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Protest gegen NPD-Fest wächst

Ärgernis. Nach und nach formiert sich Widerstand gegen ein braunes Open-Air in Pappritz.

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Von Alexander Schneider

Das Pressefest des Deutsche Stimme-Verlages ist mit das Schlimmste, was ich je erlebt habe.“ Das sagt Lothar Ungerer, Bürgermeister im sächsischen Meerane. 2003 veranstaltete dort der braune Verlag aus Riesa, Herausgeber des NPD-Organs Deutsche Stimme, sein damals zweites „Pressefest“. „4 000 Nazis waren in unserer Stadt. Ich konnte es einfach nicht glauben.“ Am Sonnabend, 5. August, soll das größte Nazi-Treffen Sachsens, zu dem neben der NPD-Parteispitze tausende Extremisten aus Deutschland kommen, erstmals in Dresden stattfinden: in Pappritz, auf dem Freigelände einer Tennisanlage. Keinen Kilometer vom Haus des Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) entfernt.

Pappritz droht der Ausnahmezustand. Skinhead-Bands spielen, es gibt Hetz-Reden, alle Zielgruppen des braunen Sumpfs sollen bedient werden. „Es ist das Großereignis der Nazi-Szene“, sagt Ungerer. Zuletzt 2004 hatten mehr als 7 000 Extremisten das Dörfchen Mücka heimgesucht. 2005 fiel die Fete mangels Geld ins Wasser.

Der Ortschaftsrat von Schönfeld-Weißig hatte eine öffentliche Distanzierung von der NPD-Veranstaltung abgelehnt, organisiert jedoch ein Volleyball-Sommerturnier. Oppositionellen von den Grünen, SPD und FDP war das zu wenig. Sie luden Ungerer am Montag zu einer spontanen Diskussionsrunde, damit er von seinen Erlebnissen berichtet. Was er sagt, entsetzt manchen erst jetzt. Viele konnten mit dem Begriff „Pressefest“ bislang nichts anfangen. „Kann man das nicht verhindern?“, fragt eine Frau. „Ich habe das Gefühl, der Stadt ist es ganz recht, dass es hier draußen passiert und nicht in der Innenstadt“, sagt ein Anderer.

Laut Stadtverwaltung wurde das „Pressefest“ Ende Juni als Versammlung angemeldet. Inzwischen läuft sie als „normale Veranstaltung“ auf einem Privatgelände. Ordnungsamtsleiter Ralf Lübs: „Es gibt kein Genehmigungsverfahren, aber die Bauaufsicht wird die Tennishalle sperren. Es gibt Auflagen zu Lärmschutz und Sicherheit.“ Die Polizei bereitet einen Großeinsatz vor. Sie muss die Rechtsextremisten kontrollieren und mit Protest der Gegner rechnen. Stadträte fast aller Parteien – von ihnen war öffentlich dazu bisher nichts zu hören – arbeiten nun an einer Erklärung gegen die braunen Umtriebe.