merken
PLUS

Prügelei in der Straßenbahn

Ein Coswiger richtet einen jungen Mann schlimm zu. Als er das Überwachungsvideo sieht, ist er über sich selbst erschrocken.

Von Jürgen Müller

Landkreis. Es ist mal wieder viel Alkohol geflossen in jener Julinacht vorigen Jahres. Als der damals 19-jährige Angeklagte aus Coswig mit einem Kumpel nach Hause fährt, kommt es gegen 6 Uhr in der Straßenbahn zu einer Schlägerei. Der Angeklagte soll einen jungen Mann zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der erlitt Hämatome am linken Auge, Prellungen und eine Verletzung am Mund. Warum er zuschlug, weiß der Coswiger nicht mehr. „Ich weiß nur noch, dass die Sache für mich noch nicht zu Ende war, wollte mich draußen noch weiterschlagen“, sagt er. Zu leugnen gibt es nichts, denn das Geschehen wurde mit einer Überwachungskamera gefilmt. „Als ich das Video bei der Polizei sah, war ich über mich selbst erschrocken, wie hart ich zugeschlagen habe“, sagt er Angeklagte der Richterin. Zweimal hat er versucht, sich bei dem Opfer zu entschuldigen, doch der Mann kam nicht zum Termin. Auch vor Gericht, wo er gestern als Zeuge geladen war, erschien der Geschädigte nicht. So kann der Angeklagte auch nicht einen Entschuldigungsbrief übergeben. Ein typischer Schläger ist der Coswiger offenbar nicht. Zwar hatte er schon mehrfach mit Gericht und Staatsanwaltschaft zu tun, doch meist handelte es sich um geringe Straftaten. Nur wenn er betrunken ist, wird es heftig. Er hat ein Alkoholproblem, auch wenn er es als Fortschritt betrachtet, sich mittlerweile nicht mehr ins Koma zu trinken. „In der Woche trinke ich gar nichts“, sagt der Mann, der die 10. Klasse abschloss, ebenso wie eine Lehre, und jetzt eine feste Arbeit hat. Und dennoch: Lehren gezogen hat er keine. So baute er ein paar Monate vor der jetzt angeklagten Tat betrunken einen Unfall, fuhr eine Säule um, es entstand hoher Sachschaden. Er war noch in der Probezeit, hätte gar nichts trinken dürfen. Und es liegt schon wieder eine neue Anklage vor. Im November vorigen Jahres baute er mit 0,9 Promille einen Unfall und haute auch noch ab.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe attestiert dem Angeklagten eine normale, geradlinige Entwicklung. Dennoch beantragt sie, ihn nach Jugendstrafrecht zu verurteilen, ohne das zu begründen, während die Staatsanwältin schon mal laut darüber nachdenkt, Erwachsenenstrafrecht anzuwenden, was hier wohl durchaus möglich gewesen wäre. Das Gericht spricht den Coswiger der Körperverletzung schuldig und spricht eine Geldauflage von 800 Euro aus. Einen Monat vor der Tat sei er nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, deshalb werde das jetzt auch angewendet, so die Begründung der Richterin.