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Probebohrungen für Görlitzer Tiefgarage starten

Ein Ingenieurbüro forscht am Marienplatz neun Meter in die Tiefe. Doch es gibt noch ganz andere Ideen.

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Von Ingo Kramer

Es wird Ernst: Gleich an vier Stellen bohrt ein Görlitzer Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt auf dem Marienplatz. „Wir gehen neun Meter in die Tiefe“, erklärt Torsten Tschage vom Tiefbau- und Grünflächenamt. Damit wird geprüft, ob hier eine Tiefgarage gebaut werden könnte. Alle Bohrstellen liegen verteilt auf der nicht befahrbaren Platzfläche. Sie sind jeweils weniger als einen Quadratmeter groß. Die Arbeiten kosten „eine niedrige vierstellige Summe“, so Tschage.

Von oben sieht der Görlitzer Marienplatz nicht riesig aus. In einer Tiefgarage aber hätten pro Etage immerhin 50 bis 60 Autos Platz. Zwei bis drei Etagen wären nötig. Fotos: Nikolai Schmidt
Von oben sieht der Görlitzer Marienplatz nicht riesig aus. In einer Tiefgarage aber hätten pro Etage immerhin 50 bis 60 Autos Platz. Zwei bis drei Etagen wären nötig. Fotos: Nikolai Schmidt

Den Vorschlag hatte Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker bereits im Sommer gemacht: Eine Tiefgarage soll unterirdisch direkt mit seinem Kaufhaus verbunden werden, damit die Kunden bei Wind und Wetter trocken und problemlos einkaufen können. Die Stadt hat den Vorschlag inzwischen aus verkehrsplanerischer Sicht geprüft. Ergebnis: Ein- und Ausfahrten wären über die Straße Am Museum oder über die Elisabethstraße möglich. „Das hätte aber den Nachteil, dass man den oberirdischen Verkehr dorthin zieht“, erklärt Hartmut Wilke vom Amt für Stadtentwicklung. Dennoch heißt sein Urteil: „Verkehrsplanerisch wäre es prinzipiell möglich.“

Jetzt müssen die Baugrunduntersuchungen abgewartet werden. Anschließend will die Stadt mit Stöcker die Ergebnisse auswerten und seine Vorstellungen erfragen. Der bringt inzwischen eine neue Variante ins Gespräch: „Man könnte die Garage auch zweigeschossig unter der Elisabethstraße anlegen.“ Dann müsste es einen Tunnel unter der Straße des Marienplatzes zum Kaufhaus geben. Stöcker favorisiert diese Variante inzwischen: „Der Marienplatz ist gerade sehr aufwendig neu gemacht und bietet nicht so viel Platz, die Elisabethstraße hat einen idealen Zuschnitt, und vom Kaufhaus gibt es eine gute, kurze Verbindung unter der Straße.“

Die Stadt ist von diesem Vorschlag überrascht. Der kürzeste mögliche Tunnel wäre 60 Meter lang, so Wilke: „Technisch ist das möglich, aber für Fußgänger nicht attraktiv.“ Bei den jetzigen Bohrungen spielt die Elisabethstraße keine Rolle. Stattdessen schlägt Wilke vor, dass sich Stöcker beim Parkhaus im City-Center einbringt, denn das ist nicht ausgelastet. Möglich wäre vielleicht eine gemeinsame Parkhausgesellschaft von Stöcker und den jetzigen Parkhaus-Betreibern. Stöcker schließt auch das nicht aus: „Das wäre eine Option, falls man eine Verbindungsbrücke anbringen kann.“ Allerdings hat er das gesamte Thema Parken momentan erst einmal zurückgestellt: „Bevor wir uns damit befassen, wollen wir erst einmal das Kaufhaus zum Laufen bekommen.“ Man könne nicht alles gleichzeitig anfassen. „Wir stecken das erste Geld ins Kaufhaus, dann können wir zeigen, dass es gut läuft, und es wird uns leichter fallen, für die Tiefgarage Kapital zu besorgen“, so Stöcker. Generell zieht er eine finanzielle Beteiligung in Betracht.

Frank Heuer, Chef der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft GWG, bringt derweil noch eine andere Variante ins Gespräch: Eine Tiefgarage unter dem Obermarkt. Der Platz ist groß, soll oberirdisch sowieso irgendwann neu gestaltet werden und könnte am Reichenbacher Turm mit einer Ein- und Ausfahrt zu einer Tiefgarage ausgestattet werden. Die Stadt schließt auch diese Variante nicht aus. „Das war vor mehr als zehn Jahren schon einmal Gesprächsthema“, so Wilke. Im Jahr 2001 habe es auch einen Wettbewerb zur Platzgestaltung gegeben. Auch eine Tiefgarage wurde erwogen. Dann aber kam von der Allianz Umweltstiftung viel Geld für die Umgestaltung des Marienplatzes und so sei der Obermarkt erst einmal aus dem Fokus der Betrachtung geraten. Auch eine Baugrunduntersuchung hat es dort nie gegeben.

Variante vier für eine Tiefgarage wäre schließlich der Wilhelmsplatz. Mitte der 1990er Jahre gab es dafür schon einmal detaillierte Untersuchungen. Das Thema ist dann eingeschlafen, weil es der Investor nicht finanzieren konnte. Laut Wilke steht das Problem bis heute. Pro Stellplatz könne eine solche Garage bis zu 40 000 Euro kosten. Bei 300 Plätzen sind das zwölf Millionen Euro. Vor zwei Jahren sei ein bundesweit tätiger Tiefgaragen-Investor in Görlitz gewesen und habe erklärt, dass er sich eine Investition und Betreibung vorstellen könne – unter einer Bedingung: Die Stadt müsse garantieren, dass die Garage voll wird. Das geht nur, indem sie die Parkplätze in den umliegenden Straßen wegfallen lässt oder unattraktiv teuer macht. Dazu hat sie sich aber nicht entschlossen, denn Tiefgaragenstellplätze wären für die Autofahrer definitiv teurer als die jetzigen Parkplätze. „Da ist die Frage, ob wir das der Bevölkerung zumuten wollen“, so Wilke. Der Investor stünde aber nach wie vor bereit.

Parallel drängt der Manager der Straßburgpassage, Jürgen Heid, auf mehr Parkplätze in seinem Umfeld. Er könnte sich vorstellen, zusammen mit Investoren eine Tiefgarage unter dem Wilhelmsplatz zu bauen. „Aber nur, wenn die Stadt noch zu ihrer Aussage aus den 1990er Jahren steht, dass dann die oberirdischen Parkplätze auf dem Wilhelmsplatz wegfallen“, so Heid. Wilke bestätigt das: „Ich finde diese Ansicht nach wie vor schlüssig.“

Parallel verfolgt Heid aber noch eine ganz andere Idee: Ein neues Parkhaus mit 90 bis 100 Plätzen. Es könnte im Innenhof zwischen der Straßburg-Passage sowie Berliner-, Hospital- und Jakobstraße entstehen. Als Zufahrt ist die Jakobstraße angedacht. Heid rechnet mit Kosten von maximal sechs Millionen Euro. „Wir sind gerade in Verhandlungen, Häuser zuzukaufen“, sagt er. Auch die Abstimmungen mit der Denkmalpflege laufen jetzt an. Auf jeden Fall will Heid nur eines von beiden bauen: Tiefgarage oder Parkhaus. „Letzteres wäre mir definitiv lieber“, erklärt Heid.