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Quo vadis Schulabgänger?

Auf Berufsorientierungstagen ringen Unternehmen um Nachwuchs. Den Jugendlichen ist die Zukunft zu oft egal.

Von Felix Hahn

Niemand kann sich der Zukunft entziehen. Auch nicht die Schüler der Johann-Wolfgang-Goethe-Oberschule in Pirna. Um den Schülern beim Schmieden ihrer Zukunftspläne zu helfen, veranstaltete die Schule zusammen mit 18 Firmen aus der Region kürzlich einen Tag zur Berufsorientierung. Vorträge und die Stände der Unternehmen sollten den Schülern einen Einblick in mögliche Ausbildungsberufe und Karrieren geben.

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Um Berührungsängste zu nehmen, wurden die Schüler beauftragt, ein Arbeitsblatt zu verschiedenen Firmen auszufüllen. So erklärte Neuntklässlerin Gina: „Ich selbst weiß noch nicht, was ich einmal machen will. Das Blatt hilft aber, Informationen zu den Firmen zu bekommen.“ Nicht nur für die Schüler schien das Arbeitsblatt hilfreich zu sein. „Durch das Blatt kommt man mit den Jugendlichen leichter ins Gespräch“, sagte Herr Naumann vom Bauzentrum Willkommen. Die Idee mit den Arbeitsblättern kam nach der enttäuschenden Veranstaltung vom letzten Jahr auf. „Wir waren geschockt, wie schlecht die Veranstaltung besucht war. Manchen Schülern scheint nicht bewusst zu sein, dass es um ihre eigene Zukunft geht“, erklärte Frau Lachmann, eine Lehrerin der Schule.

Nicht nur das Interesse der Schüler, sondern auch der Einsatz der Schule wurde von den Unternehmern diesmal positiv bewertet. So erklärte Thomas Werner, Geschäftsführer von Werner Electronics: „Der Erfolg solcher Veranstaltungen hängt sehr von den Schulen ab. Doch hier ist das Interesse der Schule vorhanden, den Weg der Schüler in den Berufsalltag zu ebnen.“

Im Hinblick auf zukünftige Auszubildende werden Berufsorientierungsveranstaltungen dennoch verhaltener gesehen. „Wir erhalten Rückmeldungen nach diesen Veranstaltungen“, sagte Frau Kretzschmer vom Hotel Best Western, „doch die beziehen sich meist auf Praktika und nicht direkt auf eine Ausbildung in unserer Firma.“ Die Praktika können sowohl für die Firmen als auch für die zukünftigen Auszubildenden nützlich sein. Jedoch gibt Kristin Winter von WAD zu bedenken: „Es wäre gut, wenn die Praktika besser überwacht wären. Die Schüler sollten nicht nur zum Kaffeekochen herangezogen werden. So erhalten sie keinen Einblick in den Beruf, sondern werden abgeschreckt.“

Mehr Bewerber als Stellen

Allgemein können die Firmen fehlenden Nachwuchs zurzeit nicht beklagen. Es gab im März einen Bewerberüberschuss. Insgesamt wurden der Agentur für Arbeit 913 Ausbildungsstellen im Landkreis gemeldet. Im Vergleich zum März 2013 ist das jedoch ein Rückgang von 1,5 Prozent. Dagegen gab es im selben Zeitraum 982 Bewerber.

Betrachtet man die Regionen genauer, so lassen sich deutliche Unterschiede in den Bewerberzahlen feststellen. In der Region Pirna sind 432 Bewerber für 357 Stellen gemeldet. Ganz anders sieht das Bild rund um Dippoldiswalde aus. Hier sind noch freie Ausbildungsstellen vorhanden. Die Zahl der Bewerber stieg zwar auf 162, aber zur gleichen Zeit waren 222 Ausbildungsplätze gemeldet. Trotz des allgemeinen Bewerberüberschusses sei laut Udo Schlenker, Personalchef der Susa GmbH, „eine stärkere Konkurrenz um Auszubildende spürbar“.

Die Verteilung der Bewerber nach den Ausbildungsberufen ist ebenfalls sehr unterschiedlich. In der Gastronomie würde man sich über zusätzliche Bewerber freuen. 55 betriebliche Ausbildungsstellen zum Koch oder zur Köchin waren der Agentur für Arbeit gemeldet. Bisher gibt es aber nur 26 Bewerber. Ganz anders sieht das Bild im kaufmännischen Bereich aus. Egal ob Einzelhandelskaufmann, Verkäufer oder Bürokaufmann, überall kommen rund drei Bewerber auf eine Ausbildungsstelle.

Vielleicht könnte dieses Ungleichgewicht durch die Schüler selbst aufgelöst werden. Denn laut Thomas Werner „sollten die sich Gedanken machen, ob ihre Noten und Interessen auch zu ihrer Berufswahl passen“.