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Psychopath stellt Kindern Falle

An einer Rutsche im Kollwitzpark hat ein Täter Rasierklingen angeklebt. Die Polizei fürchtet, dass sich so etwas wiederholt.

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Von Christoph Scharf

Wie krank ist so was? Auf dem Spielplatz im Kollwitzpark hat ein 57-Jähriger eine ungeheuerliche Entdeckung gemacht. Er entdeckte am Treppengerüst zur Rutsche drei Rasierklingen. Ein Unbekannter hatte sie mit durchsichtigem Klebeband am Spielgerät befestigt, teilt die Polizei mit. Der Zeuge handelte sofort, machte die Klingen ab und verständigte die Polizei.

An der Rutsche links auf dem Spielplatz am Kollwitzpark waren drei Rasierklingen mit Klebeband befestigt. Foto: Stadtverwaltung
An der Rutsche links auf dem Spielplatz am Kollwitzpark waren drei Rasierklingen mit Klebeband befestigt. Foto: Stadtverwaltung

Das Positive daran: Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Allerdings scheint das nicht der erste derartige Fall in der Stadt zu sein. Auf der Facebook-Präsenz von SZ Meißen schrieb gestern eine Meißnerin, im Park an der Großenhainer Straße Ähnliches entdeckt zu haben. Allerdings hätte sie aus Zeitmangel nicht die Polizei verständigt, sondern die Rasierklingen lediglich abgemacht und im nächstbesten Papierkorb entsorgt.

Im aktuellen Fall haben die Beamten die messerscharfen Klingen aus Solinger Fertigung als Beweismittel sichergestellt. Nun ermitteln sie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Die Polizei befürchtet, dass sich so ein Fall wiederholen könne. „Wir raten zur Vorsicht“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. – Die Frage stellt sich: Wer tut so etwas? In den sozialen Netzwerken wird bereits debattiert: Waren es Betrunkene, die sich tagtäglich im Park zwischen Bienenwirtschaft und Kerstingstraße aufhalten? War es ein Anwohner, den der Lärm spielender Kinder stört? Oder gar ein Psychopath? „Was hat man davon, den kleinen Menschen schaden zu wollen?“, fragt Facebook-Nutzerin Lissy Zimmer. „So etwas ist einfach nur krank“, schreibt Jeannette Mahlow.

Fakt ist: Die Unsicherheit bei Familien steigt. „Wer traut sich denn bei solchen Geschichten schon, sein Kind alleine raus zu lassen???“, sagt Facebook-Nutzerin Claudia Rieck. Tatsächlich muss man auch bei solchen Meldungen misstrauisch bleiben. So kursierte etwa Ende 2014 bei Facebook ein Beitrag, der Fotos von angeklebten Rasierklingen auf Spielplätzen zeigte und dazu das Bild einer blutigen Kinderhand. Angeblich hätten Unbekannte zwei Dresdner Spielplätze derart präpariert. Tatsächlich stellte sich wenig später aber heraus, dass die Bilder aus den USA stammten und mit Dresden nichts zu tun hatten. Offenbar hatte sich damit jemand nur einen besonders schlechten Scherz geleistet.

Im Meißner Fall dagegen ist die Sache real – und die Polizei sucht dringend Zeugen. Wer hat vor dem Fund am Donnerstag 15 Uhr verdächtige Personen im Umfeld des Spielplatzes gesehen? Wer hat andere Wahrnehmungen im Zusammenhang mit diesem Vorfall gemacht?

Die Attacke auf einen Spielplatz ist nicht die Erste in der Region. So hatten Unbekannte im Frühjahr auf einer Anlage in Thiendorf die Seile einer Hängebrücke eingeschnitten. Sie musste gesperrt werden, damit kein Kind abstürzt. In Thiendorf allerdings deuteten die Spuren auf puren Vandalismus hin – die Täter zerstörten auch Wippe, Schaukel, Sitzecken. Die Anlage im Meißner Kollwitzpark sieht nach dem Vorfall vom Donnerstag dagegen aus wie immer. Der Kletter- und Rutschturm, an dem die Klingen klebten, war erst im Herbst erneuert worden, nachdem die Triebisch 2013 den Park überschwemmt hatte. Knapp 11 000 Euro hatte sich die Stadt die hochwassersichere Anlage kosten lassen. Eltern werden sie nun genau untersuchen, bevor sie ihre Kinder spielen lassen.

Hinweise an die Polizeidirektion 0351 4832233 oder direkt an das Polizeirevier Meißen.