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Projekt Ferdinandplatz 2025

Der Neubau eines Technischen Rathauses in Dresden nimmt immer mehr Form an. Jetzt muss nur noch der Stadtrat zustimmen.

© Visualisierung: Barcode Architects

Von Ralf Hübner

Ein Glaspalast am neuen Ferdinandplatz, oder vielleicht auch nicht? Dieser Vorschlag des Siegerentwurfs zur Platzgestaltung spaltet die Gemüter. Doch zu den Fassaden der künftigen Gebäude dort mochte sich Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) bei einer Informationsveranstaltung im Stadtmuseum nicht auf Diskussionen einlassen. Nur so viel: „Transparente Verwaltung braucht nicht unbedingt eine Glasfassade.“ Die Darstellungen auf den Entwürfen seien unverbindliche Vorschläge der Architekten. „Die Fassade kommt zuletzt.“ Er wolle von den Dresdnern vielmehr wissen, welche Ansprüche sie an die künftige Verwaltung haben, wie diese möglicherweise die Architektur beeinflussen, wie sich Verwaltung im öffentlichen Raum präsentieren solle. Seine Erkenntnis: Die Leute wollen eingebunden werden.

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Stadtrat muss noch zustimmen

Bis 2025 soll der neue Ferdinandplatz fertig sein. „Das ist meine Hoffnung“, sagte der Bürgermeister. Bisher war von 2030 die Rede gewesen. Derzeit werde bis Ende nächsten Jahres der Bebauungsplan erarbeitet. „Damit fangen wir jetzt an.“ Dabei geht es unter anderem um Dinge wie Baulinien, Bauhöhe und Verkehrsanbindung. Zudem sollen im nächsten Frühjahr in einem Verfahren Bauleistungen ausgeschrieben werden. Voraussetzung ist jedoch, dass zuvor der Stadtrat dem Projekt überhaupt zustimmt. Am Ferdinandplatz soll vor allem das neue Technische Rathaus entstehen, Büros für 1700 Mitarbeiter – etwa ebenso viele wie im Rathaus selbst. Die Verwaltung steht unter Druck. 2019 müssen die rund 650 Rathausmitarbeiter das Gebäude in der Grunaer Straße verlassen haben. Der Mietvertrag läuft aus. Der Stadtrat könne auch ablehnen und sich für die Anmietung von Räumen entscheiden, sagte Schmidt-Lamontain. Doch seiner Meinung nach sei die Zeit für den Bau am Ferdinandplatz jetzt reif. Die Verwaltung müsse zudem zusammengeführt werden, um die Kommunikation untereinander zu verbessern.

Fassade ist entscheidend

Die Idee der Architekten teilweise alte Straßenverläufe wieder aufzugreifen, wurde von den Teilnehmern der Veranstaltung zumeist wohlwollend bewertet. Dass hingegen eine Diskussion zur Fassadengestaltung ausgespart blieb, stieß auf Unverständnis. „ Die Fassade ist doch sehr entscheidend dafürs, ob ich mich dort wohlfühlen werde und ob die Menschen den Platz akzeptieren“, sagte einer der Teilnehmer. Zudem wurde davor gewarnt, den geplanten Turm zu üppig in die Höhe schießen zu lassen. Er dürfe keinesfalls in Konkurrenz zu Rathausturm oder Kreuzkirche treten.

Eine Spur der alten Stadt

Die Pläne, an denen sich die Stadtverwaltung orientiert, gehen auf einen Vorschlag des Rotterdamer Büros Barcode Architects zurück, das sich in einem Gutachterverfahren gegen sechs weitere Mitbewerber durchgesetzt hatte. Deren Vorschlag hatte laut Jürg Sulzer von der Jury unter anderem überzeugt, weil er sich teilweise am Verlauf einstiger Straßenzüge orientiert. „Das ist zumindest eine Spur der alten Stadt“, sagte Sulzer. Historischem Stadtraum werde eine neue Identität gegeben. Die Straße verläuft in Sichtachse zum Rathausturm. Vom Ferdinandplatz aus ist auch die Kreuzkirche zu sehen. Ein Brunnen und Bäume sind vorgesehen. Der Entwurf sieht drei Gebäudekomplexe vor. Die offene Seite des Karstadt-Kaufhauses wird geschlossen. Neben rund 56 000 Quadratmetern Bürofläche soll auf etwa 21 700 Quadratmetern Wohnungen sowie auf rund 5 400 Quadratmetern Läden und Gaststätten entstehen. Der Platz soll zum Wohlfühlen und Verweilen einladen, wie es hieß. An der Außenseite zum Georgplatz haben die Architekten als städtebaulichen Akzent einen Hochpunkt vorgesehen, einen turmartigen Bau..

Sankt Petersburger Straße muss warten

Etwas auf der Strecke blieb bei der Veranstaltung der Georgplatz. „Natürlich werde es eine Verbindung in die künftige Lingnerstadt auf der anderen Seite der Sankt Petersburger Straße geben“, sage Schmidt-Lamontain. In der Verlängerung komme diese Achse auf der Rückseite des Hygiene-Museums an. Es gebe die Idee, dort langfristig einen Eingang zu schaffen. Er teile den Wunsch, die „ausufernde“ Sankt Petersburger Straße zu verändern und den Georgplatz baulich zu fassen, sagte Schmidt-Lamontain. „Doch die Straße zu verlegen, kostet ein wahnsinniges Geld. Das habe ich nicht.“ Kurzfristig sei da nichts zu machen. Zudem gebe es andere Straßen, die „wegbröseln“ und gemacht werden müssten. Verglichen damit funktioniere die Sankt Petersburger Straße noch recht gut.