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Probleme mit falschfahrenden Radlern

Auf der Hauptverbindung zwischen Neu- und Altstadt wird gern links gefahren. Das soll sich ändern.

Der Mann im gestreiften Oberteil – bitte 15 Euro Bußgeld zahlen wegen Verstoßes gegen das Rechtsfahrgebot. Der Herr davor bitte noch 55 Euro extra wegen Fahren auf dem Gehweg.
Der Mann im gestreiften Oberteil – bitte 15 Euro Bußgeld zahlen wegen Verstoßes gegen das Rechtsfahrgebot. Der Herr davor bitte noch 55 Euro extra wegen Fahren auf dem Gehweg. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Wer in Hoyerswerda unterwegs ist, der weiß: Die meisten Falschfahrer sind Radfahrer. Um es vorwegzunehmen: Es geht um keinen Generalverdacht, sondern um Auswüchse, die sich auf einem Streckenabschnitt sehr deutlich zeigen. Aus Richtung Neustadt gesehen bleiben in der Einsteinstraße, weiter über die Bautzener Brücke und die Alte Berliner Straße etliche Radfahrer einfach auf der linken Seite, fahren entgegen der Verkehrsrichtung. 

Das liegt meist daran, dass diese Radfahrer durch den King-Haus-Park fahren, dann aber nicht die Einsteinstraße queren, um auf der eigentlich vorgeschriebenen Straßenseite zu fahren, sondern eben auf der Seite bleiben. Das ist zu jedem x-beliebigen Tageszeitpunkt zu beobachten. Und ergibt hin und wieder Beschimpfungen, so wie Freitagmorgen, als ein falsch radelnder Senior den entgegenkommenden richtig Fahrenden anraunzte, weil der Falschfahrer nicht genug Platz hatte …

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Präventive Aufklärung geplant

Doch das Thema hat es nun auch in die Verkehrsunfallkommission geschafft. Denn es häufen sich Unfälle mit falsch fahrenden Radfahrern. Der wohl krasseste ereignete sich an der Bautzener Allee im Bereich der Kreuzung zur Einsteinstraße, als auf WK III-Seite zwei Falsch-Radler gegen einen Radler fuhren und ein vierter noch in die Unfallstelle hineinfuhr. Sowohl an der Kreuzung an der Bautzener Brücke als auch 300 Meter weiter an der Kreuzung Teschenstraße/Alte Berliner Straße, wo allein im vergangenen Jahr drei Radfahrer angefahren wurden. Offenbar waren sie alle auf der falschen Seite unterwegs. „Baulich können wir da nichts machen“, sagt Götz Gleiche vom Bürgeramt am Donnerstag, als die Ergebnisse der Verkehrsunfallkommission in einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. Personell darf man gesetzlich mit dem kommunalen Vollzugsdienst nicht tätig werden. Bleibt die Polizei. Und die darf sich bei Fahrradkontrollen dann regelmäßig anhören, ob sie nichts Besseres zu tun habe. Sie möge sich doch mal um die wirklich schlimmen Finger kümmern. Es gibt wohl kaum andere Verkehrsdelikte, bei denen die Uneinsichtigkeit ins eigene Tun so ausgeprägt ist, wie bei falschfahrenden Radfahrern.

Götz Gleiche kündigte an, präventiv wirksam werden zu wollen. Das betreffe vor allem die Schulen. Wie die älteren Semester erreicht werden sollen, ist nicht so klar. Letztlich wird es nur mit Kontrollen gehen und Aufklärung direkt vor Ort. Damit habe man an derer Stelle gute Erfahrungen gesammelt. Götz Gleiche verweist auf die Klinikumskreuzung, wo es eine zeitlang zu Unfällen mit falsch fahrenden Radfahrern kam. Dieses Phänomen konnte man 2019 dann so nicht mehr beobachten. Die Kreuzung an der Bautzener Brücke ist immerhin in den Fokus der Unfallkommission als derzeit größter Unfallschwerpunkt der Stadt gerückt. Dabei spielen aber nicht nur die falschfahrenden Radfahrer eine Rolle, sondern auch Unfälle bei ausgeschalteter Lichtsignalanlage. Laut Götz Gleiche gibt es in der Stadt nur drei Kreuzungen, an denen die Ampeln rund um die Uhr durchlaufen. Das sind die Kreuzungen an der Görlitzer und der Spremberger Brücke sowie die neue Kreuzung von Ostumfahrung und der Staatsstraße 108. Die Kreuzung an der Bautzener Brücke soll nun zwar nicht in diesen Rhythmus aufgenommen werden, wohl aber soll die Ampel an Sonn- und Feiertagen nicht erst um 10 Uhr, sondern schon um 8 Uhr in Betrieb gehen.

Letztlich gibt es in der Stadt Hoyerswerda seit Jahren keinen Unfallschwerpunkt mehr, an dem sich besonders dramatische Unfälle ereignen. Drei Menschen sind bei Unfällen im Stadtgebiet im Jahr 2019 ums Leben gekommen, aber es gibt keine Häufungsstelle. Daher stehen immer wieder die Kreuzungen der Stadt im Fokus, an denen es unterschiedliche Unfälle gibt. Dabei schauen die Experten sowohl auf die Unfälle eines Jahres, als auch die der letzten Jahren. Ereignen sich binnen eines Jahres an einer Stelle fünf gleichartige Unfälle, dann muss man da wohl mal genauer hinschauen, woran die liegen kann. Das gleiche gilt, wenn sich binnen drei Jahren fünf Unfälle mit Personenschaden an diesen Kreuzungen ereignet haben. Es gibt ehemalige Unfallschwerpunkte, die im Laufe der Jahre durch bauliche Veränderungen wie den Bau eines Kreisverkehrs oder eine geänderte Verkehrsführung völlig entschärft werden konnten. Dann ploppen Unfallschwerpunkte in einem Jahr auf, die man aber einer temporären Mehrbelastung, beispielsweise durch eine Umleitungsstrecke, zuschreiben kann.

Bessere Markierungen

Und so ist an kaum einer Kreuzung noch baulich etwas zu verbessern. Zum Beispiel häufen sich aus Fahrtrichtung Dresden an der Wittichenauer Kreuzung die Auffahrunfälle. Hier geht die Unfallkommission davon aus, dass Ortskundige bei Gelb eher bremsen, als beschleunigen, weil es den Rot-Blitzer gibt. Vermutlich geringe Abstände der Folgenden führen dann zu den Blechschäden.

An der Kreuzung der Kolpingstraße mit der Alten Berliner Straße und Am Elsterbogen sind die Sichtverhältnisse gut und doch kommt es hier immer wieder zu Unfällen nach Vorfahrtsfehlern. Die Stadtverwaltung plant nun, die Markierungen auf der Fahrbahn zu erneuern und noch eindeutiger den Hauptstraßenverlauf herauszuarbeiten. Zudem soll aus Richtung Kreisverkehr ein zusätzliches Verkehrszeichen „Vorfahrt gewähren“ aufgestellt werden.Und in einem Jahr schaut sich die Unfallkommission dann wieder alles ganz genau an.

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