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Qual der Wahl war einmal

Die Halbjahresbilanz zeigt: Für sächsische Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.

© Steffen Füssel

Von Dominique Bielmeier

Als Tommy Rost 2007 seine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik bei Vandemoortele anfing, konnte er sich nicht vorstellen, wie schnell er an dem Dresdner Standort des Margarineherstellers aufsteigen würde. Heute qualifiziert sich der 23-Jährige zum stellvertretenden Schichtleiter. Pro Stunde fahren etwa 7.000 Plastikflaschen mit flüssiger Margarine an ihm vorbei, vorher werden sie befüllt, versiegelt und etikettiert. Rost ist dafür zuständig, dass nichts schiefläuft. Er freut sich über so viel Verantwortung – mehr noch als über ein höheres Gehalt. „Das Geld steht für mich nicht im Vordergrund, weil ich mir schon früh gewünscht habe, mal aufzusteigen. Aber ich hätte nie gedacht, dass mit mir so bald darüber geredet wird.“

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Am Dresdner Sitz des belgischen Unternehmens wird viel Wert auf gut ausgebildetes Personal gelegt. „Der Mitarbeiter macht für uns den Unterschied, nicht die Technik“, erklärt Geschäftsführer Helmut Lutzmann. Jährlich sollen am Standort Dresden zwei Fachkräfte für Lebensmitteltechnik ausgebildet werden. Die zu finden, ist jedoch nicht immer leicht. „Die Anzahl wie die Qualität der Bewerber sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen“, berichtet Lutzmann. Hatten sich vor zehn Jahren noch 20 bis 30 Bewerber vorgestellt, seien es heute nur noch fünf bis sechs. „Was uns besonders ärgert, ist, wenn wir zwei gefunden haben, aber im September nur einer kommt, weil der andere sich entschieden hat, doch woanders zu lernen.“

Sachsenweit dürfte es vielen Unternehmen so gehen. Die Halbjahresbilanz des Ausbildungsmarktes zeigt ein fast ausgeglichenes Bild: Auf knapp 15.500 Ausbildungsstellen kommen etwa 15.800 Bewerber. Seit 2005 hat sich deren Zahl jedoch mehr als halbiert. Damals suchten noch über 40.000 junge Menschen nach einer Stelle. Demgegenüber standen knapp 12.000 Angebote. Die Ausbildungsbetriebe haben heute also längst nicht mehr die freie Wahl. So erklärt sich auch der Eindruck, es gebe keine geeigneten Bewerber mehr, meint Jutta Cordt von der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen.

Hinzu kommt, dass sich die Schulabgänger nicht unbedingt für die Ausbildungsberufe bewerben, in denen der meiste Nachwuchs gebraucht wird. Ähnlich wie in den Vorjahren möchten die meisten Berufsanfänger als Verkäufer oder Kaufmann im Einzelhandel arbeiten. Jedoch gibt es in diesen Branchen weniger Ausbildungsstellen als Bewerber. Dagegen sind bei den Zerspanungsmechanikern noch gut 350 Plätze frei. Doch der Beruf erreicht bei den künftigen Azubis nicht mal die Top Ten. So kommt es, dass im März noch fast 11.400 Ausbildungsstellen unbesetzt und rund 10.700 Bewerber auf der Suche waren.

Rekordtief auf dem Arbeitsmarkt

Dagegen sieht es auf dem sächsischen Arbeitsmarkt zurzeit rosig aus. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote im März bei 9,7 Prozent und damit auf einem historischen Tief für diesen Monat. Etwa 207.000 Menschen waren arbeitslos, das sind 3,2 Prozent weniger als im Vormonat und 6,8 Prozent weniger als im März 2013.

Für die sinkenden Arbeitslosenzahlen seien nicht nur saisonale Gründe verantwortlich. Auch das gute konjunkturelle Umfeld spiele dabei eine Rolle, so die Regionaldirektion der Arbeitsagentur. Den größten Beschäftigungszuwachs gab es bei wirtschaftlichen Dienstleistungen, im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.