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Landwirt: "Der Wolf muss bejagt werden"

Auf einer Weide von Matthias Hennig reißen Wölfe drei Schafe. Bereits im Frühjahr töteten sie ein Kalb. Für den Landwirt ist die rote Linie überschritten.

Landwirt Matthias Hennig mit einem seiner getöteten Schafe. Zum wiederholten Male wurden Tiere des 53-Jährigen von Wölfen gerissen.
Landwirt Matthias Hennig mit einem seiner getöteten Schafe. Zum wiederholten Male wurden Tiere des 53-Jährigen von Wölfen gerissen. © Marion Doering

Radeberg. Das Bild, das sich Matthias Hennig am Sonntagvormittag auf der kleinen Weide, gleich neben seinem Wohnhaus im Radeberger Ortsteil Lotzdorf,  bot, war eines, das er wohl in den nächsten Zeit so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen wird. 

Auf der Weide suchte er seine drei Schafe, die sich dort aufhalten. Zwei fand er. Beziehungsweise, das, was noch von ihnen übrig geblieben war. Ein trächtiges Schaf lag mit aufgerissenem Bauch unter einem Baum, bei seinem Schafbock fehlte das gesamte Hinterteil. Überall Blut, Eingeweide, Fliegenschwärme bedeckten die Kadaver. Das dritte Schaf, ebenfalls trächtig, fand er neben der Weide. Es hatte sich schwer verletzt in einen Schuppen geflüchtet, verstört irrte es dort herum. Hennig musste das Tier einschläfern lassen. Dass es Wölfe waren, wurde ihm bereits von der Fachstelle "Wolf" des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bestätigt. Ein Gutachter hatte sich die getöteten Tiere angeschaut.

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Landwirt Hennig erzählt, dass er doch alles getan habe, um seine Schafe zu schützen. Einen Wolfsabwehrzaun, einen Elektrozaun, hatte er seinerzeit errichtet. Aber selbst der sei ja wirkungslos gewesen. Hennig: "Ein Wolf kann den sicher auch überspringen." Der materielle Schaden beträgt rund 400 Euro.

Selbst Hennigs Elektrozaun sei ja wirkungslos gewesen, berichtet der Landwirt.
Selbst Hennigs Elektrozaun sei ja wirkungslos gewesen, berichtet der Landwirt. © Marion Doering

Es ist nicht das erste Mal, dass Matthias Hennig Tiere durch Wolfsrisse verloren hat. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Kalb aus seiner Mutterkuhherde, die auf einer Weide unweit von Lotzdorf stand, gerissen. Im Frühjahr dieses Jahres schlugen Wölfe erneut zu und töteten ein weiteres Jungtier. Zwar hatte da der typische Kehlbiss gefehlt, aber Hennig ist felsenfest davon überzeugt, dass es auch wieder der Wolf war. Erst die Kälber, und nun die Schafe. Wie fühlt man sich da? 

Hennigs Gefühlswelt, sie liegt derzeit zwischen Wut und Aggression bis hin zu Verzweiflung und Resignation. "Man fragt sich, was man noch alles machen soll, um die Tiere vor den Wölfen zu schützen", so der 53-jährige Landwirt. In solch einer Situation fühle man sich ziemlich alleingelassen. Was ihn auch bedrückt, ist, wie er diesen Verlust seinen Enkelkindern erklären soll. „Die haben die Schafe gefüttert, wenn sie hier zu Besuch waren, haben ihnen Namen gegeben.“

Drei Wolfsrisse in Radeberg bestätigt

Was ihn beunruhigt, ist, dass sich Wölfe mittlerweile immer häufiger in der Umgebung bemerkbar machen. So habe wohl ebenfalls an diesem Wochenende, so der Landwirt weiter, ein Wolf in einer Schafsherde in Liegau-Augustusbad gewütet und dabei eines der Tiere getötet. In Radeberg seien in diesem Jahr insgesamt drei Wolfsrisse bestätigt worden, erfährt man von Vanessa Ludwig. Sie arbeitet als Referentin in der Öffentlichkeitsstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Hier werden die Wolfsrisse registriert. Da sich in der Dresdner Heide seit geraumer Zeit ein Wolfsrudel angesiedelt habe,  nehme man an, dass es möglicherweise Tiere aus diesem Rudel seien, die die Schafe von Landwirt Hennig getötet haben.

Matthias Hennig, der auch Vorstandsmitglied der örtlichen Jagdgenossenschaft ist, vertritt den Standpunkt, dass man die Population des Wolfes begrenzen muss. "Wir brauchen auf jeden Fall eine Regulierung. Der Wolf muss bejagt werden", findet er. In Sachsen können Wölfe inzwischen unter bestimmten Bedingungen abgeschossen werden. Sie dürfen getötet werden, wenn sich das Tier einem Menschen auf weniger als 30 Meter nähert und eine Vergrämung erfolglos geblieben ist. Eine sogenannte Entnahme kann laut neuer Regelung auch stattfinden, um erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu verhindern.

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Es sei ja ein absolutes Unding, so Hennig, wenn Wölfe auf der Suche nach Nahrung nachts durch Ortschaften der Umgebung streiften. Da sei auf jeden Fall die rote Linie überschritten: "Man muss nun auch mal einen dieser Wölfe abschießen." Matthias Hennig, ein gestandener Landwirt, den sicher so leicht nichts schreckt, ist es jetzt etwas unwohl bei dem Gedanken, dass sich offensichtlich regelmäßig Wölfe in der Nähe seines Hauses herumtreiben. Aber für ihn steht fest, dass es so nicht mehr weitergehen kann. "Jetzt", so der 53-Jährige, "ist der Zeitpunkt zum Handeln gekommen". 

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