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Quietschende Reifen beim Kavaliersstart sind out

Mobil. Gestern gab es vom ADAC in Pulsnitz viele Tipps, um effektiv, leise und günstig zu fahren.

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Von Carolin Barth

Henry Naumann hat in seinem Auto ein tolles Soundsystem eingebaut, da wummern und brummen die Bässe gewaltig. „Eine richtige High-End-Anlage“, schwärmt er vom ultimativen Klangerlebnis. Doch dass sie unter Umständen gefährlich laut aufs Ohr geht, erfuhr der angehende Tischler erst gestern. Die Aktion „Mobil mit Köpfchen“ machte im BSZ Pulsnitz Station. “Das Open-Air-Klassenzimmer, wie wir es nennen, ist ein Programm von ADAC und Kultusministerium“, so der Geschäftsführer von VP-Service Roland Roch. Er organisiert die Schulstunden unter freiem Himmel im Auftrag des Automobilclubs. Das Projekt ist in Sachsen einmalig und spricht die 11. Klassen der Gymnasien und die Berufsschulen an. „Hier sitzen ja alle, die kurz vorm Führerschein stehen. Vor allem Jungs sind sehr interessiert.“ Die 90 Minuten werden nie langweilig, in spektakulären und rasanten Experimenten gibt’s Infos zu optimalem Fahrverhalten sowie Auspuffdreck und Geräuschpegel. Und wie man beides ganz leicht eindämmt.

Rasante Fahrt nur probeweise

Umweltfreundliches und effektives Fahren stehen im Vordergrund, ohne aufheulende Motoren oder Ampel-Blitzstarts. Moderator Roland Liermann wartet auf die zweite Gruppe an diesem Vormittag. Die Jungs kommen lässig, mit den Händen in den Taschen, doch mit viel Witz statt erhobenem Zeigefinger weckt er ihre Neugier schnell. Es wird nicht nur geredet, es gibt viel zu gucken, zu hören und zu riechen. „Zuerst messt ihr den Geräuschpegel wenn ich ganz normal anfahre“, erklärt Roland Liermann das Vorgehen. Los geht’s. Der Geräuschpegel ist im Normalbereich, doch dann legt er einen echten Kavaliersstart hin, macht richtig Krawall. Die Schüler ermitteln eine extreme Lautstärke-Differenz.

Anschließend demonstriert Roland Liermann den Unterschied bei 50 km/h, im zweiten und im vierten Gang. Und siehe da: der Geräuschpegel ist im großen Gang deutlich verringert, bei gleicher Strecke und Geschwindigkeit. „Wir wollen dazu bewegen, dass die Straßen leiser werden. Zudem ist es viel effektiver, untertourig zu fahren“, erklärt Roland Roch. Den 17-jährigen Chris Haufe überzeugt der Kostenfaktor: „Solch ein Fahren spart schließlich Sprit, der wird ja immer teurer.“ Künftig nehmen sich alle vor, zügig hochzuschalten. Im nächsten Experiment darf Chris Haufe auf’s Gaspedal treten. Hinten am Wagen wird gleichzeitig ein Ballon aufgepustet, mit den Abgasen von 1000 und 3000 Umdrehungen in der Minute.

Ein Ballon voller Abgase

Bis auf über einen Meter Durchmesser schwillt der gelbe Ballon bei 3000 Umdrehungen an. Voller stinkender Schadstoffe ist er dann und die (fast) Männerrunde ist perplex. „Ein Riesenunterschied“, staunt Henry Naumann. Henrik Schulz ist gelassener: „Das war ja klar.“ Er ist Experte, hat solche Tests schon einmal mitgemacht. „Ein weiteres großes Problem ist die Lautstärke in den Autos“, so Roland Liermann. Schon ab 85 Dezibel hört der Fahrer fast nichts mehr um sich herum. Nicht einmal den herannahenden Krankenwagen. Jetzt dreht Henry Naumann seine Anlage bis zum Anschlag auf. „110 Dezibel, nichts war bis jetzt lauter“, sagt der 18-Jährige. Beim Fahren höre er seine Musik viel leiser, versichert er.