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Programmierclub und Fabmobil in einem

Noch bis Mittwoch stehen an Hoyerswerdas Bürgerzentrum Software und EDV-gesteuerte Maschinen im Fokus.

Julius Plüschke und Kristine Weißbarth vom Verein Constitute sowie Entwickler Peter Karich (von links nach rechts)
betreuen den
Ferienkurs im Fabmobil..
Julius Plüschke und Kristine Weißbarth vom Verein Constitute sowie Entwickler Peter Karich (von links nach rechts) betreuen den Ferienkurs im Fabmobil.. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Der zwölfjährige Justin weiß recht gut über 3-D-Drucker Bescheid, spricht routiniert von Filament und PLA. „Das habe ich mir alles bei Youtube angeeignet“, sagt der Junge und meint damit den Internet-Dienst, der so etwas wie die moderne Variante des Kabelfernsehens ist. Gestern hat sich Justin von seiner Mutter aus dem heimischen Guteborn extra in die Hoyerswerdaer Altstadt fahren lassen. Am Bürgerzentrum nämlich macht nach längerer Pause mal wieder das Fabmobil Station.

Der Dresdener Betreiberverein Constitute e. V. spricht von einem fahrenden Kunst- und Designlabor. Seit 2017 rollt es nun schon übers Land. „Es ist eine offene Werkstatt, in die jeder kommen kann, um darin verschiedene Technologien zu nutzen“, erklärt Julius Plüschke von Constitute. Neben dem 3-D-Drucker gibt es unter anderem einen Laser-Cutter, Scanner, eine Tiefziehmaschine oder einen Foliendrucker für Aufkleber. Mittels moderner Technik kann man so Kunstwerke oder Gebrauchsgegenstände herstellen.

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Drei Tage, also bis zum morgigen Mittwoch, parkt der schwarze Bus nun an der Braugasse. Für seinen Sommerferienaufenthalt sind die Betreiber eine Kooperation mit Peter Karich eingegangen. Der 36-Jährige, der aus der Gegend um Bautzen stammt, ist vor zwei Jahren aus Bayreuth nach Hoyerswerda gekommen. Seine Frau bekam damals hier eine Arbeit. Für Karich selbst ist es bezüglich des Berufs recht unerheblich, wo er wohnt. Er ist nämlich Software-Programmierer, hat zusammen mit zwei anderen Entwicklern vor reichlich drei Jahren die Graphhopper GmbH gegründet. Ihre Spezialität: elektronische Routenplanung. Im Mai hob Karich nun im Bürgerzentrum einen Club mit dem Namen PPP aus der Taufe. Die Abkürzung steht für „Platte, Pizza, Programmieren“, die drei Dinge, die dem Klischee zufolge irgendwie zum Softwareschreiben dazugehören. Ursprünglich dachte Karich, das wäre vielleicht etwas für jüngere Erwachsene, die sich gern bei Musik und Pizza zum Programmieren treffen wollten. Dann kamen aber vor allem Jugendliche – die Jüngsten aus Klassenstufe 5. Das bedeutete aber durchaus nicht weniger Know-how. Einer der Nachwuchs-Programmierer hatte sich zum Beispiel überlegt, wie eine eigene Variante der sogenannten Kryptowährungen an den Start zu bringen wäre.

Grundvoraussetzungen fürs Programmieren, sagt Karich, seien nicht etwa das Verständnis für höhere Mathematik oder ausufernde EDV-Kenntnisse. Es reichten Interesse, Neugier und ein bisschen Ehrgeiz: „Können ist da nur sekundär. Man kann sich das alles aneignen. Es geht nur darum, zu einem selbst gesteckten Ziel zu kommen.“

Die dreitägige Kooperation mit dem Fabmobil läuft als „Programmierworkshop“ – vor allem, aber nicht ausschließlich für Ferienkinder. So stellte sich gestern auch Künstlerin Kersten Flohe ein. Man muss sagen: wieder. Sie hatte Arbeiten mitgebracht, die auf Holzschnitt-Druckstöcken beruhen, welche im vorigen Jahr mit dem Laser-Cutter des Fabmobils angefertigt worden waren: „Ich war echt Dauerkunde hier“, sagt die Hoyerswerdaerin und fügt an: „Das geht natürlich alles sehr schnell. Man sollte aber parallel auch immer analog arbeiten.“ Wie sagte schon Konrad Zuse: Werde der Computer zu mächtig, möge man den Stecker ziehen.

Der PPP-Club trifft sich wieder am 20. August von 16 bis 19 Uhr im Bürgerzentrum Braugasse 1.

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