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Was sagen Sie zur Corona-App?

Eine Smartphone-App hilft, das Risiko einer Infektion einzuschätzen. Prominente aus dem Landkreis erzählen, ob sie sich die App runterladen werden.

Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch braucht die App nicht.
Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch braucht die App nicht. © dpa-Zentralbild

Michael Rösch aus Altenberg, Olympiasieger im Biathlon: 

Ich brauche die App nicht. Ich habe keine Angst vor Corona. Vielleicht hatte ich es sogar schon, denn ich war kurz vor der Welle in Antholz in Südtirol bei der Biathlon-WM für Sky Sport. Als ich wieder zu Hause war, war ich ziemlich krank. Ich wurde auf Grippe getestet - negativ. Aber nicht auf Corona. Die Idee für die App finde ich gut. Funktioniert aber nur, wenn sie viele nutzen und alle ehrlich sind. Mit dem Datenschutz sehe ich keine großen Probleme. Die meisten, die sich darüber aufregen, sind trotzdem und ganz freiwillig bei Facebook und Co. unterwegs.

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André Hahn, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Gohrisch: 

Ich werde die App definitiv nicht nutzen. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für deren Einsatz, keine parlamentarische Kontrolle, keine Regelungen zum Schutz vor Nötigung zur Installation und zur Sanktionierung von Verstößen dagegen. Zudem ist der tatsächliche Nutzen der App völlig ungewiss. Bis Ende 2021 wird die Entwicklung und Wartung etwa 70 Millionen Euro kosten. Dieses Geld hätte zur Unterstützung der kommunalen Gesundheitsämter besser eingesetzt werden können. 

André Hahn
André Hahn © Deutscher Bundestag/Achim Melde

Bei der App sind viele Fragen noch ungeklärt. Der erforderliche 24-Stunden-Einsatz der Bluetooth-Technologie könnte zu einem Einfallstor für missbräuchliche Ausforschung von Daten benutzt werden, die mit der Corona-Pandemie gar nichts zu tun haben. Ich halte auch absolut nichts davon, die App zur Voraussetzung für Restaurantbesuche zu machen, denn das widerspricht der Freiwilligkeit.

Ralf Thiele, Chef der Pura-Hotels in der Sächsischen Schweiz:

Mir wäre es lieber, wenn wir statt der weltbesten Corona-App das weltbeste Telekommunikationsnetz verkünden könnten. Wann sorgt man endlich dafür, dass man im Kirnitzschtal Mobilfunkempfang hat? Ich bin dagegen, dass man die App zur Zugangsvoraussetzung von Hotel- und Restaurantbesuchen macht. Damit würden wir Leute, die zum Beispiel kein Smartphone haben, diskriminieren. Ob ich mir die App runterlade, weiß ich noch nicht. Mit Datenschutz-Sorgen hat das nichts zu tun – unsere Daten sind schon heute vernetzt. Aber ich weiß erst mal zu wenig darüber. Vielleicht ändert sich das in ein paar Wochen.

Ralf Thiele.
Ralf Thiele. © Daniel Schäfer

Michael Geisler, Landrat:

Zu Testzwecken werde ich mich anmelden. Mit Interesse wird die weitere Entwicklung der App auch von der Corona-Koordinierungs-Gruppe des Landkreises verfolgt. Die Nutzbarkeit der App wird sich im Praxistest zeigen. Jede und jeder Beschäftigte in der Landkreisverwaltung kann selbst darüber entscheiden, die neue Corona-App zu installieren und zu nutzen.

