merken
PLUS Radeberg

„Endlich wieder ein Stück Normalität“

Nach wochenlangem Besuchsverbot öffnen Pflegeheim und Asklepios-Klinik in Radeberg wieder ihre Türen. Allerdings gelten strenge Regeln.

Bewohner des Alten- und Pflegeheims in Radeberg können jetzt wieder besucht werden. Die Zeiten sind allerdings vorgeschrieben.
Bewohner des Alten- und Pflegeheims in Radeberg können jetzt wieder besucht werden. Die Zeiten sind allerdings vorgeschrieben. © Tom Weller/dpa

Radeberg. Die Wochen waren dramatisch: Kurz vor Ostern wurden erste Fälle von Corona-Infektionen im Radeberger Alten- und Pflegeheim bekannt. Dann stieg die Zahl rasant an. Mehrere Stationen mussten unter Quarantäne gestellt werden. Die Bewohner durften ihre Zimmer über Wochen nicht verlassen. Mehrere Infizierte starben. Auch Pflegekräfte hatten sich mit dem Virus angesteckt. Die Verbliebenen arbeiteten bis an den Rand der Erschöpfung. Nach einem Hilferuf schickte die Bundeswehr Soldaten zur Unterstützung. Besuche waren in dem Heim streng verboten. Das Radeberger Pflegeheim war die am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Einrichtung im Landkreis Bautzen.

Jetzt endlich kann das Heim ein Stück weit zum Normalbetrieb zurückkehren. „Ab diesem Sonnabend können Angehörige wieder zu ihren Eltern kommen. Besuche sind möglich“, sagt Carolin Proske, Leiterin des Heimes. Ein wenig Lockerung hatte es schon seit Anfang Mai gegeben. Bewohner aus Bereichen ohne Infizierte konnten sich mit Verwandten auf der Terrasse treffen. Es waren entsprechende Plätze vorbereitet worden.

Anzeige
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus
Sachsenmilch bildet Milchtechnologen aus

Das Unternehmen aus Leppersdorf sucht Azubis für einen Beruf mit Zukunft - und hat eine Menge zu bieten.

„Darüber, dass es jetzt weitere Erleichterungen gibt, sind alle sehr froh. Das ist endlich wieder ein Stück Normalität“, sagt die Heimleiterin. Allerdings müssten einige Regeln beachtet werden. „Die Besuche können nur von 9.30 bis 16.30 Uhr stattfinden.“ Jeder muss sich am Eingang registrieren lassen. „Wir brauchen die Kontaktdaten, um bei Infektionen die Übertragungswege nachvollziehen zu können.“

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Im Haus dürfen sich die Bewohner und auch die Gäste nicht frei bewegen. „Außer in den Zimmern können sie sich in den Wintergärten treffen. Sie sind ausreichend groß, um genügend Abstand zu wahren. Natürlich müssen Mundschutze getragen werden. Jeder sollte sich die Hände desinfizieren.“

Auch die Zahl der Gäste ist begrenzt. „Pro Bewohner können wir nur zwei Besucher zulassen. Außerdem dürfen in jeden Wohnbereich insgesamt nur sechs Gäste. Mehr lassen die Platzverhältnisse leider nicht zu“, sagt die Heimleiterin. Besuche können natürlich auch vor dem Haus stattfinden. Sie rechnet damit, dass auch das gut angenommen wird. Im Heim sind nach ihren Angaben derzeit rund 150 Frauen und Männer untergebracht.

Mehr zum Coronavirus in der Region:

Eine angespannte Lage herrschte in den vergangenen Wochen auch in der Asklepios-ASB Klinik in Radeberg. Zahlreiche Corona-Patienten wurden hier behandelt. Unter ihnen eine 92-Jährige. Sie war als Erste auf die extra eingerichtete Infektionsstation eingeliefert worden. Nach Tagen, an denen sie mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden musste, erholte sich die Seniorin zusehends. Jetzt konnte sie entlassen werden.

Besuche waren in der Klinik über Wochen streng verboten. „Ab diesem Sonnabend können Gäste wieder kommen. Ausgenommen sind Besuche auf der Infektions- und der Intensivstation“, sagt Florian Rupp, Geschäftsführer des Radeberger Krankenhauses. Allerdings gelten eingeschränkte Zeiten. Täglich sind Gäste von 15 bis 17 Uhr willkommen. Dabei gilt die Regel: Pro Patient ist ein Verwandter oder ein Freund zugelassen, er darf maximal eine Stunde bleiben. 

"Die Pandemie ist nicht vorbei"

Am Eingang werden auch hier von jedem Besucher die Kontaktdaten abgefragt: Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer müssen hinterlegt werden. „Außerdem haben wir einen Fragebogen vorbereitet. Darauf wird unter anderem nach Kontakten mit Corona-Infizierten gefragt oder ob innerhalb der vergangenen zehn Tage Erkältungssymptome aufgetreten sind. Sollte das der Fall gewesen sein, kann der Besuch freilich nicht stattfinden.“ In der Klinik herrscht Maskenpflicht. „Von Umarmungen muss abgesehen werden.“ Wegen der Corona-Beschränkungen werden in der Cafeteria weniger Sitzplätze angeboten. 

Das Besuchsverbot in den vergangenen Wochen ist bei den meisten Patienten auf Verständnis gestoßen, sagt der Klinik-Chef. „Probleme gab es eher bei Verwandten. Einige wollten nur schwer einsehen, dass das Verbot notwendig ist. Aber das waren Einzelfälle. Momentan gibt es in der Klinik drei Verdachtsfälle auf Infektion mit dem Coronavirus. 

Der Klinik-Chef warnt vor allzu großer Sorglosigkeit. „Die Pandemie ist nicht vorbei, das Virus ist noch vorhanden. Wir haben die vergangenen Wochen gut überstanden. Die Infektionsgefahr bewegt sich auf einem niedrigen Level. Das liegt an der guten Arbeit, die in vielen Bereichen geleistet wird.“

Weiterführende Artikel

Corona: 85-Jähriger stirbt in Pflegeheim Radeberg

Corona: 85-Jähriger stirbt in Pflegeheim Radeberg

Damit sind inzwischen neun Bewohner der Einrichtung gestorben. Jetzt gibt es von dort auch erste positive Nachrichten.

An der Corona-Front in Radeberg

An der Corona-Front in Radeberg

Im Altenheim Radeberg sind derzeit Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Was sie dort zu tun haben und warum der Job so anstrengend ist.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg