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Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch 

Zwei Tage nach dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens laufen Rechtsextreme durch die Stadt. Unwidersprochen bleibt das nicht. 

An der Wilsdruffer Straße haben sich Gegendemonstranten gesetzt.
An der Wilsdruffer Straße haben sich Gegendemonstranten gesetzt. © Paul Sander

In Dresden hat sich am Freitagabend Widerstand gegen einen Neonazi-Aufmarsch formiert. Rechtsextreme hatten wie in jedem Jahr einen sogenannten Trauermarsch in Erinnerung an die Zerstörung der Elbestadt geplant und sammelten sich am Skatepark Lingnerallee. Anmelder  Maik Müller, Stadtbezirksrat der NPD, rechnete  mit 500 Teilnehmern. Gekommen sind in Verlauf der späteren Demonstration allerdings mehr.  SZ-Reporter schätzten etwa knapp 1.000 Teilnehmer. 

Mehrere Akteure stellten sich den Neonazis entgegen, den größten Zuspruch erhielt dabei das Bündnis "Dresden Nazifrei" am Wiener Platz. Dort versammelten sich nach Schätzungen eines SZ-Reporters ebenfalls knapp 1000 Gegendemonstranten. Die Route dieser Demonstration führte über die St. Petersburger Straße  zunächst zum Georgplatz, dann zum Pirnaischen Platz, weiter in die Innenstadt und teils zum Hauptbahnhof.  

Foto: Paul Sander
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Für die Polizei stellte die Situation eine „konfrontative Versammlungslage“ dar. Erste Rangeleien gab es bereits am Georgplatz, als etwa 40 Gegendemonstranten zum nahe gelegenen Neonazi-Sammelpunkt durchbrechen wollten. 

Es blieb nicht die einzige Auseinandersetzung: Es gab eine Sitzblockade auf der Wilsdruffer Straße. Auch Dr.-Külz-Ring, Waisenhausstraße, Dippoldiswalder Platz und andere Stellen wurden blockiert. Offenbar wurde es immer schwieriger, die Rechtsextremen zu eskortieren. Denn die Beamten reagierten zunehmend gereizt, behinderten unter SZ-Journalisten und andere Medienvertreter bei der Berichterstattung über die Demonstrationen. 

Der leitende Polizeidirektor René Demmler versprach nach dem Einsatz, die Vorfälle zu prüfen und bat betroffene Medienvertreter, sich an die Polizeidirektion Dresden zu wenden. 

Die Beamten, die mit knapp 1.200 Kräften im Einsatz waren, geleiteten die Rechtsextremen schließlich über die Budapester Straße und Ammonstraße zum Hauptbahnhof.  Friedlich blieb es dabei auch nicht. SZ-Reporter und andere Augenzeugen berichteten wie schon entlang der vorherigen Strecke von Schubsereien und anderem unnötig harten Vorgehen der Beamten gegen die Gegendemonstranten. Auch Verletzte soll es gegeben haben, wobei Details am Abend unklar blieben.

Foto: Paul Sander
Foto: Paul Sander © Paul Sander
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Foto: Paul Sander

Auch die Zahl der Gegendemonstranten hatte sich im Laufe des Abends etwas erhöht - auf mehr als 1.000. Viele davon bewegten sich in Richtung Hauptbahnhof, wo auch der Zug der Neonazis zu einer Abschlusskundgebung eintraf.  Im Geräuschpegel der Gegendemonstranten ging ein Großteil der dortigen Redebeiträge und Gesänge der Rechtsextremen allerdings unter. Gegen 21.45 Uhr wurde der Auflauf beendet, Demonstranten beider Lager schließlich reisten ab. 

Am Ende bilanziert die Polizei mehrere Straftaten, darunter ein Verstoß wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, ein Landfriedensbruch, eine Körperverletzung sowie versammlungsrechtliche Delikte. 15 Menschen seien verübergehend in Gewahrsam genommen worden. (mja)

Polizeisprecher Thomas Geithner sprach am Hauptbahnhof mit zwei SZ-Reportern über den Einsatz: