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Puppenschau in Seitenhain

Jubiläum. Ein kleines Dorf bei Liebstadt feiert am Sonnabend sein 550-jähriges Bestehen und putzt sich dazu prächtig heraus.

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Von Gabriele Schrul

In Seitenhain sind derzeit die Puppen los. In dem gerade mal 61-Seelen-Dorf stehen, sitzen, arbeiten oder kutschieren fast vor jedem Hof etwa 30 lustige Strohgesellen. Die Phantasie der Seitenhainer ist offensichtlich grenzenlos. Hier eine kurze Auswahl der Figuren: Bäuerinnen und Bauern mit Milchkannen, Sensen und auf Fuhrwerken, ein Förster, der Schmied, der Nachtwächter, eine dreiköpfige Skatrunde samt Wirtin vor dem ehemaligen Gasthof, zwei Feuerwehrmänner – einer der beiden wird nimmermüde, ständig Wasser in den Dorfteich zu spritzen, – ein Trabifahrer, eine hochschwangere, Wäsche aufhängende Frau oder eine „Mitarbeiterin“ des alten Gemeindeamtes. Selbst die Pferde auf der Koppel haben strohigen Nachwuchs bekommen und beäugen argwöhnisch den vierbeinigen Eindringling. „Jeder tut eben, was er kann, damit das Dorf für das schöne Ereignis geschmückt ist“, sagt Friedrich Tobisch. Er gehört zu den zahlreichen Mitorganisatoren dieses Festes. Wer am 18. Juni den Ort besucht, der soll ein Stück von der Freude der Seitenhainer auf das Jubiläum abbekommen. Seit anderthalb Jahren wird hier darauf hin gearbeitet. Fotos wurden hervor gekramt, Alt-Seitenhainer befragt. Wie war das doch damals, als noch der Nachtwächter durchs Dorf strich, als die Milchkannen auf die Rampe am Straßenrand zur Abholung abgestellt wurden, als es den Gasthof in der Dorfmitte noch gab? „Das Allerschönste ist, dass der Zusammenhalt im Dorf mit der Festvorbereitung gewachsen ist“, sagt Friedrich Tobisch.

Schon seit Tagen streifen Schaulustige durch den kleinen Ort und sind auf der Jagd nach Motiven. Die Seitenhainer freut’s, und sie sagen sich: Ziel erreicht. Ganz abgesehen davon, dass plötzlich auch die Autos, die sonst durchs Dorf rasen, keine Eile mehr haben. Die Insassen schauen und tragen die Botschaft hinaus: In Seitenhain wird am Sonnabend gefeiert.