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Rätsel um Radeberger Luisenhof

Jahrelang war das Areal in Radeberg kaum ein Thema. Jetzt ist das Interesse groß. Ein unbekannter Interessant will dort Bio-Lebensmittel anbauen. Was dahintersteckt.

Der Luisenhof liegt versteckt in einem Waldstück zwischen Liegau-Augustusbad und Feldschlößchen. Jetzt soll das 14 Hektar große Grundstück mit mehreren Wohnhäusern verkauft werden. Derzeit befindet sich ein Reiterhof in der Anlage.
Der Luisenhof liegt versteckt in einem Waldstück zwischen Liegau-Augustusbad und Feldschlößchen. Jetzt soll das 14 Hektar große Grundstück mit mehreren Wohnhäusern verkauft werden. Derzeit befindet sich ein Reiterhof in der Anlage. © Sven Ellger

Radeberg. Im Stadtgebiet von Radeberg und dennoch völlig abgelegen: Die Häuser des ehemaligen Gutshofes Luisenhof liegen am Waldrand zwischen Lotzdorf, Feldschlößchen und Liegau-Augustusbad. Ringsum gibt es keine größere Ansiedelung. Nur die Häuser der verlassenen Kuranstalt sind in der Nähe. Wer den Luisenhof finden will, muss akribisch suchen. Jetzt rückt der Hof plötzlich in den Fokus. 

Stadträte im Technischen Ausschuss haben über die Immobilie diskutiert. Auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates sollte sie zur Sprache kommen. Doch der Punkt wurde kurzfristig abgesetzt. Es bestehe noch weiterer Redebedarf, hieß es. Jetzt wird der Luisenhof im Ortschaftsrat in Liegau-Augustusbad auf die Tagesordnung gesetzt. Woher das plötzliche Interesse? Die SZ hat zusammengetragen, was bisher über das traditionsreiche Haus bekannt ist.

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Anlage steht zum Verkauf

Im Makler-Netzwerk Optimhome ist ein Inserat geschaltet. Dort wird der Luisenhof, Reiterhof plus Wohnanlage in Radeberg, mit einem 14 Hektar großen Grundstück angeboten. Darauf stehen vier Einfamilienhäuser, ein Mehrfamilienhaus und Nebengebäude. Laut der Anzeige sind in diesen Häusern zurzeit rund 600 Quadratmeter Wohnfläche vermietet. Ein weiteres Gebäude mit 1.100 Quadratmetern Wohnfläche steht derzeit leer und wartet auf eine neue Nutzung. Aus der Vermietung der Wohnflächen und der Gebäude an den Reiterhof werden beträchtliche Einnahmen erzielt. Weiter heißt es, dass drei Häuser unter Denkmalschutz stehen. Die Größe und die gute Lage haben ihren Preis. Knapp 1,4 Millionen Euro soll der Hof kosten.

Unbekannter Interessent hat sich gemeldet

Der Stadtverwaltung liegt eine Anfrage vor, bei der ein namentlich nicht genannter Interessent anfragt, wie die künftige Nutzung des Areals aussehen könnte. Der Kaufinteressent will auf dem Gelände einen Gartenbaubetrieb einrichten. Die Flächen sollen nachhaltig bewirtschaftet werden. Die ökologisch erzeugten Lebensmittel sollen teilweise in einer Verkaufsstelle angeboten werden. Zudem wollen die neuen Eigentümer Weiterbildungen zum Thema nachhaltige Landwirtschaft anbieten. 

Wegen der guten Lage an einem Wanderweg soll eine Gastwirtschaft eröffnet werden. Geplant ist ein Café für Spaziergänger sowie eine Versorgung der Teilnehmer der Weiterbildungen. Dazu wird nach den Plänen der Interessenten ein neues Gebäude errichtet. Zusätzlich wollen sie soziale und therapeutische Arbeit anbieten. So sollen hilfsbedürftige Personen unterstützt werden. Wie genau die therapeutische Arbeit aussieht, ist unklar. Auch mehrtägige Weiterbildungen werden angeboten. Dazu werden Seminarräume und Gästeunterkünfte geschaffen. 

Um welche Seminar-Themen es sich genau handelt, teilen die Interessenten ebenfalls nicht mit. Insgesamt sollen drei neue Wohn- und Betriebsgebäude errichtet werden, drei Gewächshäuser, eine Halle für Gartenbau und die Gastwirtschaft. Der Käufer plant, eine Genossenschaft zu bilden, in der die unterschiedlichen Arbeitsfelder vereint sind. Die Genossenschaftsmitglieder sollen möglichst auf dem Hof leben.

Der Luisenhof in Liegau-Augustusbad wurde 1872 als Gutshof gebaut, drei Jahre später öffnete hier das erste Kindererholungsheim Deutschlands, später wurde es Heilanstalt und danach Altenheim. Jetzt ist ein Reiterhof angesiedelt.
Der Luisenhof in Liegau-Augustusbad wurde 1872 als Gutshof gebaut, drei Jahre später öffnete hier das erste Kindererholungsheim Deutschlands, später wurde es Heilanstalt und danach Altenheim. Jetzt ist ein Reiterhof angesiedelt. ©  privat/Repro: SZ

Stadträte haben Bedenken

Das Projekt steht ganz am Anfang. Es handelt sich um eine erste Anfrage. Ob es zu einem Verkauf an diesen oder einen anderen Interessenten kommt, ist völlig offen. Radeberger Stadträte sind grundsätzlich für eine Nutzung des Luisenhofes. Allerdings gibt es auch Bedenken. Nach Ansicht des Fraktionschefs der Freien Wähler, Detlev Dauphin, sind bei der Erschließung noch viele Fragen offen. „Die Zufahrt erfolgt nach meinem Wissen über ein fremdes Grundstück. Das muss zuvor geklärt werden“, sagt er.

Ulrich Hensel (parteilos) von der Fraktion SPD/Linke/Grüne und selbst Liegauer steht einer Nutzung ebenfalls positiv gegenüber. Er weist allerdings darauf hin, dass sich das Gelände im sogenannten Außenbereich befindet. In dem gelten besonders strenge Bauvorschriften. „Auf dem Areal sollten keine Neubauten errichtet werden. Wir sind dafür, dass die vorhandene Substanz genutzt wird“, sagt er. Auch müssten die bestehenden Wegebeziehungen erhalten bleiben. 

Vermutlich nach der Sommerpause ist der Luisenhof Thema im Liegauer Ortschaftsrat. Danach soll er erneut im Stadtrat zur Sprache kommen. Der Luisenhof hat eine lange Geschichte: Er wurde 1872 als Gutshof errichtet, 1875 öffnete hier das erste Kindererholungsheim Deutschlands, später wurde es Heilanstalt und danach Altenheim. Derzeit wird hier ein Reiterhof betrieben. Wie das nächste Kapitel aussieht, ist noch völlig offen.

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