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Bischofswerda

Protest gegen Trilex-Pläne

Auf der Strecke Zittau – Dresden gibt es in vielen Zügen bald weniger Sitzplätze. Bürgermeister wollen das nicht hinnehmen.

©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Bischofswerda. Wenn etwas schlecht ist, gibt es zur Beschreibung meistens schöne Wörter – damit es nicht so wehtut. Der Trilex-Betreiber Länderbahn wählte für einen solchen Umstand nun die Vokabel „Anpassungsmaßnahmen“. So teilte das Unternehmen jüngst mit, dass sich „in Abstimmung mit den Aufgabenträgern“ und mit Geltung vom 1. September im Bahnverkehr zwischen Zittau und Dresden einiges ändern werde – möglicherweise jedenfalls.

Demnach fahre der Frühzug der Regionalbahn 61, (Abfahrt in Bischofswerda 7.38 Uhr), den vor allem Pendler nutzen, nicht mehr mit zwei Triebwagen vom Typ Desiro, sondern  nur mit einem. Die Regionalexpress (Abfahrt in Bischofswerda 8.14 Uhr) verkehrt statt im Doppeltraktion Desiro mit einem Doppelpack des kleineren Triebwagens RegioShuttle nach Dresden und wieder zurück nach Zittau. Die Situation sei eine „Vorbereitung für das neue Trilex-Betriebskonzept“ und gelte bis zum Fahrplanwechsel im Dezember. De facto bedeuten diese „Anpassungsmaßnahmen“: In den Frühzügen ist nun weniger Platz für Fahrgäste. Ab Dezember beginnt die Laufzeit des neuen Vertrages für das Ostsachsen-Netz. „Dann werden wir die Strecke nach Zittau wie geplant nahezu ausschließlich mit Desiro-Zügen bedienen“, sagt Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller auf SZ-Anfrage.

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Pendler besonders betroffen

Gegen die Überbrückungsmaßnahme regt sich Widerstand, vor allem im Dreiländereck. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Zittau, Ebersbach-Neugersdorf, Oderwitz, Mittelherwigsdorf und Großschönau haben einen Brief an den Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) in dessen Eigenschaft als Vorsitzender des Zweckverbands Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) geschrieben. Als Wortführer tritt dabei Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD) auf. „Die Vorgehensweise des Zvon konterkariert alle Bemühungen und Verlautbarungen der Staatsregierung. Kein Wunder, wenn sich die Leute abgehangen fühlen!“, schrieb der an seine Amtskollegen. Besonders erbost sind sie über den Grund der „Anpassungsmaßnahme“ bei der Länderbahn: „... die Ausleihe von Desiro-Bahnen durch die Länderbahn, um anscheinend in anderen Regionen ,gewonnene’ Verkehre abzusichern, (ist) absolut nicht hinnehmbar“, heißt es in dem Schreiben.

Auch Bürgermeister im Landkreis Bautzen wie der Schmölln-Putzkauer Achim Wünsche, deren Gemeinde an der Bahnstrecke Zittau – Bischofswerda liegt, üben Kritik. „Das Hauptproblem ist, dass es die Frühzüge und damit viele Pendler trifft. Schon jetzt fehlen in den Zügen oft Sitzplätze. Künftig dürfte sich das Problem noch verschärfen“, sagte er auf Anfrage der SZ. Für den Bürgermeister, in dessen Gemeinde es zwei Bahnhaltepunkte gibt, ist es „das falsche Signal“, weniger bzw. kleinere Triebwagen einzusetzen. „Die Forderungen der Politik gehen in die andere Richtung: den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen.“

Tatsächlich gibt die Länderbahn mit dem kommenden Fahrplanwechsel vier ihrer Desiro-Triebwagen ins Saarland ab, wie Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller auf SZ-Anfrage bestätigt. Das hat jetzt schon Auswirkungen auf den Trilex-Betrieb zwischen Zittau und Dresden. Bevor die Züge nämlich an die Saar wechseln, sind Umbaumaßnahmen an ihnen erforderlich. „Dafür nehmen wir jeweils einen Zug für drei bis vier Wochen aus dem Betrieb“, sagt Puchmüller – und diese Züge fehlen dann natürlich. Allerdings: „Wir bemühen uns trotzdem, so viel wie möglich im gewohnten Betrieb zu fahren.“ In dieser Woche seien die geplanten Veränderungen noch gar nicht zum Tragen gekommen.

Dennoch: die Bürgermeister wittern einen Vertragsbruch. „Insofern muss vermutet werden, dass die Länderbahn die vertraglich gebundenen SPNV-Leistungen (Schienen-Personen-Nahverkehr – d. Red.) im Ostsachsennetz nicht erbringen kann“, schreiben sie und weiter: „Weiterhin steht die grundsätzliche Frage, ob in Anbetracht des Zustandes/Ausstattung des Länderbahn-Fahrzeugparks die vertraglich gesicherten Qualitätsstandards erfüllt werden.“

Besonders unverständlich sei ihnen, dass gerade die nachfragestarken Regional-Express-Züge am Morgen von dem geänderten Fahrzeugkonzept betroffen seien. „Diese Bahnverbindung hat für unsere Region eine enorm hohe Erschließungswirkung und sichert nicht nur die Anbindung an die Landeshauptstadt, sondern auch an den Fernverkehr der Deutschen Bahn“, schreiben sie und zeigen sich enttäuscht: „Für die Bevölkerung würde mit Umsetzung der angekündigten Maßnahmen sehr deutlich, welch geringen Stellenwert der SPNV anscheinend in unserer Region hat.“

Zvon akzeptiert Änderung mit Bauchschmerzen

Den wahren Grund für die Verknappung jedenfalls haben die Bürgermeister in ihrem Schreiben ausgemacht: Es war der Vergabestreit um den Betrieb des Ostsachsenverkehrs. Ursprünglich nämlich hatte ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn den Zuschlag erhalten. Dagegen hatte sich die Länderbahn gewehrt und die Vergabekammer hat den Beschluss schließlich kassiert. Dadurch aber erhielt die Länderbahn den Zuschlag später als erwartet. „Die vorübergehende Abgabe der Desiros ins Saarland war schon klar, bevor wir uns an der Ausschreibung Ostsachsennetz beteiligt haben. Insofern gibt es nur ab jetzt bis zum Fahrplanwechsel im Dezember diese mögliche Einschränkung“, sagt Jörg Puchmüller. Das Betriebskonzept sei auch so mit dem Zvon und dem VVO abgestimmt.

Das bestätigt Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer des Zvon auf SZ-Nachfrage. „Wir haben uns mit Bauchschmerzen entschlossen, die Änderung zu akzeptieren“, sagt er und ist nicht ganz glücklich damit: „Das ist jetzt nicht schön, wenn Qualitätsverluste eintreten.“ Vertragskonform sei es nämlich tatsächlich nicht, wenn der Trilex etwa mit weniger Plätzen als vom Zvon bestellt fahre. Eine Vertragsstrafe drohe deshalb zwar nicht, aber: „Wenn statt zwei Triebwagen nur einer fährt, bekommen die natürlich auch nur für einen Geld“, sagt Mehnert.