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Radeberg: Hortkinder werden doch betreut

Eltern hatten die Kündigungsschreiben bereits im Briefkasten. Jetzt wurde an der Heideschule in Radeberg eine Lösung gefunden.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden 40 Mädchen und Jungen ihren Hortplatz verlieren. Jetzt wird bis zum Beginn des neuen Schuljahres eine neue Einrichtung geschaffen.
Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden 40 Mädchen und Jungen ihren Hortplatz verlieren. Jetzt wird bis zum Beginn des neuen Schuljahres eine neue Einrichtung geschaffen. © Patrick Pleul / dpa (Symbolbild)

Radeberg. Für die Eltern war das ein Schock. Bei ihnen steckte vor einigen Monaten ein Schreiben im Briefkasten, in dem der Hortplatz ihres Kindes gekündigt wurde. Ab Sommer 2020 sollte für 40 Kinder die Betreuung wegfallen. „Ich weiß nicht, was dann werden soll. Ich wohne in Pulsnitz, arbeite in Radeberg und nehme mein Kind morgens mit zur Heideschule und hole es am späten Nachmittag wieder ab“, so Sandra Hartmann, eine betroffene Mutter. „Wenn die Betreuung im Hort nicht mehr gewährleistet ist, wäre es unbeaufsichtigt. Ich kann ja nicht meine Arbeit aufgeben“, sagte sie, nachdem sie die Kündigung erhalten hatte.

Erstes Konzept lehnten Radeberger Stadträte ab

Grund für die Schreiben ist Platzmangel in den Einrichtungen in Radeberg. Die Horte und Kitas benötigten die Kapazitäten für die Kinder aus der Stadt. Die Mädchen und Jungen aus anderen Kommunen, wie sie besonders zahlreich an der Heideschule als Förderschule aufgenommen werden, haben das Nachsehen.

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Die zunächst vorgeschlagene Kolpingschule an der Straße des Friedens als Hort umzugestalten, stieß bei vielen auf Ablehnung. Ein zu weiter Weg zwischen Schule und Hort war eines der Argumente. Damals hatte den Stadträten ein entsprechender Beschluss vorgelegen, in dem von 120 Hortplätzen, davon rund 40 Plätzen für Förderschüler, die Rede war. Der Umbau sollte durch die Anerkannte Schulgesellschaft Sachsen (ASG) erfolgen und rund 1,1 Millionen Euro kosten. Fieberhaft wurde nach einer neuen Lösung gesucht. 

Jetzt ist klar, an der Heideschule selbst wird ein Hort eingerichtet. Am ersten Tag des neuen Schuljahres Ende August wird er starten. „Das ist eine sehr gute Nachricht. Darauf haben wir lange gewartet“, sagt Schulleiterin Sylvia Strehle. Betreut werden die Kinder in Unterrichtsräumen. „Diese Doppelnutzung ist in Ordnung, wir sind derzeit dabei, zusätzliche Möbel anzuschaffen, damit wir Schulmaterialien und Hortspielzeug getrennt aufbewahren können. Außerdem werden die Räume für diese Zweifachnutzung insgesamt umgestaltet“, sagt die Schulleiterin. 46 Mädchen und Jungen werden voraussichtlich im neuen Hort betreut.

Neue Mitarbeiter werden gesucht

Betrieben wird der Hort von der Stiftung Pro Gemeinsinn aus Berlin. Sie hatte sich neben drei anderen Interessenten beworben. Der Kreistag entschied sich mit großer Mehrheit für die Stiftung. Geschäftsführerin Anne Zöllner freut sich auf die neue Aufgabe. „Wir betreuen bereits hier in Berlin Ganztagsangebote. Uns ist hier, wie dann auch in Radeberg eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort wichtig“, sagt sie. 

Lehrer und Erzieher sollen in engem Kontakt stehen. „Wir können im Hort beispielsweise Stoff aus dem Unterricht spielerisch vertiefen. Die räumliche Nähe von Schule und Hort ist da sehr hilfreich.“ Die enge Zusammenarbeit war auch Schulleiterin Sylvia Strehle wichtig. „So kann jedes Kind bei Bedarf speziell gefördert werden. Die Stiftung ist auch sehr auf unsere Wünsche eingegangen.“ 

Voraussichtlich vier Vollzeitstellen und eine halbe Stelle werden in dem neuen Hort geschaffen. Unter wie vielen Mitarbeitern sie aufgeteilt werden, ist noch offen. Derzeit ist die Stiftung auf Personalsuche. 

Nach Angaben von Anne Zöllner wurde die Stiftung vor 19 Jahren gegründet und betreut vor allem Kindertagesstätten, ist für den Ganztagsbetrieb in Grundschulen und die Sozialarbeit an Schulen verantwortlich. Nach eigenen Angaben werden rund 1.700 Kinder in Kindergarten und Ganztagsgrundschule betreut. Die Stiftung beschäftigt etwa 220 fest angestellte Mitarbeiter. 

Die große Entfernung zwischen Berlin und Radeberg ist für die Geschäftsführerin kein Nachteil. „Das lässt die Infrastruktur gut zu. Wir haben ja bereits eine Außenstelle in Großröhrsdorf. Bei Bedarf kann das Büro aufgestockt werden“, sagt sie. „Sowohl die Geschäftsführerin als auch der Bereichsleiter der Stiftung sind in Sachsen verwurzelt und möchten sich als Rückkehrer im sozialen Bereich engagieren“, heißt es in der  Begründung  des Kreistages. 

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Die Stiftung sei dazu bereits mit verschiedenen Städten und Gemeinden im Landkreis im Gespräch. Die Betreuung der Kinder in den Unterrichtsräumen der Heideschule soll  allerdings eine Übergangslösung sein. Langfristig ist geplant, in der Nähe der Schule einen separaten Hort zu errichten. Wann das sein wird, ist unklar.

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