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PS-Giganten ziehen durch die Arena

Beim ersten Tractor Pulling in Riesa fliehen manche Besucher – andere können nicht genug bekommen.

Von Kevin Schwarzbach

Die Erdgasarena bebt“ – eine Charakterisierung, die an dieser Stelle oft genutzt wird, um die Stimmung in der örtlichen Veranstaltungshalle zu beschreiben. Doch nie zuvor hat sie so sehr gepasst wie beim Tractor Pulling. Wenn die Traktoren ihre Motoren aufheulen lassen, vibriert der Boden unter den Füßen der Zuschauer, der Lärm ist trotz Gehörschutzes und zugehaltener Ohren unbeschreiblich laut, und einmal fällt sogar Dämmungsmaterial von der Decke der Erdgasarena. Stets begleitet mit herab regnendem Konfetti. Das hatte sich bei unzähligen Siegerehrungen vergangener Veranstaltungen wohl in der winkligen Deckenkonstruktion verfangen – und fällt nun zu Boden.

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Wenn die Traktoren den Bremswagen in Bewegung setzen, werden riesige Zugkräfte freigesetzt. Das Vorderrad des Traktors hebt vom Erdboden ab, das Gemisch aus Lehm und Sand wird mit den Hinterrädern aufgewühlt. Gelegentlich speit der Motor Feuer. Immer begl
Wenn die Traktoren den Bremswagen in Bewegung setzen, werden riesige Zugkräfte freigesetzt. Das Vorderrad des Traktors hebt vom Erdboden ab, das Gemisch aus Lehm und Sand wird mit den Hinterrädern aufgewühlt. Gelegentlich speit der Motor Feuer. Immer begl

Am vergangenen Sonntag wurde die Erdgasarena Schauplatz des einzigen Indoor-Spektakels im Traktor Pulling. Der als Pilotprojekt gepriesene Große Preis von Deutschland lockte mehr als Tausend Besucher nach Riesa. Vor allem Fans von schweren und starken Motoren kamen voll auf ihre Kosten. 5 000 PS sind hier keine Seltenheit, sondern Normalität. Bei aller Freude und Begeisterung hatten die Zuschauer jedoch auch um ihr Gehör zu bangen.

„Ich habe bisher selten solch ohrenbetäubende Maschinen gehört. Allein ihr Auftreten ist schon eine Ansage, sobald dann aber der Motor gestartet ist, wird es grenzwertig“, sagt Kurt Bahler, Motorsport-Fan von klein auf. „Die Liste der Veranstaltungen, die ich mir in meinem Leben schon angesehen habe, ist lang. Von Formel 1 über Freestyle-Moto-Cross bis hin zur Tourenwagen-Meisterschaft. Doch das hier ist eine ganz neue Erfahrung für mich“, so der 41-Jährige. Dass er Benzin im Blut hat, ist ihm sichtlich anzumerken. Sobald der nächste Motor aufheult, richtet sich sein Blick auf die Fahrbahn. Dort positioniert sich gerade ein Fahrer mit seinem Traktor vor einem anderen Gerät, kettet sich an und drückt voll aufs Gas.

Die Arena bebt wieder, der Lärm ist kaum zu ertragen, ohne sich die Ohrenschützer noch weiter in den Gehörgang zu drücken. Kurt Bahlers Gesicht verzieht sich ein wenig. Dann ist der Fahrer am Ende der Strecke angekommen – und Bahler springt freudig auf der Tribüne umher und klatscht.

Doch worum geht es beim selbst ernannten „leistungsstärksten Motorsport der Welt“ überhaupt? Vor allem um Zugkraft. Auf einer 60 Meter langen und zehn Meter breiten Wettkampfbahn aus einem Gemisch aus Lehm und Sand wird ein Bremswagen von den einzelnen Traktoren gezogen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht – der Bremswagen hat eine unangenehme Eigenschaft: Je weiter er gezogen wird, desto schwerer lässt er sich ziehen. Wer den Bremswagen am weitesten zieht und den Zugwiderstand überwindet, hat gewonnen.

Eingeteilt wird der Wettbewerb in verschiedene Klassen, die grob die Bauform und vor allem das maximale Eigengewicht der Traktoren vorschreiben. Die Kategorien reichen von 950 Kilogramm bis viereinhalb Tonnen. Je schwerer die Traktoren, desto größer und lauter die Motoren. Eins steht jedenfalls fest: Dieser Motorsport ist nichts für schwache Nerven – oder in diesem Fall für schwache Ohren. „So ganz zartbesaitet sollte man nicht sein. Ich habe schon einige gesehen, die die Arena verlassen haben und nicht auf ihre Plätze zurückgekehrt sind. Vielleicht haben sie es nicht mehr ausgehalten“, sagt Kurt Bahler.

Vom Pulling-Virus infiziert

Doch wer vom Pulling-Virus infiziert ist, kann so schnell nicht mehr ohne die Traktoren leben. „Dieser Sport zieht einen in seinen Bann, aus dem man nicht mehr entfliehen kann. Wer erst einmal von den wahnsinnigen Kräften und den einschüchternden Motorlauten fasziniert ist, wird nichts anderes mehr sehen wollen“, sagt Uwe Schnackenberg, Moderator der Veranstaltung. Kurt Bahler pflichtet ihm bei: „Ich glaube, mich hat es auch gepackt. Die Fahrer sind einfach spitze.“

Dass Bahler mit seiner Einschätzung richtig liegt, wird auch für einen Laien ersichtlich. Mehrere Fahrer schaffen den sogenannten „Full Pull“ – und bugsieren den Bremswagen über die geforderte Strecke von 60 Metern hinaus. Die Zuschauer sind begeistert, ihr Applaus ist tosend – wirkt gegen all die Traktoren jedoch mickrig. Man habe gar keine Chance, seine Begeisterung zum Ausdruck zu bringen, scherzt Bahler.

Am Ende des Tages ist sich der 41-Jährige sicher, dass er diesen Motorsport noch einmal erleben möchte. Die Chance dazu bekommt er am 14. und 15. Juni. Dann findet auf dem Flugplatz in Altenberg die Deutsche Meisterschaft statt. Bis dahin will sich Kurt Bahler einen professionellen Gehörschutz zulegen.