merken
PLUS

Pro und Contra zur geplanten Streichung vom Babygeld

Kein Bargeld mehr für die Eltern von Neugeborenen in Bischofswerda? Die Stadträte stehen am Dienstag vor einer schweren Entscheidung.

© dpa

Von Gabriele Naß

Braucht man Kinder zum Glücklichsein?“ Das fragte der „Stern“ in seiner letzten Ausgabe. Immer mehr Deutsche, heißt es dort, sagen Nein, wollen lieber zu zweit bleiben und können gut erklären warum.  Über jedes Baby darf man sich deshalb freuen. Auch in Bischofswerda. Ob dazu ein aus Steuergeldern finanziertes Begrüßungsgeld der Stadt gehören muss, wird in Bischofswerda gerade diskutiert. Die Stadtverwaltung nämlich schlägt vor, das Verschenken von 50 Euro Bargeld an Eltern Neugeborener einzustellen. Die Geste soll bleiben, aber ersetzt werden durch „Regionales Begrüßungspaket“ mit unter anderem Eintrittskarten für Zoo und Bad (die SZ berichtete am Donnerstag). Es soll in passender Runde zum Kinderfest am Weltkindertag verschenkt werden. So sei, wird begründet, Geld der Stadt imagebringend angelegt. Allerdings spart das Rathaus damit auch rund 3000 Euro im Jahr. – Veröffentlicht auf Facebook hat das Thema über Bischofswerda hinaus großes Interesse geweckt. Ein Auszug aus der Diskussion:

Anzeige
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus

Das Unternehmen aus Leppersdorf sucht Azubis für einen Beruf mit Zukunft - und hat eine Menge zu bieten.

Olaf Thiel: Typisch Stadt Bischofswerda. Sogar ne kleine Gemeinde wie Burkau spendet den Eltern 100 Euro. Echt traurig, wenn das so entschieden werden sollte.

Nicole Thomas: Hoy bekommt nüscht.

Sarah Steglich: Sagen wir mal, Burkau hat einen kinderfreundlichen Bürgermeister gehabt, und der jetzige ist auch echt nett. Biw ist geizig zu Familien, aber es müssen noch mehr Einkaufsmärkte sein. So ein Blödsinn.

Michael Sticht: Eins finde ich gut: dass es auf den Weltkindertag gelegt wird. Der Rest, naja. Das ist der Preis für die LAGA Bewerbung und jahrelange Ignoranz von Verwaltung und der Mehrheit der Stadträte bezüglich Wirtschaftsförderung. Was kommt als Nächstes? Streichung der Vereinsförderung? Schließung von Bibliothek und Bad?

Romi Schöne: Eine unmögliche Lösung. Andere Gemeinden/Städte sind da wohl kinderfreundlicher und haben mehr übrig für neuen Erdenbürger. Die LAGA hätte man sich echt sparen können.

Olaf Thiel: Die LAGA, find ich, ist ne gute Chance für Biw. Aber nochmal zum Thema zurück: Gutscheine sind bindend, und wer weiß schon, ob die Eltern das Angebot auch nutzen können oder wollen. Warum nicht gleich Gutscheine für die Autowerkstatt Reitner oder Buchbinderei Grafe?

Sarah Steglich: Unsere Gemeinde Burkau hatte für die Eltern und Kinder eine gemütliche Kaffeerunde und Kuchen und ein Fläschchen für die Milch. Aber das Beste war ein Gutschein für einen Kinderladen in Bautzen. Das war echt ne sinnvolle Geschichte. Biw sollte lieber anderweitig sparen, anstatt bei Kindergärten und Begrüßungsgeld.

Rico Schlegel: Da zeigt sich wieder, wie kinder(un)freundlich die Stadt Bischofswerda ist.

Jürgen Neumann: Dresden macht es auch so, befristet sogar die Einlösung auf ein Jahr. Ich finde es gut, wenn es Gutscheine für ausschließlich Kinderangebote sind, denn 50 oder 100 Euro kommen auch oft nicht bei den Kindern an, sondern bei Radeberger und F6

Martin Wolf: Es muss nicht immer Geld sein. Was zählt, ist die Geste!

Ronny Gläßer: Ich hatte vor nicht all zu langer Zeit eine Diskussion bei der Stadtratsitzung, wo es um kinderfreundlich Ja oder Nein ging. Ein lustiger wie auch lächerlicher Versuch eines CDU-Stadtrates war folgende Aussage: Natürlich ist Bischofswerda kinderfreundlich! Schließlich zahlen wir ja Begrüßungsgeld und die Fibel. Scheiß doch auf ständige Diskussionen über Kindergärten und die geistfreie Vermatschung völlig unterschiedlicher Konzepte. Scheiß auf die Intransparenz bei der Macherei um Erhöhung der Krippenbeiträge. Scheiß auch auf unsichere Spielplätze und Glasmüll und Kippendreck. Ob es Cash sein muss, ist die Frage, aber neutral als Gutschein für nen Babyladen.

Daniela Scholz: Wo kriegt man heutzutage Tage noch Begrüßungsgeld?

Ronny Gläßer: Es geht doch nicht nur um bekommen oder nicht, sondern vielmehr darum, wo die Stadt mal wieder ihre Defizite ausgleichen will. Hier mal ein Kommentar aus Neukirch, wie es denn auch sein kann. Dass man mit 70 Euro keine Riesenanschaffungen machen kann, ist Gottfried Krause bewusst: „Es soll eine Geste sein, ein symbolischer Wert, der jungen Familien und ihren Kindern die Wertschätzung der Gemeinde zeigen soll.“

Was in Bischofswerda passiert, sollen am Dienstag nach Ostern die Stadträte entscheiden. Die Stadtverwaltung wird die Vorlage mit Begrüßungspaket einbringen. Die Sitzung beginnt 17 Uhr im großen Rathaussaal, Eingang an der Kamenzer Straße.

Die Meinung der Bürger sollte bei Entscheidungen der Politiker eine Rolle spielen –  auch in einem Stadtrat. Deswegen diskutieren Sie weiter mit. Schicken Sie Ihre Meinung zum Thema an [email protected], SZ, Kamenzer Straße 55, 01877 Bischofswerda oder diskutieren auf der Facebook-Seite der SZ Bischofswerda mit.