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Protest gegen Trilex-Pläne

Bürgermeister entlang der Strecke nach Dresden werfen der Länderbahn Vertragsbruch vor. Unter anderem, weil moderne Züge ins Saarland wechseln.

Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker ist der Wortführer des Bürgermeister-Protestes gegen Kapazitäts-Minderung beim Trilex.
Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker ist der Wortführer des Bürgermeister-Protestes gegen Kapazitäts-Minderung beim Trilex. © Matthias Weber / Montage: SZ-Bildstelle

Wenn etwas schlecht ist, gibt es zur Beschreibung dieses Umstandes meistens schöne Wörter - damit es nicht so wehtut. Der "Trilex"-Betreiber Länderbahn wählte für einen solchen Umstand nun die Vokabel "Anpassungsmaßnahmen". So teilte das Unternehmen jüngst mit, dass sich "in Abstimmung mit den Aufgabenträgern" und mit Geltung vom 1. September im Bahnverkehr zwischen Zittau und Dresden einiges ändern werde - möglicherweise jedenfalls.

Demnach fahre der Frühzug der RB 61, der Zittau montags bis freitags um 6.33 Uhr verlässt, nicht mehr mit zwei Triebwagen vom Typ Desiro, sondern nurmehr mit einem. Die RE 2 (Zittau ab 7.21 Uhr) verkehrt statt im Doppeltraktion Desiro mit einem Doppelpack des kleineren Triebwagens RegioShuttle nach Dresden und wieder zurück. Die Situation sei eine "Vorbereitung für das neue Trilex-Betriebskonzept" und gelte bis zum Fahrplanwechsel im Dezember. De facto bedeuten diese "Anpassungsmaßnahmen": In den Frühzügen ab Zittau ist nun weniger Platz für Fahrgäste. Ab Dezember beginnt die Laufzeit des neuen Vertrages für das Ostsachsen-Netz. "Dann werden wir die Strecke nach Zittau wie geplant nahezu ausschließlich mit Desiro-Zügen bedienen", sagt Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller auf SZ-Anfrage.

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Gegen die Überbrückungsmaßnahme regt sich nun prominenter Widerstand aus dem Südkreis. Die Bürgermeister von Zittau, Ebersbach-Neugersdorf, Oderwitz, Mittelherwigsdorf und Großschönau haben einen bösen Brief an den Bautzner Landrat Michael Harig (CDU) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zweckverbands Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) geschrieben. Als Wortführer tritt dabei Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD) auf. "Die Vorgehensweise des Zvon konterkariert alle Bemühungen und Verlautbarungen der Staatsregierung. Kein Wunder, wenn sich die Leute abgehängt fühlen!", schrieb der an seine Amtskollegen. Besonders erbost sind sie über den Grund der "Anpassungsmaßnahme" bei der Länderbahn: "... die Ausleihe von Desiro-Bahnen durch die Länderbahn, um anscheinend in anderen Regionen “gewonnene” Verkehre abzusichern, (ist) absolut nicht hinnehmbar", heißt es in dem Schreiben.

Tatsächlich gibt die Länderbahn mit dem kommenden Fahrplanwechsel vier ihrer Desiro-Triebwagen ins Saarland ab, wie Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller auf SZ-Anfrage bestätigt. Das hat jetzt schon Auswirkungen auf den Trilex-Betrieb zwischen Zittau und Dresden. Bevor die Züge nämlich an die Saar wechseln, sind Umbaumaßnahmen an ihnen erforderlich. "Dafür nehmen wir jeweils einen Zug für drei bis vier Wochen aus dem Betrieb", sagt Puchmüller - und diese Züge fehlen dann natürlich. Allerdings: "Wir bemühen uns trotzdem, so viel wie möglich im gewohnten Betrieb zu fahren", so Puchmüller. In der laufenden Woche etwa seien die angekündigten "Anpassungsmaßnahmen" noch gar nicht zum Tragen gekommen.

Dennoch: die Bürgermeister wittern einen Vertragsbruch. "Insofern muss vermutet werden, dass die Länderbahn die vertraglich gebundenen SPNV-Leistungen (Schienen-Personen-Nahverkehr, d. Red.) im Ostsachsennetz nicht erbringen kann", schreiben sie und weiter: "Weiterhin steht die grundsätzliche Frage, ob in Anbetracht des Zustandes/Ausstattung des Länderbahn-Fahrzeugparks die vertraglich gesicherten Qualitätsstandards erfüllt werden." Besonders unverständlich sei ihnen, dass gerade die nachfragestarken Regional-Express-Züge am Morgen von dem geänderten Fahrzeugkonzept betroffen seien. "Diese Bahnverbindung hat für unsere Region eine enorm hohe Erschließungswirkung und sichert nicht nur die Anbindung an die Landeshauptstadt, sondern auch an den Fernverkehr der Deutschen Bahn", schreiben die Bürgermeister und zeigen sich enttäuscht: "Für die Bevölkerung würde mit Umsetzung der angekündigten Maßnahmen sehr deutlich, welch geringen Stellenwert der SPNV anscheinend in unserer Region hat."

Erst seien die komfortablen Neigetechnik-Triebwagen auf den beiden Regionalexpress-Linien weggefallen, dann habe man die Verkehrsleistungen erneut ausgeschrieben und neu vergeben - mit gebrauchten Fahrzeugen. Und nun müssten die Fahrgäste wegen des angekündigten Fahrzeugwechsels auch noch weitere Kapazitäts- und Komforteinbußen hinnehmen. In den Kapazitätseinbußen ab Zittau aber sieht die Länderbahn kein Problem. "Es ist nicht so, dass die Leute nicht mehr mitkommen oder in Zittau keinen Sitzplatz bekommen. Unsere Fahrgastzählungen haben gezeigt, dass es erst im Zulauf auf Dresden etwas enger werden kann", sagt Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller.

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Den wahren Grund für die Verknappung jedenfalls haben die Bürgermeister in ihrem Schreiben ausgemacht: Es war der Vergabestreit um den Betrieb des Ostsachsenverkehrs. Ursprünglich nämlich hatte ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn den Zuschlag erhalten. Dagegen hatte sich die Länderbahn gewehrt und die Vergabekammer hat den Beschluss schließlich kassiert. Dadurch aber erhielt die Länderbahn den Zuschlag später als erwartet. "Die vorübergehende Abgabe der Desiros ins Saarland war schon klar, bevor wir uns an der Ausschreibung Ostsachsennetz beteiligt haben. Insofern gibt es nur ab jetzt bis zum Fahrplanwechsel im Dezember diese mögliche Einschränkung", sagt Jörg Puchmüller. Das Betriebskonzept sei auch so mit dem Zvon und dem VVO abgestimmt. Das bestätigt Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer des Zvon auf SZ-Nachfrage. "Wir haben uns mit Bauchschmerzen entschlossen, die Änderung zu akzeptieren", sagt er und ist nicht ganz glücklich damit: "Das ist jetzt nicht schön, wenn Qualitätsverluste eintreten." Vertragskonform sei es nämlich tatsächlich nicht, wenn der Trilex etwa mit weniger Plätzen als vom Zvon bestellt fahre. Eine Vertragsstrafe drohe deshalb zwar nicht, aber: "Wenn statt zwei Triebwagen nur einer fährt, bekommen die natürlich auch nur für einen Geld", sagt Mehnert. 

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