merken
PLUS Feuilleton

Wo Pückler gern Bier trank

Im Park des berühmten Fürsten in Bad Muskau wird seiner Brauerei wieder Leben eingehaucht.

Historische Ansicht der Brauerei mit dem Gasthaus zum Niederländischen Hofe, eine Lithografie von Gustav Täubert um 1850.
Historische Ansicht der Brauerei mit dem Gasthaus zum Niederländischen Hofe, eine Lithografie von Gustav Täubert um 1850. © Städtischer Sammlungsbestand bei der Stiftung „Für

Von Silvia Stengel

Frauen und Männer flanieren im Fürst-Pückler Park, höchstens zu zweit und mit genügend Abstand. Würden die Damen nicht lange, hochgeschlossene Kleider tragen und die Männer nicht Zylinder, würde die Grafik gut zu den Vorschriften in der Corona-Krise passen. Das Bild von Gustav Täubert ist aber 170 Jahre alt und zeigt das Gasthaus zum Niederländischen Hofe. Das rückt jetzt auch wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) hat es 1844 zusammen mit einer Brauerei bauen lassen und nun wird dem imposanten Bauwerk wieder Leben eingehaucht.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Ein hohes Backsteingebäude gehört zu den Überresten, die denkmalgeschützt sind. Ein Werk von Ludwig Persius, einem Schüler des Preußischen Oberbaumeisters Karl Friedrich Schinkel, das bis heute zum Schwärmen verführt. Als Cord Panning, der Geschäftsführer der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ und Parkdirektor, vor dem imposanten Wirtschaftsgebäude im Stil der Neogotik steht, bewundert er die Fassade. Das Spiel mit den unterschiedlichen Klinkertypen in Gelb, Orange und Rot, die schönen Formsteine, der spannende Rhythmus von breiten und schmalen Fenstern, den man auf den ersten Blick gar nicht sieht: „Das ist sehr ausgetüftelt.“ Das Ensemble aus Brauerei und Gasthof diente ursprünglich als wirkungsvolles Entree in den Pückler-Park.

Als traurige Ruine hat die frühere Brauerei über 25 Jahre das Stadtbild geprägt, bis sie der Freistaat Sachsen 2017 erwarb. Das war ein Notkauf in letzter Minute, um das bauhistorische Zeugnis für den Park zu sichern, betont Panning. „Es drohte alles einzustürzen und zu verfallen.“ Pücklers Erbe wurde aufgeräumt und an das Trink- und Abwassernetz angeschlossen, jetzt geht es an die Fassade. Ende 2023 soll das Gebäudeensemble äußerlich saniert sein und 2024 der Innenausbau beginnen. Eine Million Euro sind schon verbaut und fast sechs Millionen für die nächsten Bauabschnitte geplant. Höchstwahrscheinlich zieht dann eine kleine Brauerei ein, Interesse gibt es, auch für ein experimentelles Biermuseum. Der Parkdirektor sieht optimistisch in die Zukunft: „Das Interesse der Menschen an Bier wird auch die Corona-Krise überdauern.“ Ganz im Sinne des Gartenfürsten: Pückler hat gern Bier getrunken, sagt Panning, das ist überliefert. Bei Pückler hieß das Gasthaus noch „Hotel Düsseldorf“. Sein Nachfolger Prinz Friedrich der Niederlande hat es in den „Niederländischen Hof“ umbenannt. Es gab auch einen kleinen Saal für Feiern, Konzerte und Theater.

Noch ist der Hof verschlossen, aber die Stiftung öffnete ihn bereits für Führungen zum Tag des offenen Denkmals. Im Sudhaus mit hohen Bögen und einem mächtigen Zentralpfeiler stehen Pflanzen aus dem Badepark, Pfaffenhütchen in Kübeln, die hier überwintert haben. An den Wänden hängen historische Fotos von einer Ausstellung über die Geschichte der Brauerei. Zu DDR-Zeiten war sie ein Volkseigener Betrieb und produzierte auch Limonade. Einer der leergeräumten Räume beherbergt jetzt Fragmente von den einstigen Ecktürmen aus Sandstein, die das Gasthaus zierten. „Die lagen hier im Geröll“, berichtet Panning. Gegenüber von der Brauerei befinden sich Eiskeller mit gemauerten Gewölben, von denen einige zuletzt noch als Garagen dienten. Auf dem Hof stellt sich Panning eine schöne Terrasse vor. Von hier aus könnten die Besucher Spaziergänge unternehmen. Gleich in der Nähe ist das prächtige Neue Schloss, in der anderen Richtung der Bergpark.

Flaniert wird nach wie vor im Pückler-Park, der seit 2004 Unesco-Welterbe ist, auch in diesen Tagen höchstens zu zweit und mit genügend Abstand. Ein Mann führt seinen Hund aus. Zwei Kinder kommen mit Fahrrädern. Eine Frau sitzt auf einer Bank und genießt die Sonne, vor ihr Wiesen, auf denen Krokusse, Narzissen und erste Tulpen blühen. Und das Neue Schloss, das wegen Corona geschlossen ist. Am 3. April sollte dort die Ausstellung „Blütezeit“ mit Zeichnungen und Fotoarbeiten von Maria Maier aus Regensburg öffnen, die nun verschoben wird. Die Schau ist Hermann Fürst von Pückler-Muskau gewidmet und zeigt Blüten aller Art von bezaubernder Leichtigkeit und Frische.

Für die Sanierung der Bad Muskauer Parkbrauerei sowie des benachbarten ehemaligen Gasthauses „Niederländischer Hof“ sucht die Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ historische Abbildungen aus der Zeit vor 1945. Von besonderem Interesse sind dabei Fassadenansichten beider Bauwerke, Ansichten vom Dach des Niederländischen Hofes sowie von dessen Innenräumen. Wer über aufschlussreiches Bild- oder Textmaterial verfügt, wendet sich an Sophie Geisler, Tel. 035771 63211 ; Mail: [email protected]

Mehr zum Thema Feuilleton