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Punkte für Kreativität

Rückblick. Choreograf Sven Seewald (36) ist mit der Formation „Ragazzi“ seit zehn Jahren bei der Showtanz-WM dabei.

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Die Tanz-Weltmeisterschaften in Riesa haben sich zu einem zweiwöchigen Tanzmarathon mit über 3 000 Tänzern entwickelt. Wie erleben Sie die Weltmeisterschaften in der Sportstadt?

Riesa ist immer wieder etwas Besonderes, denn nirgendwo treffen so viele Tänzer aus so verschiedenen Nationen zusammen. Es ist toll, die vielen Shows zu sehen. Für mich und mein Team „Ragazzi“ ist die WM zugleich Saisonhöhepunkt, aber auch -abschluss.

Wie bereiten Sie sich und Ihr Team „Ragazzi“ auf die WM vor?

Mit vier- bis fünfmal Training pro Woche. Die Choreografie wird bis zu 25 Mal durchgetanzt. Wir feilen die Show aus, stellen um und korrigieren. Für jeden Tänzer herrscht Anwesenheitspflicht, sonst kommen wir nicht weiter. Da zählt auch keine Entschuldigung.

Welche Themen haben Sie schon tänzerisch umgesetzt?

Im vorigen Jahr zeigten wir die Matrosen-Nummer „Ahoi!“. Die Show „Grand Hotel“ war unsere erfolgreichste. Damit holten wir den Vize-WM-Titel. Diesmal geben wir einen Einblick in das glamouröse Pariser Zirkusleben „Cirque de Paris“.

Woher nehmen Sie die Ideen?

Die sprudeln einfach aus mir heraus, weil ich mich ständig inspirieren lasse. Ich gehe zum Beispiel gern ins Theater und Musical oder verreise – da bringe ich immer neue Ideen mit. Mein Anspruch ist es, verschiedene Dinge umzusetzen, die es so vorher noch nie gab.

Orientieren Sie sich auch an anderen Teams, an deren Musik oder Choreografien?

Ich orientiere mich nur leistungs- und technikmäßig an anderen, um mithalten zu können. Also, zum Beispiel welche und wie viele Drehungen und Sprünge oder welche Schwierigkeiten werden gezeigt.

Erinnern Sie sich an eine Show der Konkurrenz, die Sie besonders faszinierte?

Mein großes Vorbild war eine slowenische Formation „Mojza“. Sie hatten wunderschöne Choreografien. Einmal zeigten sie eine Show „Zorbas Dance“ mit der bekannten Sirtaki-Musik. Die ist sehr schwer zu tanzen, aber sie konnten das fantastisch umsetzen. Leider hat sich die Formation aufgelöst.

Wie sieht ein für Sie typischer WM-Tag in Riesa aus?

Nach dem Frühstück im Hotel geht es per Bus in die Erdgasarena. Meistens wohnen wir im Riesaer Mercure, da haben wir nur einen kurzen Anfahrtsweg. Wir laden die Kostüme und Requisiten aus, es gibt eine Teambesprechung und die Tänzer beginnen, sich für die Show zu schminken und anzuziehen. Eine halbe Stunde wärmen sie sich auf, ab 9 Uhr beginnen die Meisterschaften. Direkt nach unseren Auftritten schauen wir uns die Show auf Video an und werten die Leistung aus. Meistens kommen wir nicht vor 24 Uhr aus der Halle. Dann gehen wir in den Riesenhügel essen und manchmal noch auf einen Drink in die Hotelbar.

Haben Sie irgendwann Zeit, sich die Region anzuschauen?

Eigentlich nicht. Im letzten Jahr waren wir mal für zwei Stunden auf dem Riesaer Weihnachtsmarkt. In einem Jahr wohnten wir in einem Meißner Hotel und haben etwas von der Stadt gesehen.

Wie hat sich Showtanz in den letzten Jahren verändert?

Die Präsentationen haben sich zum Positiven entwickelt. Sie sind bedeutend kreativer und unterhaltsamer geworden. Der Show-Effekt ist in den Vordergrund gerückt und hat die ernsten, traurigen Themen verdrängt. Ich glaube, das ist auch ein Verdienst der deutschen Formationen. Sie haben den Trend gesetzt, und die internationale Tanz-Elite hat nachgezogen.

In welchen Kategorien treten Sie in diesem Jahr an, und was sind Ihre Ziele?

In der Formation und der Production. Unser Ziel ist es, in der Endrunde mitzutanzen. Der größte Wunsch ist ein Podestplatz, aber mit Erwartungen bin ich vorsichtig. Wir sind zwar vor drei Wochen in Ungarn Vize-Europameister geworden. Aber ich weiß nicht, was die internationale Konkurrenz gemacht hat, wie stark sie jetzt sind.

Gespräch: Julia Polony

Vom 22. November bis 2. Dezember feiert Riesa die 10. Tanzwoche. Die SZ befragt Personen, die schon lange mit dabei sind.