Michael Geisler (CDU).
Michael Geisler (CDU). © Marko Förster

Marcus Galle, Gastronom aus Pirna:

Ich finde, die App ist prinzipiell eine gute Sache. Somit können eventuelle Infektionsketten schnell nachverfolgt werden. Besonders wir Gastronomen freuen uns,  dass wir wieder öffnen können. Angenommen ein Gast hätte jetzt Corona, dann kann man über diese neue App schnell warnen und eine weitere Verbreitung des Virus eindämmen. Das ist wichtig, um somit einen weiteren Lockdown, unter dem wir ja alle gelitten haben, möglichst zu vermeiden. Ich selber werde mir die App runterladen. Aber ich kann auch Menschen verstehen, die diese Warn-App aus datenschutzrechtlichen  Gründen ablehnen. Deshalb  darf es keinen Zwang geben, dass jeder solch eine App nutzen muss. Die freiwillige Verwendung ist wichtig.

Marcus Galle.
Marcus Galle. © Daniel Schäfer

Kerstin Körner (CDU), Oberbürgermeisterin in Dippoldiswalde:

Ich habe mir die App heruntergeladen.Ich halte das für wichtig, dass ich verfolgen kann, wenn ich irgendwo einen Kontakt hatte mit jemand, der eventuell infiziert ist. Wenn es mir so etwas anzeigt, würde ich mich auf jeden Fall sofort testen lassen. Schließlich bin ich viel in Kindereinrichtungen oder Altenheimen unterwegs. Was den Datenschutz angeht, muss ich sagen, dass ich auch auf Facebook unterwegs bin, das ist unter diesen Aspekten wahrscheinlich schwieriger als die App. Wenn neue Updates kommen, werde ich die auf jeden Fall aufspielen, damit die Sicherheit gegeben ist. Ich hielte es aber für keine gute Idee, wenn die App zur Voraussetzung gemacht würde, um in ein Restaurant oder eine Veranstaltung zu gehen. Ihre Benutzung soll freiwillig bleiben. Schön wäre, wenn sich viele beteiligen, damit die App auch ihre Wirkung entfalten kann.

Kerstin Körner (CDU).
Kerstin Körner (CDU). © Egbert Kamprath

Andreas Hofmann (FW) alias DJ Happy Vibes, Kesselsdorf:

Ich lade die App auf keinen Fall herunter. Die Politik hat aus meiner Sicht in den letzten Monaten sehr viel Vertrauen verspielt. Das Robert-Koch-Institut steht hinter der App. Aber ob die Zahlen, die dieses Institut liefert, alle so stimmen? Da bin ich skeptisch. Wir haben als Freie Wähler deshalb auch an den Ministerpräsidenten geschrieben. Ich habe mindestens ein mulmiges Gefühl bei den ganzen Corona-Maßnahmen. Und nun die App, bei der es heißt, sie soll helfen. Aber ob damit nicht noch andere Dinge bezweckt werden?

DJ Happy Vibes.
DJ Happy Vibes. © Karl-Ludwig Oberthuer

Ralf Wätzig (SPD), Mitglied im Stadtrat Pirna und Kreistag SOE:

Ich habe die App bereits installiert und versuche auch Freunde und Bekannte davon zu überzeugen. Die App wirkt am besten, wenn sie viele installiert haben. Für mich ist das ein (weiterer) kleiner Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus. Die App hilft dabei, Infektionsketten zu erkennen und zu durchbrechen. Die Nutzung ist freiwillig. Das ist mir wichtig. So kann sich jeder selber entscheiden, ob er dem hohen Datenschutz durch anonymisierte und verschlüsselte Daten Vertrauen schenken möchte. Selbst der sonst eher kritische Chaos Computer Club lobt die deutsche Corona-App. Die App zur Voraussetzung für einen Restaurantbesuch zu machen, halte ich für falsch. Die Risikoeinstufung durch die App ist meine private Angelegenheit. Wenn das ein Restaurant fordern würde, dann gehe ich in ein anderes.

