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Der lange Weg zum neuen Center-Imbiss

Katrin und Nancy Hauke haben nach der EKZ-Schließung in Radeberg alles verkauft. Jetzt wagen sie den Neuanfang.

Noch keine Spur von Restaurant: Wo Katrin (li.) und Nancy Hauke stehen, soll in einigen Wochen ihre Ziegelwirtschaft öffnen.
Noch keine Spur von Restaurant: Wo Katrin (li.) und Nancy Hauke stehen, soll in einigen Wochen ihre Ziegelwirtschaft öffnen. © Marion Doering

Radeberg. Es gibt Sonntage, da fahren Katrin und Nancy Hauke zum Toom-Baumarkt in Radeberg, stellen ihr Auto ab und schleichen zwei-, dreimal über den Parkplatz, wie sie sagen. Sie schauen nach, wie ihr neues kleines Schnellrestaurant entsteht. 73 Quadratmeter groß, mit drei Eingängen und großen Fensterfronten. Eine Menge Geld haben sie reingesteckt, das Auskommen mehrerer Familien hängt hier künftig dran. Anfang November mit der Wiedereröffnung des Silberberg Center geht es los. 

Bis Ende Januar hat Katrin Hauke etwa an der gleichen Stelle ihr Center-Bistro betrieben. Es lief gut. Beschäftigte aus umliegenden Betrieben kamen her, Handwerker legten zur Mittagszeit einen Zwischenstopp ein, Senioren ließen es sich im Bistro schmecken. Dann kam die Schließung des Centers wegen der Umbauarbeiten. Jetzt stehen Baumaschinen und Gerüste an der Stelle herum. Handwerker verputzen die Wände. Es ist staubig, durch die offenen Fronten weht der Wind. Von Restaurant-Atmosphäre keine Spur. 

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Anfangs große Sorgen

Nur auf einer Zeichnung von Katrin Hauke ist der neue Schnellimbiss schon fertig. „Hier kommen die Wände hin, dort die Küchenzeile. Sie ist genauso offen, wie wir das im Center-Bistro hatten. Die Leute können sehen, was wir zubereiten.“ Wohl an die 50-mal haben sie die Anordnung geändert. „Die Leute sollen sich wohlfühlen und vor allen Dingen soll es funktionieren.“

Die Ängste, dass etwas schief läuft, haben sie seit Monaten nicht losgelassen. Besonders groß waren sie nach der Schließung Ende Januar. „Ich habe ja die gesamte Einrichtung verkaufen müssen. Den Plan, in einen Container zu ziehen, und dort das Bistro weiter zu betreiben, musste ich aufgeben, die Auflagen waren zu groß.“ Zu der Zeit wusste sie nicht, wie sie die nächsten Monate überstehen sollte. Wo Geld verdienen? Vor allem aber die Frage: Rechnet sich der Imbiss im wiedereröffneten Einkaufszentrum? 

„Was, wenn ich die höhere Miete nicht aufbringen kann. Jetzt viel Geld in eine neue Einrichtung stecke, am Ende aber die Kunden wegbleiben, weil es vielleicht noch andere Imbisse gibt oder Supermärkte ebenfalls einen schnellen Happen anbieten?“ Das einzig Gute war vielleicht, dass der Corona-Lockdown in eine Zeit fiel, in der sie ohnehin geschlossen hatte. „Das hat uns etwas getröstet.“

Erinnerung an alte Ziegelei

Inzwischen ist sie viel zuversichtlicher. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie unser Schnellrestaurant aussehen soll. Es wird moderner aussehen, schicker“, sagt Nancy Hauke. Bei ihren Recherchen sind sie auf die Vergangenheit des Center-Areals gestoßen. „Früher befand sich hier eine Ziegelei, es wurde Ton gefördert und es wurden Ziegel gebrannt. Daran knüpfen wir bei der Gestaltung an. Auch werden wir künftig nicht mehr Center-Bistro heißen, sondern Ziegelwirtschaft.“

Die beiden waren auf Messen unterwegs und haben sich geeignete Herde, Kühl- und Wärmetheken ausgesucht. Sie werden im Oktober geliefert. Auch mit der Bauleitung war die Zusammenarbeit gut. „Wir konnten immer zu Bauleiter Florian Tebel kommen und mit ihm besprechen, wo beispielsweise Anschlüsse hinkommen, wo die Wände. Jetzt ist viel klarer, wie das alles werden soll.“ Besonders gefreut hat sie, als feststand, dass sie auch einen kleinen Freisitz bewirtschaften können. „Er liegt wie das Schnellrestaurant direkt an einem der beiden Haupteingänge. 24 Plätze haben wir dort, 16 sind es im Center.“ 

Viele haben von Bistro-Übernahme abgeraten

Katrin Hauke ist zuversichtlich, dass der Neustart ihrer Ziegelwirtschaft gelingt. Für sie  ist es genaugenommen der vierte Neuanfang und alle haben immer mit dem EKZ zu tun. Schon mit der Eröffnung des Centers fing sie hier an. Zunächst arbeitete sie in der Confiserie Tiebel. Dann wechselte sie als Angestellte ins Center-Bistro. „Als das damals pleite ging, stand für mich die Frage, ob ich mir etwas anderes suche oder das Bistro übernehme. Ich habe die zweite Variante gewählt, obwohl mir viele abgeraten haben.“ 

Es war die Zeit der Währungsumstellung von der D-Mark zum Euro. Da kommt erstmal keiner, die Leute halten jetzt ihr Geld zusammen, hieß es. „Doch schon am ersten Tag war das Bistro voll. Ich war am Abend fix und fertig. Schon im ersten Monat schrieben wir schwarze Zahlen.“ 

Jetzt macht sie sich Gedanken, wie die Neueröffnung am 5. November aussehen wird. „Wir werden ein paar Tage zuvor schon Probekochen. Es müssen ja schließlich die Abläufe einstudiert werden. Es soll alles klappen und niemand lange auf sein Mittagessen warten.“ 

Wie bisher, wird alles frisch gekocht. Zusätzlich sollen auf der Karte leckere Pasta-Gerichte und Salate stehen, sagt Nancy Hauke. Auch die Öffnungszeiten werden verlängert. Künftig kann sich jeder täglich von 8 bis 20 Uhr in der Ziegelwirtschaft stärken, sonntags ist geschlossen. Bleibt noch eine Sorge: „Wir brauchen noch Mitarbeiter. Um alles abdecken zu können, wollen wir auf insgesamt sieben Beschäftigte wachsen. Im Bistro waren wir vier, aber das ging an die Substanz. Zwei ideenreiche Köche wären sehr willkommen. Gut drei Monate bleiben uns ja noch bis zur Eröffnung. Vielleicht haben wir ja Glück.“

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