisierung der Prozesse konnten wir die Kreditprüfung schon auf wenige Tage verkürzen. Die Haftungsfreistellung wird dies noch weiter beschleunigen. Bei Genehmigung ist die Auszahlung am gleichen Tag möglich“, betonte Michael Kotzbauer, Vorstandschef des Ostdeutschen Bankenverbandes e.V. – dem Zusammenschluss von 34 privaten Banken, die in den neuen Ländern aktiv sind.

So wurde einem mittelständischen Reiseunternehmen aus Sachsen ein Kredit von 1,5 Millionen Euro innerhalb von drei Tagen genehmigt. Einem Bustouristiker, dem alle Umsätze weggebrochen sind, wurde eine Liquiditätshilfe von 400.000 Euro innerhalb von 24 Stunden ausgezahlt, dem Betreiber eines Wellness-Hotels der Kreditantrag bewilligt. Kotzbauer zählte nur einige Beispiele auf, die zeigen sollen, wie Unternehmen schnell und unbürokratisch geholfen wird, die durch die Corona-Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. 

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Am Montag hat die Bundesregierung ein zusätzliches Programm für kleine und mittelständische Firmen mit bis zu 249 Beschäftigten beschlossen. Die KfW-Bank und damit der Staat übernimmt bei diesen Schnellkrediten 100 Prozent des Ausfallrisikos. Dafür sind sie mit drei Prozent höher verzinst als beim bisherigen KfW-Darlehensprogramm. Was die Bundesregierung und die Landesregierungen in der Kürze der Zeit an konkreten Hilfen auf die Beine gestellt hat, ist nach Ansicht der Banker „bemerkenswert“.

Hohe Nachfrage nach KfW-Hilfen

„Es ist richtig, dass der Staat mehr Risiken für Förderkredite übernimmt. Aber es sind keine Zuschüsse, sondern Darlehen“, stellte Kotzbauer klar. Deshalb müsse auch weiterhin eine individuelle Risikoprüfung stattfinden, um sicherzustellen, dass die Antragsteller in den vergangenen zwei Jahren Gewinne erwirtschafteten und ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Die gesetzlichen Regeln zur Kreditgenehmigung seien zwar gelockert, aber nicht aufgehoben worden, hieß es. Um Zeit zu gewinnen, schlägt der Bankenverband vor, dass bei mittelgroßen Fällen die Prüfung der Unterlagen durch die Hausbank abschließend sein soll und die KfW nicht doppelt prüft.

Die Nachfrage nach KfW-Hilfen ist sehr hoch. Die privaten Banken als Hauptansprechpartner für diese Sonderprogramme haben nach eigenen Angaben in den letzten zehn Tagen rund 50.000 Anfragen in Ostdeutschland bearbeitet. Das Personal wurde aufgestockt und extra geschult. Allein bei der Commerzbank seien jetzt 100 Fördermittelspezialisten im Einsatz, so Kotzbauer. Er ist Bereichsvorstand Firmenkunden bei der Mittelstandsbank Mitte/Ost der Commerzbank AG. Zur Diskussion, ob die Länder ihre mittelständischen Unternehmen in der Region noch zusätzlich mit eigenen Zuschüssen oder Darlehen unterstützen sollten, sagte Vize-Verbandschef Harald Eisenacher. „Wir fordern mehr Zuschüsse. Es muss eine Mischung sein.“

Es gibt ein Leben nach Corona

Bis auf Berlin und Sachsen zahlen die ostdeutschen Länder auch betroffenen Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten Zuschüsse, gestaffelt nach der Anzahl der Mitarbeiter. Die Bandbreite reicht von 9.000 bis maximal 60.000 Euro. Kotzbauer und Eisenacher gaben sich optimistisch, dass man auch in Berlin und Sachsen bald ein Zuschussprogramm sehen wird. Auch im Freistaat würden Gespräche zwischen der Landesregierung und den Banken laufen, hieß es. 

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In diesem Zusammenhang forderte der Bankenverband, an Finanzhilfen für junge Gründer zu denken. „Viele Start-ups fühlen sich nicht richtig abgeholt. Über Hilfe für sie muss weiter diskutiert werden“, hieß es. Entscheidend sei, wie lange der Stillstand noch anhalten wird. Viele Unternehmen würden davon ausgehen, dass er Ende April beendet sein wird. Sollte er sich jedoch bis in den Sommer hinziehen, werden die Liquiditätsbedarfe zunehmen. Doch fest steht auch: Es wird ein Leben nach Corona geben. „Dann kommt es darauf an, dass die Firmen auch die finanzielle Kraft haben, um den wirtschaftlichen Aufschwung zu bewerkstelligen“, so Kotzbauer.

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