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Ärger mit überfüllter Seenlandbahn

Weil die Züge überlastet sind, bleiben Fahrgäste zurück. Warum werden zwischen Dresden und Senftenberg nicht mehr Wagen eingesetzt?

Im vergangenen Jahr startete die Seenlandbahn zwischen Dresden und Senftenberg in eine zweijährige Testphase. Ob es im kommenden Jahr weitergeht, muss nun diskutiert werden.
Im vergangenen Jahr startete die Seenlandbahn zwischen Dresden und Senftenberg in eine zweijährige Testphase. Ob es im kommenden Jahr weitergeht, muss nun diskutiert werden. © Archivfoto: Gernot Menzel

Pulsnitz/Dresden. Die Kinder hatten sich so auf die Radtour im Seeland gefreut. Umso größer war die Enttäuschung, berichtet der Pulsnitzer Dieter Scheffler. Gemeinsam mit der Frau, den Enkeln und den Rädern wollte er am Sonntag nach Senftenberg fahren: „Es war ideales Radwetter, nicht ganz so warm.“

Das dachten wohl viele. So kam am Bahnhof in Pulsnitz die Ernüchterung: „Das wird wohl nichts“, sei der Kommentar des Schaffners gewesen. Die Seenlandbahn war rappelvoll, keine Chance, noch zuzusteigen. 

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Die Seenlandbahn rollt seit dem Vorjahr an Wochenenden zwischen Dresden und Senftenberg. Mit Schefflers blieben noch weitere Seenland-Ausflügler auf dem Bahnsteig zurück. Dann rollte der Zug nach Kamenz weiter. Den Pulsnitzer ärgert das Ganze mächtig. Offenbar sei der Zug schon in Dresden ausgebucht gewesen, sagt Dieter Scheffler. Und das könne doch nicht sein.

Nur mit einem Wagen unterwegs

Es sei aber auch kein Wunder gewesen, sagt der Pulsnitzer. Denn die Bahn fuhr nur mit einem Wagen,  berichtet der Leser. Es müssten doch wenigstens zwei  Triebwagen unterwegs sein, um alle Leute auf der Strecke einzusammeln, merkt er verärgert an. Der Vorfall sei keine Werbung für den öffentlichen Nahverkehr und niemand müsse sich wundern, wenn die Leute wieder aufs Auto umsteigen, sagt Dieter Scheffler.

Zumal die Bahn nur einmal am Tag von Dresden nach Senftenberg fahre - einmal hin und einmal zurück. Am Wochenende davor hätten sich die Fahrräder im Zug gestapelt,  habe er erfahren. Das sei doch kein Zustand. Im Vorjahr sei die Bahn zweimal hin-  und zurückgefahren, noch dazu mit Doppelwagen.

Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) räumt Pressesprecher Christian Schlemper ein: "Wir wissen um die Kapazitätsprobleme bei der Seenlandbahn." Das sei bereits mit der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) - dem derzeitigen Betreiber der Strecke - besprochen worden. So gibt es momentan offenbar technische Hindernisse: "Der Einsatz von zwei Triebwagen auf der Seenlandbahn ist wegen der kurzen Bahnsteige in Straßgräbchen-Bernsdorf und Wiednitz nicht möglich", so Schlemper. Im Vorjahr seien die Doppeltriebwagen nur bis Kamenz gefahren.  

Der Ansturm sei 2019 aber auch nicht so hoch gewesen wie in diesem Jahr, so Schlemper. Außerdem sei die Saison wegen der Städtebahnpleite nach drei Wochen vorbei gewesen. In dieser Saison spricht Christian Schlemper von mehreren Sonderfaktoren. Alle Abo-Tickets seien als Dankeschön an die Kunden für den kompletten Verbundraum freigeschaltet worden, inklusive des kostenlosen Fahrradtransportes. Außerdem sei das Wetter besser und wegen Corona viele Menschen daheim geblieben, die nun hier die Ausflugsziele  stürmen. 

Test für zwei Jahre

Zudem  stünden derzeit nicht alle Fahrzeuge bei der MRB zur Verfügung, da sich einige in Werkstätten befinden. Die zusätzlichen Fahrten  im Vorjahr - vormittags ab Senftenberg zurück nach Dresden und nachmittags noch einmal ab Dresden bis Senftenberg - seien kaum nachgefragt worden und wurden deshalb in diesem Jahr nicht angeboten.  Um den begrenzten Raum optimal für möglichst viele Passagiere nutzen zu können, habe der VVO Fahrgästen empfohlen, Räder nicht mitzunehmen, sondern in Senftenberg zu mieten. 

Die Saison endet mit dem kommenden Wochenende. Für das nächste Jahr sei ohnehin neu zu beraten, wie es mit der Seenlandbahn weitergeht. Denn es handele sich um ein auf zwei Jahre begrenztes Experiment. Das hatte der Freistaat gefördert. Es werde nun ausgewertet. Ob es eine Fortsetzung geben kann, hänge auch vom Geld ab.  Die Testphase  sei auf  eine Initiative des Bernsdorfer Bürgermeisters Harry Habel (CDU) und des CDU-Landtagsabgeordneten Aloysius Mikwauschk zurückzuführen. "Wir werden jetzt schauen, wie es weitergeht", sagt Christian Schlemper.

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