SZ +
Merken

Proteste gegen neue Königsbrücker

Die Sanierung der Königsbrücker Straße bewegt die Dresdner. Die gestern anberaumte Einwohnerversammlung hat so viele Menschen ins Kulturrathaus gelockt, dass keiner der Stühle frei blieb. Es mögen wohl rund 500 Dresdner gewesen sein, die sich für die Ausbaupläne der Stadt interessierten.

Teilen
Folgen

Von Tobias Winzer

Die Sanierung der Königsbrücker Straße bewegt die Dresdner. Die gestern anberaumte Einwohnerversammlung hat so viele Menschen ins Kulturrathaus gelockt, dass keiner der Stühle frei blieb. Es mögen wohl rund 500 Dresdner gewesen sein, die sich für die Ausbaupläne der Stadt interessierten. Schnell wurde klar, welche Meinung ein Großteil der Anwesenden vertritt: Als der Vorstand der Verkehrsbetriebe, Reiner Zieschank, die jetzigen Sanierungspläne als „guten Kompromiss“ erntete er den müden Beifall von zehn Menschen. Als dagegen der Grünen-Ortsbeirat Michael Ton fragte, ob die sinkenden Verkehrszahlen nicht Anlass seien, die Planungen noch einmal zu überdenken, brach Jubel im Publikum aus.

Die Befürworter einer Sanierung im Bestand waren gestern Abend klar in der Mehrheit. Lag es daran, dass die meisten Anwesenden in der Nähe der Königsbrücker Straße wohnen und deshalb kein Interesse an einer lauten Straße vor ihrer Haustür haben? Meldeten sich die Befürworter eines Ausbaus nicht zu Wort? Oder gibt es sie tatsächlich nicht? Mit diesen Fragen werden sich die Stadträte bei ihrer Entscheidungsfindung befassen müssen.

Trotz des hitzigen Themas wurde gestern Abend erfreulicherweise meist sachlich diskutiert. Der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz, zeigte in einer 3-D-Simulation, wie sich die Stadt die neue Königsbrücker vorstellt.

Demnach würde sich die Königsbrücker Straße von heute durchschnittlich zehn auf 17 Meter verbreitern. Die beiden Straßenbahngleise in der Mitte der Straße könnten fast überall von Autos überfahren werden. Daneben gibt es jeweils noch eine eigene Spur und etwa zwei Meter breite Radwege. Die Fußwege werden dadurch an einigen Stellen deutlich schmaler. Zum Beispiel schrumpft der Fußweg an der Ecke Königsbrücker Straße/Lößnitzstraße von heute rund 16 Metern auf neun Meter zusammen. 32,6 Millionen Euro soll das kosten. Baustart wäre frühestens 2016.

Die größte Veränderung für Autofahrer gibt es an der Kreuzung zum Bischofsweg: Damit sich Autos und Straßenbahnen nicht gegenseitig blockieren, fällt der Linksabbieger in beiden Richtungen weg. Wer von der Königsbrücker Straße zum Bischofsplatz fahren will, muss den Umweg über die Tannenstraße und die Rudolf-Leonhard-Straße nehmen.

Mehrere Fragesteller befürchten deshalb Schleichverkehr durch das Hechtviertel. „Unsere Analysen sehen anders aus“, entgegnete Koettnitz. Die Frage nach den Verkehrszahlen umschiffte Koettnitz. Er bestätigte zwar, dass mit 14 000 Fahrzeugen pro Tag aktuell weniger Autos und Laster auf der Königsbrücker Straße unterwegs sind als vor der Eröffnung der Waldschlößchenbrücke. Den Planungen würden aber die Verkehrsprognosen für das Jahr 2025 zugrunde liegen. Dafür erwarte die Stadt wieder einen Anstieg auf 17 000 Fahrzeuge „Die nächste Prognose für das Jahr 2025 wird nicht vor 2015 kommen.“

Nun hängt alles am Stadtrat. Voraussichtlich in seiner Februar-Sitzung entscheidet er über die vorgeschlagene Sanierungsvariante. Vor der gestrigen Einwohnerversammlung bekannte sich die CDU zu den Plänen. „Die Planungsvariante erfüllt alle Anforderungen im Hinblick auf Stadtteilverträglichkeit, Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit. Weitere Umplanungen führen nur zu weiteren und unnötigen Verzögerungen“, sagte CDU Stadtrat Gunter Thiele. Auch die FDP gehört zu den Befürwortern des Ausbaus.

Unentschieden ist hingegen die SPD. „Wir werden die Ergebnisse der Einwohnerversammlung auswerten und sind gespannt, wie die Stadt darauf reagiert“, sagte Stadtrat Axel Bergmann. Man könne die deutliche Abnahme der Verkehrsmenge nicht einfach ignorieren. Die Grünen machen sich für eine schmale Königsbrücker Straße stark. Zwischen Louisenstraße und Bischofsweg sollen sich Straßenbahnen und Autos eine Spur pro Richtung teilen. Damit Fußgänger leichter über die Straße kommen, soll es einen begehbaren Mittelstreifen geben. Kommentar