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Dresden

Rad oder Auto – wer fährt rücksichtsvoller?

Stundenlang kontrollierten Polizisten am Dienstag auf dem Albertplatz. Viele Fahrer mussten angehalten werden. 

Gewagtes Bremsmanöver: Für manche Verkehrsteilnehmer kam die Polizeipräsenz völlig überraschend.
Gewagtes Bremsmanöver: Für manche Verkehrsteilnehmer kam die Polizeipräsenz völlig überraschend. © Marion Doering

Eigentlich halte sie ja sonst immer vor roten Ampeln, sagt sie. Am Dienstagmorgen nimmt es eine junge Radfahrerin allerdings nicht so genau. Sie huscht noch schnell über den Fußgängerüberweg zwischen Albertplatz und Hauptstraße, obwohl das grüne Ampelmännchen längst erloschen ist. Die Frau ahnt nicht, dass sie beobachtet wird.

Sie kommt nicht weit. Auf der Hauptstraße wird die Radfahrerin von einem Polizisten abgefangen. Ob sie wisse, was sie falsch gemacht habe, fragt er sie. Die Frau bestreitet ihren Fehler zwar nicht, lässt den Beamten aber wissen, dass sie die Ampelschaltung hier für doof halte. Es werde rot, da befinde man sich mit dem Rad noch mitten auf der Fahrbahn, sagt sie. Aber alle Widerreden helfen nichts. Verstoß bleibt Verstoß. 60 Euro soll sie zahlen. Außerdem wird ein Punkt in ihr Fahreignungsregister eingetragen – eine äußerst teure Radfahrt so früh am Morgen. Aber nicht nur sie wird zahlen müssen.

© Marion Doering

Rund 20 weitere Radfahrer hält die Polizei am Albertplatz aus demselben Grund an. Dabei war die Kontrolle angekündigt worden. Nachdem die Zahl der Verkehrstoten auf Dresdens Straßen im vergangenen Jahr von vier auf acht gestiegen war, riefen die Beamten die Dresdner dazu auf, Orte zu melden, die aus ihrer Sicht besonders gefährlich sind. Mehr als 1 230 Einträge gibt es inzwischen – von Stellen, an denen Radfahrer die Straße statt des Radwegs nutzen, bis hin zu Kreuzungen, an denen besonders viele Auto- und Radfahrer die rote Ampel missachten. Dazu gehören die Antonstraße, das Blaue Wunder, das Käthe-Kollwitz-Ufer, die Könneritz- und die Leipziger Straße sowie die B 170 zwischen Hellerau und der Südvorstadt.

Dort sowie an den Unfallschwerpunkten in der Stadt will die Polizei deshalb verstärkt kontrollieren, wie sie letzte Woche im Rahmen der Aktion „Respekt durch Rücksicht“ bekanntgab. Viermal täglich in den kommenden drei Wochen, mindestens, sagt Gerald Baier, der Chef der Verkehrspolizei. Er betont, dass nicht nur Radfahrer überprüft würden. „Es wäre einseitig und blauäugig, nur Autofahrer oder Radfahrer zu kontrollieren, um Erfolge zu erzielen“, sagt er.

Am Dienstag werden deshalb auch 20 Autofahrer aus dem Verkehr gewinkt, die meisten, weil sie die rote Ampel vor demselben Fußgängerüberweg überfahren haben, auf dem sich Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln hielten. Zwei Autofahrer sind mit Handy am Ohr erwischt worden. Das kostet immerhin 100 Euro Bußgeld, gut 29 Euro Bearbeitungsgebühr und einen Punkt in Flensburg.

© Marion Doering

Einen besonders krassen Fall hat Baier vor zwei Wochen erlebt. Ein Radfahrer sei in der Stadt unterwegs gewesen, freihändig, in der linken Hand ein Handy und in der rechten ein zweites. Das Handy habe im Straßenverkehr nichts zu suchen, mahnt Baier. „Da haben wir kein Verständnis.“ Eine VW-Fahrerin, die am Dienstag angehalten wird, weil sie telefoniert hat, offenbar auch nicht. Sie will sich gegenüber den Polizisten nicht zu dem Vorwurf äußern und nimmt schweigend den Bußgeldbescheid entgegen, steigt in ihr Auto und fährt davon. Immerhin, zwei Drittel der Verkehrssünder seien einsichtig, sagt Baier. Der Rest diskutiere. „Wir sollten uns lieber um die Kriminalität kümmern, bekommen wir dann zu hören.“ Dabei gebe es in Deutschland mehr Todesfälle im Straßenverkehr als durch Gewaltverbrechen.

Zwei Drittel aller Verkehrsunfälle passierten mit Autos, ein Drittel mit Fahrrädern. Allerdings, sagt Baier, wäre ein Teil der Pkw-Unfälle vermeidbar gewesen, wenn sich Radfahrer ordentlich verhalten hätten und beispielsweise den Radstreifen in Fahrtrichtung genutzt hätten.

Nicht nur die Dresdner Polizei geht ab sofort verstärkt gegen die häufigsten Unfallursachen mittels Kontrollen vor. Auch das Ordnungsamt schaltet sich ein. Dieses ist für den ruhenden Verkehr zuständig, also parkende Fahrzeuge. Diese können ebenfalls zur Gefahr werden, wenn sie auf einem Radweg stehen und Radfahrer spontan auf die Straße ausweichen.

Gefahrenstellen: www.szlink.de/verkehrssicherheit

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