merken
PLUS

Puzzeln ohne Anleitung

Jörg Leonhardt aus Schwepnitz baut heute noch Traktoren aus alten Einzelteilen zusammen. Eines seiner Schätzchen ist bald zu sehen.

© René Plaul

Von Nicole Preuß

Schwepnitz. Das Anlassen braucht Übung. Vorglühen, Anlassen und dann erst auf den Bock springen. Jörg Leonhardt hat eine Zeit lang gebraucht, um seinen Traktor der Marke Eigenbau zum Schnurren zu bringen. „Anfangs habe ich immer noch eine alte Kreissäge davorgestellt, den Keilriemen draufgezogen und dann den Traktor so gestartet“, sagt der Schwepnitzer. Doch langsam kommt Routine in den Motor.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Jörg Leonhardt braucht nur einen Anlauf, bis der Motor mit einem Rungs anrattert. Der Schwepnitzer hat sich in seiner Schlosserei in monatelanger Kleinarbeit aus alten Einzelteilen einen Traktor zusammengeschraubt. Der Motor, Baujahr 1958/59 aus dem Kamenzer Motorenwerk, diente viele Jahre lang als Notstromaggregat in einer Feuerwehrschule. Jörg Leonhardt bekam ihn kurz nach der Wende von einem Arbeitskollegen und holte ihn erst im vergangenen Jahr wieder hervor, um sich den Traktor zu bauen.

Traktorbau als Selbsthilfe

Das ist an sich nicht ungewöhnlich. In den 60er-Jahren setzten sich gerade auf dem Land manche mit Technikverstand einen Traktor zusammen. Jörg Leonhardt, der gerade seine Lehre beendet hatte, gehörte damals schon dazu. „Die Kühe wurden zur LPG gebracht“, sagt er, die Pferdehaltung lohnte nicht mehr. Traktoren zu kaufen gab es nicht. Und Jörg Leonhardt, der aus Sacka stammt, hatte damals noch Land zu versorgen. Ein verblichenes Foto mit Zickzackrand zeigt ihn auf dem ersten Traktor. Er hat über die Jahre drei oder vier Exemplare zusammengeschraubt, nun wollte es der Schlosser noch mal wissen.

Der neue alte Traktor ist vom Prinzip her ein großes Puzzle. Der Rahmen, die Vorderachse und die Triebachse gehörten einmal zu einem Multicar, die Vorderräder stammen von einem GT09 und die Hinterräder waren einst die Fronträder eines Russentraktors. „Das Gasgetriebe ist auch russisch“, sagt Jörg Leonhardt. Und das Untergestell des Sitzes war einmal auf einem Robur LO4000 eingebaut. Dazu kommen die Blechteile, die der Schwepnitzer selbst in Form gebracht hat. Er hat auch schon Zahnräder gefräst. Dafür wird er von Gleichgesinnten besonders geschätzt. Sie holen sich gern mal den einen oder anderen Tipp von dem erfahrenen Handwerker, der auch auf einen großen Maschinenfundus zurückgreifen kann.

Wochenlange Arbeit am Motor

Jörg Leonhardt ist ein Tüftler. Den Motor in Gang zu bringen, hat aber auch ihn einige Wochen gekostet. „Ich hab mich lange nicht mit dem Traktor weit weggetraut, weil ich immer nicht wusste, ob er wirklich wieder anspringt.“ Das Eigenbau-Traktortreffen war schon im vergangenen Jahr etwas anderes. Das findet schließlich nur einen Kilometer entfernt statt. Jörg Leonhardt war einer von vier, die einen Traktor mit Motor aus dem Motorenwerk Kamenz vorstellten.

Der Schwepnitzer Uwe Jähnig vom DDR-Museum hat das Treffen damals organisiert. „30 Eigenbautraktoren und Oldtimer reisten unter anderem aus Schmorkau, Bulleritz und Cunnersdorf an. Einer kam auf dem Anhänger aus Lauchhammer“, sagt der Museumschef. Er nahm sich damals vor, das Treffen zu wiederholen – und dieses Wochenende ist es so weit. Die benachbarten Unternehmer Kuhnert und Georgi stellen eine Fläche neben dem Museum zur Verfügung. „Dafür herzlichen Dank. So haben wir mehr Platz für mehr Traktoren zur Verfügung und die Fahrzeuge müssen nicht so beengt stehen“, sagt Uwe Jähnig. Jedes Gefährt ist willkommen, das nicht breiter als 2,50 Meter ist. Es wird wieder eine Schlachteplatte geben, deftiges Essen aus dem Mitropa-Wagen und Musik.

Der Maschinenschlosser Jörg Leonhardt wird dann mit seinem Traktor über die Gemeindestraßen dorthin tuckern. Eigenbautraktoren brauchen keine Zulassung, wenn sie nicht schneller als 6 Kilometer pro Stunde fahren. Es empfiehlt sich aber, das Gefährt mit in die Versicherung aufnehmen zu lassen. Jörg Leonhardt hat das getan. Der 72-Jährige hat auch andere Treffen besucht. Die weiteste Strecke führte bisher bis Sella. Er braucht den Traktor nicht mehr für die Landwirtschaft. „Aber zum Tüfteln schon.“

Eigenbau-Traktortreffen am Sonntag, 10 bis 17 Uhr, am DDR-Museum in Schwepnitz, Ortrander Straße 25