Ralf Wätzig.
Ralf Wätzig. © Daniel Förster

Christoph Gröger, Inhaber des Vier-Sterne-Hotels „Zum Bären“ in Oberbärenburg:

Ich habe mir am Dienstag die Corona-App heruntergeladen, auch um zu sehen, wie sie funktioniert. Ich bin aber skeptisch, ob sie mir persönlich etwas bringt. Mein Handy liegt hauptsächlich auf dem Schreibtisch. Für mich ist das Handy ein Ballast. Sinnvoll könnte die App für mich nur werden, wenn ich mal nach Dresden fahre und diese dort dann reagiert. Das setzt aber voraus, dass viele andere die App auch nutzen und sich Corona-Infizierte outen. Ich glaube nicht, dass das alle Infizierten machen werden. Ich möchte die App nicht zur Voraussetzung für einen Restaurant- oder Hotelbesuch machen. Bedenken wegen des Datenschutzes habe ich nicht. Ich bin ein Laie, verlasse mich darauf, was die Verbraucherschützer sagen. Im Übrigen glaube ich, dass jeder Handyträger sich gläsern macht, sobald er sein Handy anschaltet. Die großen Internetkonzerne erfassen verschiedene Daten und erstellen sowieso Bewegungsprofile.

Christoph Gröger.
Christoph Gröger. © Klingbeil

Lydia Engelmann (Bündnis 90/Die Grünen) aus Freital, Stadt- und Kreisrätin:

Ja, ich habe mir die Corona-App gleich am Dienstagmorgen heruntergeladen. Ich habe als Referendarin jeden Tag mit rund 900 Menschen zu tun, nutze die öffentlichen Verkehrsmittel und habe auch durch meine ehrenamtliche Tätigkeit viel Kontakt zu Menschen. Ein Teil dieser Menschen gehört zur Risikogruppe und diese Personen möchte ich dadurch schützen. Das Thema Datenschutz ist natürlich eine sehr wichtige Frage, allerdings nutze ich auch soziale Medien wie Facebook und Twitter oder Messangerdienste wie Whatsapp. Zudem zeichnen auch Smartphones Bewegungsprofile auf und speichern diese teilweise auf Servern im Ausland. Wenn wir jetzt bei der Corona-App eine Diskussion über Datenschutz aufmachen, die wir an anderer Stelle wo es nötiger wäre, nicht führen, finde ich das irgendwie seltsam. 

Lydia Engelmann (B90\Grüne).
Lydia Engelmann (B90\Grüne). © Egbert Kamprath

Monika Schuster, Leiterin der Musikschule Fröhlich in Heidenau:

Ja, ich nutze die Corona App, weil sie mir hilft, festzustellen, ob ich mit infizierten Personen in Kontakt gekommen bin. Gleichzeitig ist es mir aber auch wichtig, dass ich damit Verantwortung für die vielen Menschen, denen ich täglich begegne, übernehme. Jeden Tag haben viele Schüler bei mir Unterricht. Im Falle einer Ansteckung könnte ich schnell reagieren, um so die Kette zu unterbrechen. Zum Thema Sicherheitslücken: Ich habe Whats App, bin auf Facebook und Instagram - was sollte die App wissen, was diese nicht schon wissen.

Monika Schuster
Monika Schuster © privat

Anne Krahl, Hobby-Künstlerin und Autorin aus Pirna: 

Ich halte von diesem ganzen Drama überhaupt nichts. Meiner Meinung nach wird mit der Angst vor einer Erkrankung maßlos übertrieben. Im Jahr 2017 starben in Deutschland 11.000 Menschen an einer „normalen“ Virusgrippe und dafür gibt es einen Impfstoff und Medikamente. Davor haben scheinbar die Wenigsten Angst, vielleicht auch, weil es kaum jemand weiß. Und jetzt geht durch die eingeleiteten Maßnahmen so viel kaputt, dass ich mich frage, worum es dabei wirklich ging? Die Entwicklung der App hat wieder ein paar Tausend Euro gekostet, die an anderer Stelle besser angelegt wären.

Anne Krahl
Anne Krahl © Marko Förster

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