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Kamenz

Wegen Sportstätte Kante: Drohbriefe ans Rathaus

Der Abriss des Gebäudes ist in Pulsnitz seit Langem umstritten. Nun erreicht die Auseinandersetzung eine neue Dimension.

Früher Gasthof, später Sportstätte. An diesem Gebäude hängen viele Pulsnitzer. Nun soll es abgerissen werden.
Früher Gasthof, später Sportstätte. An diesem Gebäude hängen viele Pulsnitzer. Nun soll es abgerissen werden. © René Plaul

Pulsnitz. Es ist nur ein kleiner Hinweis, mit vier Schrauben an der Tür befestigt: „Betreten verboten“ steht am Eingang zur Sportstätte Kante in Pulsnitz, strengstens sogar, ist zu lesen. Im vorigen Herbst sperrte die Stadt das Gebäude für Tischtennisspieler, Handballer, Spielleute und etliche andere Sportler. Teile des Gebäudes seien einsturzgefährdet. Der Abriss stand bereits unter dem früheren Bürgermeister Peter Graff zur Debatte. Nun will die Stadt ihn in die Tat umsetzen. Das lässt die Wellen erneut hochschlagen, jetzt gibt es sogar Drohungen.

Bereits der Schließung ging eine emotionale Diskussion voraus. Vor allem die Kegler hatten intensiv und bis zuletzt um ihre Sportstätte gekämpft und gehofft, dass die Lösung in einem Teilabriss liegen könnte. Viele Pulsnitzer hängen an dem traditionsreichen Gebäude und verbinden damit ein Stück eigener Lebensgeschichte. 

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Schriftliche Drohungen, die nun beim Rathaus eingingen, sind eine neue Dimension der Auseinandersetzung – und sorgten auch für Erschrecken im Stadtrat. Bürgermeisterin Barbara Lüke spricht von zwei Drohungen. Darin sei angekündigt worden, die Abrissarbeiten zu behindern. Außerdem ist wohl von der Gründung einer Bürgerwehr gegen den Abriss die Rede. Nähere Details will Lüke nicht nennen. Die Stadt habe die Polizei eingeschaltet.

Die Polizei bestätigt, dass der geplante Abriss der baufälligen Sportstätte thematisiert werde. Der Staatsschutz der Polizeidirektion Görlitz befasse sich damit. Der Verfasser sei anonym, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, so Pressesprecher Kai Siebenäuger.

Gutachten vom Architekten?

Zuletzt brachte der Pulsnitzer Stadtrat Gerd Kirchhübel (Grüne) die Kante noch einmal während der jüngsten Ratssitzung ins Gespräch. Seine Idee war es, das Gebäude noch einmal mit einem Architekten zu begehen und begutachten zu lassen. Bisher gebe es nur die Einschätzung durch einen Dachdecker, so Kirchhübel.

Dabei ist der Wunsch Vater des Gedankens, die Kante vielleicht doch noch zu retten. Das lehnte die Stadt ab, der Verfall sei zu weit fortgeschritten. Die Verwaltung sei zu der Überzeugung gekommen, dass der Vorschlag zu keinen neuen Erkenntnissen führen würde. Es seien genügend Expertisen eingebracht worden. Die Beschlüsse seien erfolgt.

Die Rechtsaufsicht im Landratsamt stütze die Haltung der Stadt. Der Abrissbeschluss stamme schon aus dem Jahr 2014 und sei jetzt finanziell untersetzt: „Wir können nicht immer wieder alles infrage stellen“, so Bürgermeisterin Barbara Lüke. Eine Machbarkeitsstudie wie zum Rathaus habe es aber nicht gegeben, räumt sie ein. So gesehen sei der Vorschlag des Grünen-Stadtrats am Ende vielleicht nicht so schlecht, gab Angelika Ebisch (AfD) zu bedenken.

Die Verwaltung erinnert ihrerseits an die Geschichte. Seit 2001 gehe es schon um die Sanierung der Sportstätte. Damals gab es eine fertige Sanierungsplanung für 1,8 Millionen Euro. Das Projekt scheiterte am Geld und wurde nicht weiterverfolgt. 2011 habe es sogar eine Baugenehmigung gegeben. Wieder sei die Finanzierung geplatzt. Dann sei der Abriss beschlossen worden.

Die Feuchtigkeit setze dem Bau von oben und unten zu. Statiker seien ebenfalls zurate gezogen worden. Sie verstehe die Emotionalität, so Barbara Lüke. Aber Drohungen gingen zu weit. Sie sehe das auch als Drohung gegen die eigene Person. Auch das könne aber kein Anlass sein, den Abriss jetzt noch zu stoppen.

Im Herbst kommt der Abrissbagger

Der Zug für eine Sanierung sei abgefahren. Das hatte in der Vergangenheit auch ein Teil der Sportler selbst realistisch eingeräumt. Diese Situation hätten frühere Bürgermeister zu verantworten. Hintergrund für die Kritik am Agieren der jetzigen Bürgermeisterin sei wohl insbesondere ihr Wahlversprechen von 2016, die Sportstätte zu erhalten, und nun veranlasse sie das Gegenteil. Das ließen Gäste der jüngsten Stadtratssitzung durchblicken.

Ihres damaligen Versprechens sei sie sich bewusst, so Lüke. Es sei ihr fester Wille gewesen, den Bau zu erhalten. Allerdings habe sie als Bürgermeisterkandidatin eben nicht mit dem Informationsstand ins Rennen gehen können wie ein amtierender Bürgermeister. „Ich konnte nur vom Zustand ausgehen, der mir mitgeteilt wurde. Es hieß immer, die Sportstätte sei sanierungsfähig.“ Das Ausmaß der Schäden sei erst später zutage gekommen. Zum Beispiel der Pilzbefall. Der sei tief ins Gemäuer eingedrungen. Fotos belegen, wie die Pilze in Büscheln aus der Decke wachsen. Türen wurden einfach zugenagelt. Unweit lagerten die Matten der Turngruppe. „Es ist unbegreiflich, dass solche Gesundheitsgefahren in Kauf genommen wurden."

Im Herbst soll nun der Abbruch tatsächlich kommen. Die Abrisskosten wurden vom Radeberger Planungsbüro Schubert auf etwa 400.000 Euro berechnet.  

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