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Prügelstrafe

Ein Olbersdorfer musste wegen mehrerer Gewaltausbrüche vors Gericht. Jedes Mal hatte er reichlich Alkohol getrunken.

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Von Rolf Hill

Es waren gleich drei Anklageschriften zu wiederholten Körperverletzungen, die im Mittelpunkt der Hauptverhandlung gegen einen 35-jährigen Olbersdorfer vor dem Amtsgericht Zittau standen. Alle lagen bereits etwas länger zurück. Der erste Fall ereignete sich im Oktober 2013 vor einer Disco an der Äußeren Weberstraße in Zittau. Gegen 2.30 Uhr soll der alkoholisierte Angeklagte einen anderen Besucher geschlagen und in das Gesicht getreten haben. Das sei nur Notwehr gewesen, verteidigte sich der Beschuldigte. Der andere habe ihn zuerst angegriffen. Außerdem habe er nie getreten, sondern nur einen Schlag mit der flachen Hand geführt. Die dem Gericht vorliegenden Fotos von den Verletzungen des Opfers sprachen eine andere Sprache. Auch der Geschädigte und ein weiterer Zeuge schilderten den Tathergang anders als der Angeklagte, nämlich entsprechend der Ausführungen des Staatsanwalts. Lediglich eine von der Verteidigung benannte Zeugin versuchte permanent, den Angeklagten zu entlasten. Dabei blieb sie auch, als sie von Richter Ronsdorf mehrfach zur Wahrheit ermahnt wurde.

Die nächste Tat ereignete sich fast genau ein Jahr später. Dazu hieß es, der Angeklagte habe dem späteren Geschädigten vor der Zittauer Disco „Jam Dance Base“ ohne ersichtlichen Grund einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Als ein zweiter Mann dazwischen gehen und schlichten wollte, wurde er ebenfalls mit der Faust zu Boden geschlagen. Na ja, es sei an diesem Tag sehr viel Alkohol im Spiel gewesen, räumte der Angeklagte ein. Irgendwie kam es zu Meinungsverschiedenheiten, die er wohl falsch verstand. Aber inzwischen habe er sich bei den beiden entschuldigt. Das zumindest räumten diese als Zeugen auch ein. Da sich ihre Verletzungen wohl in Grenzen hielten, hatten sie keine Anzeige erstattet.

Nur rund zwei Wochen danach kam es zur dritten Straftat. Ort der Handlung war diesmal „Markt 13“ in Zittau. In den frühen Morgenstunden schlug der Angeklagte einen Mann ins Gesicht. Als dieser in ein Taxi flüchtete, wurde dessen Tür aufgerissen und er selbst mit Fußtritten traktiert. Die Schläge, allerdings nur mit der flachen Hand, räumte der Angeklagte ein, Fußtritte nicht. Als Grund gab er an, er habe in dieser Nacht viel getrunken und sei mit sich und der Welt äußerst unzufrieden gewesen. Auch er habe viel getrunken, räumte der Geschädigte ein. Tatsächlich stellte die eingetroffene Polizei bei ihm über zwei Promille fest. Um dem völlig überraschenden Angriff zu entgehen, habe er schnell das Taxi angehalten und sei hineingesprungen. Dann bekam er besagte Fußtritte ins Gesicht. Das wiederum bezweifelte der Verteidiger. Der Taxifahrer bestätigte jedoch die Aussagen seines damals in arger Bedrängnis gewesenen Fahrgastes. Auch hier gab es noch einen Entlastungszeugen, dessen Glaubwürdigkeit ebenfalls sehr fragwürdig erschien.

Für den Staatsanwalt hatten sich im Zuge der Beweisaufnahme alle drei Tatvorwürfe bestätigt. Dabei maß er den Beteuerungen des Angeklagten, er habe immer nur die flache Hand benutzt, wenig Bedeutung bei. Es habe für alle vier Körperverletzungen keinen plausiblen Grund gegeben. Natürlich berücksichtige er das Teilgeständnis, die bisher „weiße Weste“ und den langen Zeitraum, der inzwischen verging. Er beantragte, den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen.

Am Ende lautete das Urteil: Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Zusätzlich hat der Angeklagte innerhalb von zwei Jahren je 1 000 Euro an zwei gemeinnützige Einrichtungen zu zahlen.