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Querschläger in der Sachsen-Union

Einige in der sächsischen CDU haben Angst, dass Angela Merkel im Wahlkampf mehr schaden als helfen könnte. Annette Binninger über das Erscheinungsbild der sächsischen CDU. 

Annette Binniger
Annette Binniger © dpa/Montage: SZ-Bildstelle

Einer der größten Gegner von Ministerpräsident Michael Kretschmer bei der Landtagswahl im Herbst ist neben der AfD vor allem die eigene Partei. Denn die sächsische CDU steht eben nicht so geschlossen da, auch nicht drei Monate vor der Kommunal- und rund sechs Monate vor der richtungsentscheidenden Landtagswahl. Vielmehr brilliert die Partei mit internen Querschlägen.

Der Groll auf Angela Merkels Flüchtlingspolitik, der auch die Hauptschuld an der Misere der Landes-CDU zugeschrieben wird, und die Angst, gegen die AfD zu verlieren, treiben hierzulande immer wieder seltsame Blüten. Da lassen sich doch prominente Partei-Vertreter dazu hinreißen, der eigenen, aber ungeliebten Bundeskanzlerin am besten gleich eine Art „Besuchsverbot“ für Sachsen auszusprechen, weil zu viel Nähe ja die eigenen Wahlchancen verringern könnte.

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Man mag dies – freundlich ausgedrückt – als taktisch unklug bezeichnen. Oder könnte sich jemand vorstellen, dass hochrangige SPD-Vertreter Andrea Nahles quasi ausladen? So etwas scheint es nur in der sächsischen CDU zu geben.

Am besten zu beobachten war die – nennen wir es – Besonderheit der Sachsen-Union zuletzt auf dem CDU-Bundesparteitag in Hamburg. Damals konkurrierten Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz um den Parteivorsitz. Bereits Wochen zuvor war die Sympathie für Merz in der sächsischen Union unübersehbar und unüberhörbar. Die Einseitigkeit vor dem entscheidenden Wahlgang wäre noch kein Problem gewesen. Doch welches Bild transportierte man da in die Welt, als nach dem Sieg von Kramp-Karrenbauer – während alle anderen applaudierend aufstanden – die meisten Sachsen sitzenblieben und eifrig in ihre Handys tippten, darunter Minister, Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Kleinkariert und provinziell, so kamen die Sachsen wieder einmal rüber.

Es ist aber nicht nur dieser gelebte Kleingeist, der Partei- und Landeschef Kretschmer besorgen müsste. Es ist auch eine wacklige und von manchem bisher noch im Hintergrund hinterfragte Stopplinie gegenüber der AfD, was eine mögliche Koalition nach der Wahl angeht.

E-Mail an Annette Binniger.

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