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Im Viertelstundentakt nach Dresden

Bahnbetreiber erhöhen den Takt nach Kamenz und in die Landeshauptstadt. In Radeberg wird S-Bahn-Niveau erreicht.

Komfortabel mit dem Zug von Radeberg aus nach Dresden oder Kamenz reisen: Auf der Strecke wollen die Bahnbetreiber den Takt erhöhen.
Komfortabel mit dem Zug von Radeberg aus nach Dresden oder Kamenz reisen: Auf der Strecke wollen die Bahnbetreiber den Takt erhöhen. © Marion Doering

Radeberg. Gefordert wurde er oft, bisher fehlte das Geld, jetzt ist er fest zugesagt: der Halbstundentakt auf der Bahnstrecke Dresden – Radeberg – Kamenz. Das sächsische Verkehrsministerium hat grünes Licht für eine finanzielle  Unterstützung gegeben. Damit ist der Weg frei für die langersehnte Verdichtung.

Die Zahlen sprechen seit Jahren für eine schnellere Zugfolge. Nach Angaben des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) ist die Anzahl der Fahrgäste zwischen 2012 und 2018 auf der Strecke um 30 Prozent gestiegen. Bis 2030 prognostiziert der VVO fast eine Verdopplung im Vergleich zu 2012. Allein in Radeberg steigen täglich 2.600 Menschen  in den Zug oder kommen hier an, mit steigender Tendenz, teilt der VVO mit. Der Pendlerparkplatz ist zu 95 Prozent ausgelastet, die Wochenenden eingerechnet. Insgesamt 200 Parkplätze stehen hier zur Verfügung.

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"Es ist schon jetzt so, dass die Züge morgens zum Arbeitsbeginn und am späten Nachmittag sehr voll sind. Die Verdichtung des Taktes ist deshalb sehr sinnvoll", sagt Christian Schlemper, Sprecher des VVO. Vertraglich festgezurrt wird der Halbstundentakt voraussichtlich schon am kommenden Mittwoch bei der VVO-Verbandsversammlung. "Dort wird über die Neuvergabe der Strecken entschieden, die bis Mitte vergangenes Jahr durch die Städtebahn und jetzt von der Mitteldeutschen Regiobahn bedient wurden. In der Ausschreibung haben wir die Option des Halbstundentaktes zwischen Dresden und Kamenz schon mit aufgenommen. Jetzt, wo das Geld zugesagt ist, können wir diese Option umsetzen", sagt er.

Neuer Takt an fünf Tagen in der Woche

Bis Fahrgäste allerdings in den Genuss kommen, dauert  es noch etwas. Der dichtere Takt wird mit dem Fahrplanwechsel im Dezember kommenden Jahres eingeführt. Die Züge werden auch nicht den ganzen Tag über in dem dichten Rhythmus fahren. „Es ist vorgesehen, den neuen Takt montags bis freitags von 4.30 bis 8.30 Uhr anzubieten sowie zwischen 14 und 18.30 Uhr.“ Damit können Fahrgäste künftig ohne längere Wartezeiten an ihre Arbeitsstelle, in die Schule oder zu ihrem Ausflugsziel gelangen. „Hinzu kommt, dass die Autobahn nach Dresden, die ja auch von vielen Pendlern genutzt wird, oft dicht ist und auf vielen Einfallstraßen in die Landeshauptstadt ebenfalls oft Stau herrscht. In dichtem Takt und staufrei in die Landeshauptstadt, die Bahn ist dann unschlagbar.“ 

Besonders komfortabel wird die Situation für Radeberg. Von der Bierstadt aus können Fahrgäste dann im Viertelstundentakt nach Dresden fahren. Grund ist die Lage gleich an drei Bahnverbindungen. Außer nach Kamenz fahren hier Züge nach Zittau und Görlitz durch. Alle Viertelstunde ein Zug, das ist S-Bahn-Niveau, sagt auch Christian Schlemper. „Damit schließt Radeberg zu Orten wie Meißen und Tharandt auf. Auch dort verkehren die Züge alle 15 Minuten.“ Intern gebe es bereits Überlegungen, das Kind auch beim  Namen zu nennen, also die Strecke zwischen Dresden und Radeberg als S-Bahn-Strecke zu bezeichnen. Eine Entscheidung ist dazu aber noch nicht gefallen. 

Der Radeberger Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) begrüßt die geplante Neuregelung. „Die Verringerung der Taktzeiten halten wir schon seit langem für zwingend erforderlich.“ Viele Radeberger fahren nach Dresden zur Arbeit, das gleiche gilt für die entgegengesetzte Richtung. Radeberg hat mit dem Medizintechnik-Hersteller B. Braun, dem Autozulieferer KWD und etlichen anderen große Unternehmen in der Stadt. Mit dem dichten Takt wird die Stadt auch als Wohnstandort noch ein Stück weit attraktiver. 

Das Gleiche gilt für Kamenz. Auch hier gibt es mit Firmen wie Accumotive und mehreren Behörden große Arbeitgeber. Die Freude bei Oberbürgermeister Roland Danz ist groß. „Wir haben schon seit längerer Zeit um den Halbstundentakt gerungen. Dass sich jetzt eine Lösung ergibt, darüber freuen wir uns riesig. Es ist auch ein deutliches Zeichen, dass die Anbindung aus der Landeshauptstadt in das Dresdner Umland für den Freistaat eine große Bedeutung hat“, sagt er. Stadtrat, Landkreis und Freistaat hätten sich sehr für die Verbesserung eingesetzt. „Mit dem Halbstundentakt wird der Wirtschaftsraum der Stadt Kamenz und der Region erheblich gestärkt“, sagt er.

Stefan Engel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, weist in dem Zusammenhang auf eine weitere Strecke hin. „Auch an der Bahnstrecke von Dresden über Ottendorf-Okrilla nach Königsbrück besteht für die Bahn noch großes Potenzial. Gerade das Gewerbegebiet in Ottendorf-Okrilla braucht dringend eine bessere ÖPNV-Anbindung. Es wäre toll, wenn sich dafür in nächster Zeit noch finanzielle Spielräume auftun“, sagt er. Eine Verlängerung der Regionalbahn zum Hauptbahnhof und ein Halbstundentakt nach Ottendorf würden viele Pendler zum Umstieg bewegen. (mit SZ/rha)

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