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Provokationen am Altmarkt

Teilnehmer der Pegida-Demo haben Gegendemonstranten verjagt. Zuvor ist ein Teilnehmer umgekippt.

Polizisten ziehen einem Mann aus der Menge.
Polizisten ziehen einem Mann aus der Menge. © Alexander Schneider

Dresden. Die Pegida-Kundgebung am Pfingstmontag ist nicht ohne Blessuren abgegangen. Als die etwa 500 Teilnehmer nachmittags von ihrem Spaziergang zum Altmarkt zurückkehrten, hatten sich mehrere Dutzend Gegendemonstranten mit Transparenten vor die Bühne gesetzt. Eine gezielte Provokation. 

Nicht alle ließen sich von Uniformierten wegkomplimentieren, ehe die Pegidisten zurückkehrten. Dann kam es zu hitzigen und lauten Szenen. Es schien, als wollten die Pegida-Teilnehmer selbst den Platz räumen. Ihnen waren die Bemühungen der Polizei offensichtlich zu lasch. Das jedenfalls schrie eine ältere Frau immer wieder in Richtung der Beamten. 

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Plötzlich stürmten Dutzende über den Altmarkt und die 15 bis 20 Gegendemonstranten sprangen auf und flüchteten. Ein älterer Mann wurde von der Polizei aus der Masse gefischt. Gegen den Pegida-Anhänger wird ermittelt, er soll mindestens versucht haben, jemanden zu schlagen, so ein Polizeisprecher. Schon zuvor gab es einen Verletzten. Ein Pegida-Teilnehmer kippte vor der Bühne um – offenbar wegen der Hitze. Er wurde versorgt. 

Rita Kunert, Sprecherin der rund 100 Gegendemonstranten von „Nationalismus raus aus den Köpfen“ kritisierte, Polizei und Versammlungsbehörde ließen bei Pegida die Auflagen – Maske und Abstand – weit großzügiger durchgehen, als bei ihrer Initiative.

Nach Polizeiangaben vom Montagabend stand die Pegida-Demo unter dem Motto "Gemeinsam für Bürgerrechte". Die Gegendemonstranten hätten vorgegeben, zur Pegida-Versammlung zu gehören, als sie sich auf die Kundgebungsfläche gesetzt hatten. Daraufhin und nach Eintreffen des Aufzuges hätten die Einsatzkräfte die Sperrung zwischen den Teilnehmern gelockert. In diesem Moment jedoch attackierten mehrere Teilnehmer des Aufzugs die Sitzenden und drängten sie offensiv ab, heißt es in der Polizeimeldung.

Die Beamten hätten die Gruppierungen unter Anwendung von Zwang trennen müssen. Im Zusammenhang mit den Übergriffen leitete die Polizei zwei Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und wegen Beleidigung ein. Beide Tatverdächtige waren offenbar Teilnehmer der Pegida-Versammlung. Die Beamten prüfen nun, ob auch weitere Straftaten bekannt gemacht werden können.

Darüber hinaus wird auch gegen einen 16-jährigen deutschen Teilnehmer des Gegenprotestes wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Er habe einen Holzstab mit sich geführt, der offenbar nicht als Kundgebungsmittel diente.

Insgesamt waren ca. 190 Beamte im Einsatz

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