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Löbau

Von der blinden Gier nach Kitsch und Geld

Mit hochfliegenden Plänen von einer Autofabrik in Schönau-Berzdorf täuscht ein Görlitzer Unternehmer Anleger - die Quittung kam jetzt, 16 Jahre später.

So berichtete die SZ 2004 über die hochfliegenden Pläne von Stefan Mirembe Janiszewsky.
So berichtete die SZ 2004 über die hochfliegenden Pläne von Stefan Mirembe Janiszewsky. © Ausriss SZ

Zu seinen besten Zeiten liebte Stefan Mirembe Janiszewsky den schillernden Auftritt. Wenn er 2004 mit seinem Luxusliner der Marke Bufori durch Görlitz kreuzte, konnte er sich aller Blicke sicher sein. Und er präsentierte sich damals als visionärer Macher. Er kündigte an, in Schönau-Berzdorf  eine Fabrik für diese exotischen Fahrzeuge errichten zu wollen und ließ sich auch von der Fachpresse feiern. Bei der vorgeblichen Finanzierung dieses Vorhabens allerdings verursachte er einige nicht ganz hasenreine Nebengeräusche - und die brachten ihn nun 16 Jahre später wegen Betrugs vor die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Görlitz.

Nein, ein Auto-Experte war Stefan Mirembe Janiszewsky sicherlich zeitlebens nicht. Ursprünglich hatte der aus dem Mecklenburgischen stammende Mann Energieanlagen-Elektroniker gelernt. In Görlitz machte er dann in Import/Export - bis er im Internet auf die Automarke Bufori stieß. Das Unternehmen aus Malaysia produziert Autos mit moderner Technik im Kleid von Luxusautos aus den 30er-Jahren. Es gibt durchaus Liebhaber. Aber der weltweite Markt für solchen automobilen Kitsch mit vergoldeten Armaturen ist winzig - nicht zuletzt wegen des Preises von über 100.000 Euro.

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Jedenfalls gelang es Stefan Mirembe Janiszewsky, den Hersteller in Fernost davon zu überzeugen, dass er der Mann für Europa sei. Fortan durfte er sich Vizepräsident der "Bufori Motors Europe AG" nennen - seine aus Uganda stammende Frau bekam gleich auch einen Führungsposten im Unternehmen. In der Gemeinde Schönau-Berzdorf war man dann auch durchaus angetan, als Janiszewsky dort seinen Plan präsentierte, ein Produktionswerk für Autos zu errichten - bis zu 150 Arbeitsplätze sollten dort für die Von-Hand-Fertigung der Fahrzeuge entstehen. "Wir haben ihm dann damals ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück für einen Euro verkauft", erinnert sich Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). Von Qualität "Made in Germany für Kunden aus den USA oder Japan", schwärmte Janiszewsky damals im Magazin "Auto-Bild".

Abgesetzt nach Uganda

Ja, und dann ging es natürlich ums Geld. Auf gut 42 Millionen Euro schätzte Stefan Mirembe Janiszewsky damals das Investitionsvolumen für dieses Vorhaben. Der Hersteller selbst hatte dafür offensichtlich keine Mittel vorgesehen. Denn 39 Millionen davon, so sagte er ebenfalls in "Auto-Bild", würden von einem US-amerikanischen Geschäftspartner mit Sitz auf den Philippinen stammen. Und den Restbetrag fing er an, bei privaten Anlegern einzusammeln.

Elf Prozent Zinsen versprach Stefan Mirembe Janiszewsky auf die Einlage. Und dieses Rendite-Versprechen vernebelte einigen Menschen ganz offenbar den klaren Blick darauf, wie glaubhaft die Erklärung eines völlig branchenfremden 34-Jährigen sein kann, in der Oberlausitz eine Luxusauto-Manufaktur aus dem Boden zu stampfen. Jedenfalls: 121 Anleger versorgten Janiszewsky mit Einlagen zwischen 5.000 und 70.000 Euro - insgesamt 1,3 Millionen. Und auch in diesem Fall erfüllte sich recht schnell die alte Weisheit: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein - dann ist es nicht wahr. Ohne auch nur einen Spatenstich in Schönau-Berzdorf zu tun, setzte sich Janiszewsky mit seiner Frau und den Millionen in deren Heimat Uganda ab.

Mildes Urteil wegen Anleger-Gier

Die geprellten Anleger erstatteten Betrugsanzeige - aber Stefan Mirembe Janiszewsky war in seinem zentralafrikanischen Exil nicht greifbar. Trotz Haftbefehl liefert die dortige Justiz nicht an Deutschland aus. Schließlich aber wurden offensichtlich die deutschen Strafverfolgungsbehörden von sich aus tätig. Im März 2020 flogen deutsche Polizeibeamte nach Uganda, nahmen Janiszewsky dort fest und mit zurück nach Deutschland, wie sein Verteidiger, der Hofer Rechtsanwalt Georg Wolfrum, auf SZ-Anfrage erklärt. Ein Vorgang, der ihn durchaus verwundert und den er nur so kommentiert: "Uganda ist ein souveräner Staat. Wenn der so etwas auf seinem Staatsgebiet zulässt ..."

Die Staatsanwaltschaft und die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts selbst waren nun offenbar 16 Jahre nach der Tat nicht an einem langwierigen und aufwendigen Verfahren interessiert. "Alle Beteiligten wollten einen Schlussstrich ziehen", sagt Verteidiger Wolfrum. Seinem Mandanten sei nach so langer Zeit auch kein Mammut-Verfahren zumutbar. Vor Gericht sei auch keiner der damals geschädigten Anleger als Zeuge erschienen. Das Gericht verurteilte Stefan Mirembe Janiszewsky schließlich zu einer Bewährungshaftstrafe von 22 Monaten. "Die Gier der damaligen Anleger hat erheblich zu der Straftat beigetragen", sagt der Verteidiger.

Und die gute Nachricht: Die Gemeinde Schönau-Berzdorf kam damals zwar nicht zu der erhofften Autofabrik - aber wenigstens kam sie auch nicht zu Schaden. "Wir hatten das Grundstück unter der Auflage verkauft, dass dort eine Investition startet", sagt Bürgermeister Christian Hänel. Weil diese Investitions-Tätigkeit damals ausblieb, habe die Gemeinde schon nach rund einem Jahr von ihrem Rückkaufsrecht Gebrauch gemacht. Und brach liegt die Fläche nun länger auch nicht. "Wir errichten dort nun Eigenheime", sagt Hänel. In seiner jüngsten Sitzung hatte der Gemeinderat das Vorhaben für neun Häuser - fünf auf jetzt noch Gemeindegrund, vier auf einem benachbarten in Privatbesitz befindlichen Flurstück - auf den Weg gebracht.

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