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Für die eigene Praxis extra nach Löbau

Anne Eckert ist die neue Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in der Stadt. Obwohl es nun mehr Praxen gibt als anderswo im Kreis, bleibt der Bedarf hoch.

Anne Eckert hat behandelt in ihrer neuen Psychotherapie-Praxis  Kinder- und Jugendliche bis 21 Jahre. Sie hat sich für Löbau entschieden.
Anne Eckert hat behandelt in ihrer neuen Psychotherapie-Praxis Kinder- und Jugendliche bis 21 Jahre. Sie hat sich für Löbau entschieden. © Matthias Weber/photoweber.de

Ein kleines Schild an einem Eckhaus der Löbauer Poststraße nahe der Volkshochschule führt in die kleine, neue Praxis von Anne Eckert. "Ich bin zufrieden mit den Räumen und mit der Lage mitten in Löbau", sagt die zierliche 31-Jährige. Vor knapp drei Monaten hat die junge Frau in der Stadt ihre eigene Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eröffnet - und ist jetzt schon so richtig mittendrin: "Ich bin überrascht, dass so schnell so viele Patienten den Weg zu mir gefunden haben", sagt sie. Neuaufnahmen seien momentan kaum noch möglich.

Dabei ist sie nicht die einzige ihrer Profession in Löbau: Allein hier in der Stadt weist das Suchportal der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen noch zwei weitere Kolleginnen aus, die wie Frau Eckert auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind. Damit ist Löbau im Süden des Kreises, gemessen an der Einwohnerzahl, zweifellos am besten ausgestattet: Auch in Görlitz gibt es laut KVS nur drei derartige Praxen, zudem je eine in Zittau, Niesky, Oberseifersdorf und dem Schöpstal.

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Warum sich das Angebot gerade in Löbau ballt, kann auch Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS), nicht sicher sagen. Geplant werde durch die KVS der Bedarf an Psychotherapeuten für Regionen - so beispielsweise für den Altkreis Löbau-Zittau. Wer hier eine freiwerdende Stelle neu besetzt, kann sich aussuchen, wo genau er sich niederlassen will. Löbau hat da offenbar gute Karten, denn es liegt verkehrstechnisch zentral und auch das Fachkrankenhaus in Großschweidnitz ist nicht weit entfernt.

Großstadtleben eingetauscht

Dass Anne Eckert aus Berlin, wo sie mit Mann und Tochter bisher gelebt hat, überhaupt in die Oberlausitz gekommen ist, hat einen ganz simplen Grund: "Ich wollte mich schon immer niederlassen, hier in der Region war ein Sitz frei und ich habe mich beworben", erklärt sie. Berufserfahrung hat die Frau, die zunächst soziale Arbeit und integrative Lerntherapie studierte und 2017 mit ihrer Approbation die Weiterbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin abgeschlossen hat, vor allem in Berlin und auch Potsdam. "Ja, das Leben hier ist schon anders", sagt sie und schmunzelt. "Aber ich bin ohne konkrete Erwartungen ganz offen hierhergekommen und sehr freundlich von allen Seiten empfangen worden", betont sie. Auf sächsische Klänge aus dem Munde ihrer Patienten hatte sie sich aber eingestellt und dann ganz überrascht mit dem Oberlausitzer Rollen Bekanntschaft gemacht. "Das wusste ich nicht, dass man hier nicht sächselt", sagt sie.

Anne Eckert behandelt in ihrer Praxis Kinder und Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr. "Manche kommen über den behandelnden Arzt zu mir, viele aber auch auf eigenen Antrieb oder weil Kita oder Schule dazu geraten haben", beschreibt sie. Die Hemmschwelle, zu einem Psychotherapeuten zu gehen, sei hier im ländlichen Raum nicht kleiner oder größer als in der Großstadt. "Viele haben keine wirkliche Vorstellung, was wir machen", skizziert sie ein Phänomen, mit dem sie und ihre Kollegen häufiger zu tun haben. Spezialisiert ist Frau Eckert auf Verhaltenstherapie. Patienten mit Angststörungen, Depressionen, aber auch Zwangshandlungen oder Essstörungen versucht sie zu helfen, die Ursachen zu ergründen und das Verhalten zu verändern. "Wie lange eine Therapie dauert, kommt sehr auf den Fall an, aber eine Begleitung von einem Jahr ist durchaus normal", beschreibt Frau Eckert.

Konkurrenz für Großschweidnitz?

Dass sie das Sächsische Fachkrankenhaus Großschweidnitz gleich in der Nähe hat, sieht sie als Vorteil: "Ich habe mich schon vorgestellt und bin auch dort gut aufgenommen worden", sagt sie. Und auch für das Krankenhaus selbst, ist "eine gute psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich wichtig", teilt Manja Kelch, Referentin im Sozialministerium, auf Nachfrage mit. Dass sich in Löbau auch mit der neuen Praxis in der Goethestraße außerhalb des Krankenhauses neue Möglichkeiten ergeben haben, sehe man jedenfalls nicht als Konkurrenz.

Auch Gerüchte, wonach das Krankenhaus Großschweidnitz zunehmend mit Ärztemangel zu kämpfen habe, dementiert der Freistaat als Träger: "Die Personalsituation hat sich in den letzten zehn Jahren nicht verändert und ist seit 2015 nahezu gleichbleibend", betont Referentin Kelch. Derzeit suche man zwei Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, einen Diplompsychologen, einen Arzt in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie fünf zusätzliche Mitarbeiter im Pflegedienst. Dass diese Stellen schwer zu besetzen seien, liege daran, dass es generell zu wenig Nachfrage auf offene Stellen gebe. Zeitweilige Engpässe beispielsweise bei Ärzten hätten zudem verschiedene Ursachen und seien nicht mit mangelnder Attraktivität des Krankenhauses zu begründen, heißt es weiter. Das zuständige Sozialministerium in Dresden "sieht das Sächsische Krankenhaus Großschweidnitz langfristig als gesichert an", betont Manja Kelch.

Sicher ist für Anne Eckert jedenfalls, dass sie den Advent nun für Entdeckungen in ihrer neuen Heimat nutzen wird. "Ich freue mich schon, die Weihnachtsmärkte hier in der Region zu entdecken", sagt sie. Dass die kleiner ausfallen werden als in Berlin, sieht sie nicht als Problem und meint: "Kleine Weihnachtsmärkte haben meist mehr Charakter."

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