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Putzen im Morgengrauen

Lange bevor die Altmarkt-Galerie öffnet, wird dort gekehrt, gewischt und poliert. Auch tagsüber sorgen Frauen für Sauberkeit.

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Von Bettina Klemm

Adrett sieht sie aus in ihrer schwarzen Bluse mit der weinroten Schleife am Hals, passend zur langen Schürze. Die Schirmmütze hat Roswitha Quade kess ins Gesicht gerückt. Sie ist eine jener Tagesfrauen, die in der Altmarkt-Galerie dafür sorgen, dass jedes kleine Malheur schnell wieder beseitigt wird. Unermüdlich läuft die 46-Jährige die endlos lang scheinenden Gänge in dem Einkaufszentrum ab, leert die Papierkörbe, spachtelt Kaugummis vom Boden, sorgt dafür, dass es möglichst auch abends noch sauber aussieht. Normalerweise arbeitet Roswitha Quade mit einer Kollegin in der Schicht. Doch in der Weihnachtszeit, wenn bis zu 100000 Besucher die Altmarkt-Galerie stürmen, setzt Hauseigentümer ECE vier Frauen täglich ein. Das gehöre zur Philosophie des Hauses, sagt Hausinspektor David Penndorf.

Täglich Scheiben reinigen

Roswitha Quade mag ihre Arbeit. „Ich bin schon seit der Eröffnung dabei“, sagt sie. Stammkunden grüßen sie, plaudern gern kurz mit ihr. Von sechs bis acht putzt sie in der Regel die Büros, dann geht sie wieder nach Hause, um nachmittags als Tagesfrau Dienst zu tun.

Wenn Roswitha Quade morgens kommt, herrscht in dem Haus schon reges Treiben. Vorarbeiterin Renate Sander dirigiert ab fünf Uhr ihre Mitarbeiter. Zunächst wischen drei Leute die Ränder und Ecken im Haus, bevor Silke Bennack mit ihrer Maschine die langen Gänge automatisch kehrt und wischt. Als Talisman hängen Nuckel und ein Herz an ihrem Zündschlüssel.

Währenddessen putzen Matthias Haase und Frank Döring die Scheiben an den zwölf Rolltreppen im Haus – täglich, ebenso wie die Eingangstüren. „Der Wischer ist das A und O, der zieht die Schmutzflotte“, erläutert Döring. Eigentlich habe er den Beruf gelernt, um überhaupt etwas zu haben. Doch jetzt findet der 24-Jährige Gefallen daran. „Es macht sogar richtig Freude“, sagt er. Vielleicht etwas weniger, wenn Reste von Eis und Süßem an den Scheiben kleben und die lieben Kleinen ihren Kussmund daran hinterlassen haben.

Hart verdientes Geld

Schon um 3.30 Uhr beginnt für die beiden Glasreiniger der Tag. Sie kommen aus Steina und Radeberg. „Nachmittags fordern dann die Kinder ihr Recht. Sie sind drei und sechs Jahre alt. So schlafe ich manchmal schon um acht auf der Couch ein“, verrät Döring.

Gestern Nacht trabten die beiden Glasreiniger um 21 Uhr noch mal an: Brunnenreinigung stand auf dem Plan. Vier Stunden benötigen sie, um das Wasserspiel gründlich zu reinigen. Dann haben sie eine kurze Pause, bevor es ans Scheibenputzen geht. Schließlich muss um 9.30 Uhr, wenn die Altmarkt-Galerie öffnet, alles fertig sein.

Elf bis 20 Leute sind täglich im Einsatz, um die Altmarkt-Galerie sauber zu halten. Es ist hart verdientes Geld. Bezahlt werden sie nach Tarif – 6,36 Euro die Stunde für die Reinigungskräfte bis zu 7,83 Euro für die Glasreiniger. Trotzdem findet ihr Auftraggeber, die Clemens Kleine Gebäudereinigung, reichlich engagierte Mitarbeiter. 450 beschäftigt das bundesweit tätige Unternehmen in Dresden.