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Puppen tanzen bis zum Happy End

Karla Wintermann erwärmt mit ihrem Figurentheater die Herzen der Zuschauer. Und auch das eigene.

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Von Peter Salzmann

Beim Puppenspiel ist ihr nichts gut genug. „Doch“, so unterstreicht Karla Wintermann, „ich mache kein Kasperletheater.“ Bei ihr gibt’s weder Tritratrullala noch Seppl & Co, sondern Schneekönigin, Däumelinchen, Hänsel und Gretel, Dornröschen und die kluge Bauerntochter. Sie geht auf die Bühne, „weil ich was sagen will“. In jeder ihrer Inszenierungen geht es der 58-jährigen zierlichen Powerfrau um Liebe und Poesie. „Denn alles, was ich mit Liebe tu, gelingt mir.“ Eine Lebensweisheit, die sie auch anderen vermitteln möchte.

Mit ihrem Figurentheater tritt die Diplom-Puppenspielerin alljährlich bis zu 80-mal vor nahezu 7 000 Zuschauern auf – in Schulen, Kindergärten, Klubs, Hotels, Theatern. Kinder wie Erwachsene sitzen gleichermaßen im Publikum. Karla Wintermann liefert auch gleich die Erklärung: „Denn Märchen verzaubern alle, weil da immer alles ein gutes Ende findet.“ Das sei ihr Anspruch an sich selbst: „Nur wenn der Spieler in der Lage ist, seinen Figuren Seele einzuhauchen, kann er sein Publikum verzaubern.“

Derzeit hat die Künstlerin zehn Märcheninszenierungen im Repertoire. In Grimms „Frau Holle“ erzählt sie die Geschichte der faulen und der fleißigen Marie. Mit dem ukrainischen Volksmärchen „Hähnchen Schreihals“ setzt Karla Wintermann die Mäuschen Singeschön und Springeschön in Szene, die von morgens bis abends nur singen und tanzen, nur Spaß haben wollen. Sie weigern sich, das Korn in die Mühle zu schaffen. Der Hahn hingegen weckt die Faulenzer zeitig mit einem fröhlichen Lied, macht sich an die Arbeit und findet eine Weizenähre. Das bringt die Mäuse zur Besinnung.

Karla Wintermann – in Weinböhla geboren – hat das Fach Puppenspiel in der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ studiert. Sie agierte als Freischaffende für das Dresdner Trickfilmstudio, den Fernsehfunk, die Puppentheater Bautzen und Dresden. Seit 2000 ist sie selbstständig. Das „Figurentheater Karla Wintermann“ gastierte mit großem Erfolg in Russland, Polen, Frankreich, Italien, der Slowakei, in China und Indien. Wertvolle Erfahrungen vermittelt die Künstlerin als Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Dresden, seit 2011 auch als Dozentin für das Fach Figurentheater an der Akademie für Kreativpädagogik Leipzig.

Der Röhrsdorfer Wintermannhof am Bornweg 4 atmet Geschichte. Das alte Gemäuer geht bis in das Jahr 1434, das Wohnhaus bis 1756 zurück – streng denkmalgeschützt. Im Erdgeschoss verwahrt sie Technik und Kulissen, Koffer und Kostüme, die schnell und geordnet verpackt werden müssen, wenn Karla Wintermann auf Tour geht.

Das Atelier unter hohem Spitzdach gleicht einer Künstlerwerkstatt und bewahrt Figuren aller Art, die unter den geschickten Händen von Karla Wintermann, ihren Studenten oder Kursanten entstehen. Die Werkstatt hat Platz für Farben, Kartonagen und Papier, für Leime, Strohseide und Klebepistolen. Die Utensilien liegen wohlgeordnet in Regalen und Schränken und sind schnell zur Hand, „damit ich den Figuren Sinn und Seele geben kann.“

Wintermanns „Seminare für Figurenbau und Figurenspiel“ erfreuen sich regen Zuspruchs. Vor allem bei Lehrern und Erziehern, denn die Kinder „unterliegen alle dem Zauber der Puppen“. Mit ihnen werde bei den Mädchen und Jungen die Neugier auf ihre Umwelt geweckt.

Karla Wintermann spielt bei ihren Stücken selbst mit – Humor, einprägsame Stimme und leise Ironie inbegriffen. Sie schlüpft in jede Rolle. Nur nicht in eine böse Alte, es sei denn, sie ist liebenswert, nett und obendrein hübsch.

Kontakt: Bornweg 4, 01809 Dohna, OT Röhrsdorf,  0151 12407083, 0351 2848483,

0351 2879895, www.wintermannhof.de

[email protected]