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Private Schuldenbergewachsen dramatisch

Innenstadt. Die Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt zog gestern Bilanz und feierte ihr 15-jähriges Bestehen.

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Von Anja Weber

Manche gehen dreimal ums Haus, bevor sie den Mut haben, zu uns hereinzukommen“, sagt Regina Albani von der Awo-Schuldnerberatung. Die Beratungsstelle auf der Gerichtsstraße feierte gestern ihr 15-jähriges Jubiläum. Sie nimmt neben dem Migrationsdienst und dem Integrationsfachdienst den Hauptteil der Awo-Kontaktstelle ein.

Die Hemmschwelle, sich zu den privaten Schulden zu bekennen und sich helfen zu lassen, sei zwar immer noch groß, sagt Regina Albani. Aber in den letzten Jahren, das zeige auch die Statistik, nutzen immer mehr Menschen das Angebot. Zusammen mit ihrer Mitstreiterin Christel Ehrhardt hatte sie im Jahr 2000 beispielsweise 1 215 Beratungen und im Jahr 2005 schon 1 497. Die Zahlen werden sie auch in diesem Jahr wieder erreichen. Sichtbar wird auch, dass die Höhe der Schulden deutlich zunimmt. So haben zum Beispiel 47 Prozent derjenigen, die zur Beratung kommen, über 80 000 Euro Schulden. Vor allem Personen zwischen 30 bis 50 Jahren nutzen das Angebot der Awo Sonnenstein gemeinnützige GmbH. Deren Geschäftsführer, Martin Wallmann, weiß um die Notwendigkeit. Aber es gebe auch finanzielle Zwänge. Die Awo sei dennoch bestrebt, die Kontaktstellen mit Unterstützung des Landkreises und der Kommunen aufrechtzuerhalten. „Aber wir dürfen die Kommunen nicht aus der Pflicht nehmen“, sagt Martin Wallmann. Und da nur Pirna und Heidenau einen kleinen Obolus für die Schuldnerberatungsstellen in ihrer Stadt zahlen, könnte die in Sebnitz bald zur Disposition stehen. Denn die Stadt gibt kein Geld dafür aus.

Wallmann wirbt aber nicht nur um finanzielle Unterstützung. Er appelliert auch an Firmen und vor allem an Kommunen, mehr Arbeitsplätze für geringfügig Qualifizierte und Behinderte anzubieten. Vor allem für junge Leute bestehe ein Mangel an solchen Beschäftigungen. Aber die Arbeiterwohlfahrt ist da auch selbst aktiv. In der neuen Lehrküche auf dem Sonnenstein werden beispielsweise behinderte junge Leute ausgebildet und für den Arbeitsmarkt fit gemacht.