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Von „Freu... Göt... Toch“ erklang nur jede vierte Silbe

Wieder demonstrierten freie Künstler für Hilfe von Land und Bund. Sachsens Ministerpräsident kündigte Unterstützung an – die aber nicht unendlich sei.

Demonstration mit ernstem Hintergrund inmitten eines Idylls: Zum dritten Mal trafen sich freie Künstler am Dresdner Elbufer, um Hilfe einzufordern.
Demonstration mit ernstem Hintergrund inmitten eines Idylls: Zum dritten Mal trafen sich freie Künstler am Dresdner Elbufer, um Hilfe einzufordern. © Matthias Rietschel

Dresden. Sie mögen wie viele seit elf Wochen in der Zwangspause sein, aber untätig sind sie nicht, sondern kreativ: Wieder trafen sich freischaffende Künstler und Konzertveranstalter am Mittwoch am Dresdner Elbufer, um als sogenannte „Stumme Künstler“ auf ihre Situation hinzuweisen: Nahezu hundertprozentige Einnahmeverluste, die nicht ausgeglichen werden können, sowie die fehlende Perspektive, weil mit den aktuellen Hygieneregeln Kunst und Kultur nicht gut und auch nicht wirtschaftlich auf die Bühne zu bringen seien. Und sie fanden eine originelle Umsetzung, wie das ist, wenn nur jeder 4. oder 5. Stuhl in Häusern und Sälen aus Sicherheitsgründen besetzt werden kann: Die über hundert Künstler, darunter solche prominenten wie Schauspieler Tom Pauls, Comedian Olaf Schubert und Kabarettist Philipp Schaller sowie die Bands The Firebirds und Medlz, stimmten Beethovens Schlusschor der neunten Sinfonie an, die „Ode an die Freude“. Allerdings sangen sie analog zu den wenigen zu besetzenden Stühlen nur jede vierte Silbe der populären Weise. Das ging anfangs schwer über die Lippen, dann immer besser: „Freu... Göt... Toch... ly... wir... feu... Himm... Hei... Dei... bin... was... streng... al... wer... wo... Flügelt weilt.“

So eindrücklich hat man den diesjährigen Jubilar unter den Komponisten noch nie gehört. Der anwesende sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie Kabinetts- und Landtagskollegen lauschten andächtig. Ob auch sie schmunzeln mussten, verbarg ihr Mundschutz.

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Unter den Demonstranten war auch ein bekannter Pullunder zu erkennen: der von Olaf Schubert.
Unter den Demonstranten war auch ein bekannter Pullunder zu erkennen: der von Olaf Schubert. © Matthias Rietschel

Aber offenbar hatte Kretzschmer auch bei den Forderungen der Künstler zugehört. Wie schon vor anderen Politikern von Stadt und Land nannten sie da unter anderem eine Unterstützung im Sinne eines Kurzarbeitergeldes, eine kostenlose Insolvenzberatung oder weiterführende Hilfen für die von ihnen beschäftigten Kostümbildner, Techniker und andere Gewerke. Es gibt ja Angebote wie erste Soforthilfen und SAB-Kredite, „aber wirklich strukturelle Hilfen kommen nicht an“, sagte der Initiator der „Stummen Künstler“, der international geschätzte Jazzer und Jazztage-Veranstalter Kilian Forster.

Der Ministerpräsident stimmte indirekt zu. Es gebe Lücken, das habe man erkannt, über die man sprechen müsse, um die Vielfalt auch an freien Künstlern und privaten Theatern zu erhalten. Er kündigte für die nächsten ein, zwei Wochen ungeachtet der Vorhaben des Bundes ein neues Kulturförderprogramm des Freistaates an, ähnlich dem für die freie Wirtschaft. „Wir werden unser Möglichstes tun.“

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