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Prostatakrebs im Frühstadium ohne Symptome

Dr. Hans-Dieter Illig, Urologie- Chefarzt am Elblandklinikum Riesa, weiß, wer Risikopatient für Prostatakrebs ist.

Herr Dr. Illig, was ist das Heimtückische an Prostatakrebs?

Die Schwierigkeit besteht darin, dass Prostatakrebs im Frühstadium keine Probleme bereitet. Es treten keine Symptome auf, die darauf hinweisen würden.

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Harnwegsinfektionen können Wohlbefinden und Lebensqualität erheblich einschränken. Frauen sind davon etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Was aber ist mit Problemen beim Wasserlassen wie Harndrang oder abgeschwächter Harnstrahl?

Das sind Symptome, die auf eine gutartige Prostatavergrößerung schließen lassen, denn das Organ wächst im Laufe des Lebens eines Mannes. Prostatavergrößerung heißt aber nicht Krebs.

Dennoch erkranken jährlich über 64 000 Männer in Deutschland neu an Prostatakrebs. Wer ist Risikopatient?

Der Mann, dessen Vater, Großvater oder Bruder bereits an diesem Krebs erkrankt ist, besitzt einmehr als doppelt so hohes Risiko, ebenfalls an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. So erkranken Japaner, die viel Gemüse, Reis und wenig tierische Fette essen, nicht so häufig an Prostatakrebs wie die westliche Bevölkerung.

Prostatakrebs gilt als „Altmännerkrankheit“. Welche Rolle spielt das Alter bei der Erkrankung?

Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten von Prostatakrebs. Derjenige, der 70 Jahre ist und einen PSA-Wert von unter 1 hat, kann sich daher glücklich schätzen. Insgesamt tragen ca. 40 % der männlichen Bevölkerung in den westlichen Industrieländern das Risiko, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakrebs zu entwickeln, aber nur 10 % bekommen Symptome, und 3 % sterben daran.

Wie lässt sich herausfinden, ob man betroffen ist?

Die von der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem vollendeten 45. Lebensjahr bezahlte Krebsfrüherkennung wie die Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm ist zur Früherkennung von Prostatakrebs nicht geeignet. Nur auf der Basis eines Bluttestes, der Bestimmung des PSA-Wertes, lässt sich Prostatakrebs im Frühstadium feststellen und potenziell heilen. Durch eine Gewebeprobe muss dieser Verdacht feingeweblich gesichert werden.

Immer wieder wird diskutiert, ob die flächendeckende Bestimmung des PSA-Wertes im Sinne eines Screenings durchgeführt werden sollte. Was halten Sie davon?

Ich schließe mich hier der Meinung unserer Fachgesellschaft auf dem diesjährigen Urologen-Kongress im September in Dresden an, wo ein generelles Screening der Männer ab einem bestimmten Alter mittels PSA-Test nicht empfohlen wurde.

Warum?

Ein erhöhter PSA-Wert ist nicht gleichbedeutend mit Krebs. Ein Beispiel: Bei einem Mann mit einem PSA-Wert von 9,2 konnte durch Gewebeentnahme nicht nachgewiesen werden, dass er Krebs hat. In einem anderen Fall lag der PSA-Wert im Normbereich bei einem verdächtigen Tastbefund, und im Operationspräparat bestand bereits ein fortgeschrittener Tumor. Es gibt noch keinen Marker, mit dem ein potenziell aggressiver Krebs, an dem der Mann erkranken und sogar sterben könnte, im heilbaren Stadium sicher zu erkennen ist. So weit ist die Medizin noch nicht.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Wir führen seit vielen Jahren die Radikaloperation der Prostata mit bis zu 70 Eingriffen im Jahr durch. Dass der Patient danach wieder kontinent ist, erreichen wir in über neunzig Prozent der Fälle. Auch ein Potenzerhalt ist möglich. Die Strahlentherapie als eine weitere Option der Behandlung von Prostatakrebs mit der Zielstellung einer Heilung, ob durch die Haut von außen oder in Form der sogenannten Brachy-Therapie, bei der radioaktive Partikel in das Organ implantiert werden, kann nur in einer strahlentherapeutischen Einrichtung durchgeführt werden.

Weitere Infos unter www.elblandkliniken.de