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Protest gegen Ferdinandplatz-Turm

Die Neumarkt-Wächter in Dresden lehnen den geplanten Hochpunkt gänzlich ab. Auch im Stadtrat regt sich Widerstand.

Von Sandro Rahrisch
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Das potenzielle Hochhaus erzürnt Dresdens verlässlichste Architektur-Kritiker.
Das potenzielle Hochhaus erzürnt Dresdens verlässlichste Architektur-Kritiker. © BARCODE Architects / Landeshauptstadt Dresden

Einen Tag vor der Entscheidung, wie der Ferdinandplatz inmitten von Dresden nun bebaut wird, sind am Donnerstag die Positionen abgesteckt worden. „Frauenkirche und Rathausturm dürfen nicht verdeckt werden“, sagte Linke-Stadtrat Tilo Wirtz zu dem Rathaus, das die Stadtverwaltung dort plant. Bestandteil wäre ein Turm, der laut Bebauungsplan-Entwurf zwischen 30 und 60 Meter hoch werden könnte. Auch von der Neustadt her dürfe die Altstadtansicht nicht gestört werden, so Wirtz weiter.

Unterstützung erhalten die Linken von der Gesellschaft Historischer Neumarkt. Die Stadt wolle einen neuen Rathausturm errichten, ohne überhaupt ein Hochhauskonzept auf den Weg gebracht zu haben, welches die Eckpunkte für solch einen Bau klären würde, teilte der Verein am Donnerstag mit. Damit setze man auch gegenüber privaten Investoren ein falsches Signal. Die Neumarkt-Wächter fordern, dass die Stadt auf einen Turm komplett verzichtet. Außerdem soll das neue Rathaus auf die Firsthöhe, als die Höhe der Dachspitze, des gegenüberliegenden „alten“ Rathauses begrenzt werden.

Geld für alten Rathausturm nutzen

Die eingesparten Kosten könnten der Sanierung des bestehenden Rathausturmes zugutekommen, der seit Jahren nicht mehr begehbar ist. Laut einer Anfrage von Witz an die Stadtverwaltung hat allein der städtebauliche Wettbewerb für den Ferdinandplatz bereits 250 500 Euro gekostet. „Es verschlägt einem den Atem, wenn bei einem teuren Wettbewerbsverfahren mit einer hochkarätig besetzten Jury etwas Elementares, nämlich die Prüfung der Auswirkungen eines Bürohochhauses im Stadtbild nahe der sensiblen Altstadtansicht, schlicht durch das Raster gefallen ist.“

Noch besitzt die Stadt nicht einmal die komplette Fläche des Ferdinandplatzes. Ein verbleibendes 350 Quadratmeter großes Teilstück liegt in privater Hand. Für reichlich zwei Millionen Euro will es Dresden dem Eigentümer abkaufen. Auch darüber muss der Stadtrat aber erst noch entscheiden, womöglich kommende Woche.