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Prozess wegen ausgeschlagener Zähne

Ein Trainer will für Ruhe und Ordnung sorgen, verweist zwei Unbefugte vom Gelände einer Freitaler Schule. Dafür kassiert er einen Faustschlag ins Gesicht.

Mit der Faust schlug der Angeklagte seinem Opfert die Schneidezähne aus. Diese waren nicht zu retten und mussten durch Prothesen ersetzt werden. (Foto nachgestellt)
Mit der Faust schlug der Angeklagte seinem Opfert die Schneidezähne aus. Diese waren nicht zu retten und mussten durch Prothesen ersetzt werden. (Foto nachgestellt) © dpa

Von Anne Schicht

Freitagabends ist in der Turnhalle der Geschwister-Scholl-Oberschule in Freital Tischtennis angesagt. Jedenfalls für die Mitglieder des Hainsberger SV. So auch Anfang Februar 2019. Weil schönes Wetter war, besprachen die Trainer nach dem Training draußen vor der Tür noch dies und das und räumten ein bisschen auf. Leere Bierflaschen und Zigarettenstummel sollen nicht mehr rumliegen. Sowieso sei Alkohol verboten, wenn Kinder und Jugendliche trainieren. 

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Leider gab es wohl mal den einen oder anderen Vorfall diesbezüglich. Vielleicht waren daher der Trainer und die Trainerin besonders sensibilisiert, als sie kurz vor 22 Uhr zwei Gestalten auf den Parkplatz vor der Turnhalle auf sich zu wanken sahen. Höflich und bestimmt machten sie die beiden darauf aufmerksam, dass das Privatgelände sei und sie weggehen sollten.

Nach einer kurzen Diskussion, bei der auch Beleidigungen gefallen sein sollen, ging alles ganz schnell. Einer der beiden Betrunkenen hätte seine Jacke ausgezogen, neben sich auf den Boden geschmissen und gedroht: „Du kannst mir nichts verbieten. Ich gehe ins Fitnessstudio.“ Plötzlich habe er mit der Faust zugeschlagen. Der Tischtennistrainer verlor dabei zwei Schneidezähne. So erinnert sich später eine Zeugin.

Die Zähne waren sind zu retten

Der Schläger stand nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde. Dort sagte der 29-Jährige, dass es ihm leid tue und dass er sturzbetrunken gewesen sei. An dem Abend sei er mit einem Kumpel im Jugendklub gewesen. Er selbst habe am nächsten Tag Geburtstag gehabt, sie hätten reinfeiern wollen. 

Gegen 21 Uhr wollten er und sein Kumpel vor der Tür Luft schnappen, ein bisschen rumlaufen und quatschen. So seien sie auf das Nachbargelände zur Schule gekommen. Erst habe er gar nicht mitbekommen, dass da jemand sei und dann sei er aggressiv geworden.

Der Geschädigte erzählt, dass er vor Kurzem erst ein Entschuldigungsschreiben von dem Freitaler bekommen habe. Es wäre besser gewesen, wenn das deutlich eher passiert wäre. Aber er würde die Entschuldigung akzeptieren. Den Strafantrag will er aber aufrechterhalten. Seine Zähne konnten nicht mehr eingesetzt werden, er muss nun mit einer Prothese leben.

Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft

Die Staatsanwältin plädierte für einen Freiheitsentzug für neun Monate ohne Bewährung. Zwar sei der Deutsche geständig, habe sich entschuldigt, wenn auch zu spät. Durch den Alkohol sei er beeinträchtigt gewesen und die Tat würde nun schon länger als ein Jahr zurückliegen. Er sei jedoch einschlägig vorbestraft, auch wegen gefährlicher Körperverletzung, und er sei gerade auf Bewährung.

Verteidiger Michael Mügge weist darauf hin, dass die letzten Straftaten schon fünf bis sechs Jahre zurückliegen, dass sein Mandant alles gestanden habe. Der Vorfall wäre keine richtige Prügelei gewesen, nach einem Schlag sei die Sache sofort beendet gewesen. Das Gelände sei nicht als privates Gelände zu erkennen gewesen. Die Sozialprognose seines Mandanten wäre eine sehr gute, er hätte gerade eine Festanstellung als Schweißer angetreten. Der Rechtsanwalt plädierte deshalb für sechs Monate auf Bewährung.

Richterin Daniela Höllrich-Wirth konnte jedoch trotz guter Beurteilung der Bewährungshelferin kein gefestigtes soziales Umfeld erkennen. Der Angeklagte müsse seine Emotionen in den Griff bekommen. Sie verurteilte ihn zu sieben Monaten Freiheitsentzug. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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