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Borkenkäfer: „Ein verheerendes Jahr“

Der sächsische Landeswald leidet unter der Borkenkäferplage. Das sieht man auch im Fischbacher Forstrevier.

Rapide Vermehrung: Borkenkäfer, auf der Rinde einer Fichte. In vielen Wäldern richten die Insekten enorme Schäden an.
Rapide Vermehrung: Borkenkäfer, auf der Rinde einer Fichte. In vielen Wäldern richten die Insekten enorme Schäden an. © Symbolfoto: dpa

Wenn Michael Blaß seinen Arbeitsplatz betritt, wähnt er sich fast wie auf einem Schlachtfeld. Denn Legionen von Borkenkäfern machen etlichen Waldbereichen seines 1800 Hektar großen Forstreviers in diesen Monaten den Garaus.Wenn er dort unterwegs ist und die vielen befallenen Bäume sieht, stellt er sich oft die Frage, wohin das noch führen soll. „Als Revierförster will man ja den Wald gestalten“, sagt er. Aber gestalten könne er den schon lange nicht mehr, vielmehr müsse er jetzt nur noch reagieren: auf die von Borkenkäfern verursachten Schäden. Geht es insbesondere darum, das Schadholz so schnell wie möglich aus dem Wald zu schaffen.

Drei Monate Landregen nötig

Ursache sei der Klimawandel, den man, darauf besteht der Fischbacher Revierförster, „nicht mehr leugnen kann“. Dazu brauche man doch nur durch den Wald zu gehen. Nicht nur in Sachsen, sondern bundesweit sehe man ein Bild der Tristesse. Schuld seien Stürme, Hitzesommer, Schädlingsbefall. So mache sich der Klimawandel gerade dort bemerkbar, wo an sich Ausdauer waltet: bei den Bäumen, deren Wurzeln tief ins Erdreich ragen. Man habe neulich, erzählt Michael Blaß, in seinem Forstrevier ein Loch gegraben. Um zu prüfen, wie es mit der Bodenfeuchtigkeit bestellt sei. Das Ergebnis: In einer Tiefe von 1,50 Meter habe man fast keine Feuchtigkeit feststellen können. „Um in unserer Region den Wassermangel der vergangenen Dürrejahre auszugleichen, bräuchten wir einen dreimonatigen Landregen“, sagt Blaß. Das fehlende Wasser schwächt die Kraft der Bäume, sie können sich nicht mehr gegen Borkenkäfer wehren. Die sich in dieser warmen Witterung rapide vermehren. Ein Borkenkäfer, davon gehen die Experten aus, kann binnen eines halben Jahres mehr als 100.000 Nachkömmlinge produzieren.

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Borkenkäferfraß in der Dresdner Heide.
Borkenkäferfraß in der Dresdner Heide. © Marion Doering

Die beiden letzten regenarmen Jahre haben auch im Landeswald zu massiven Schäden geführt. Im Forstbezirk Neustadt wurden im vergangenen Jahr rund 150000 Kubikmeter Schadholz (80.000 Kubikmeter Wurf- und Bruchholz und 70.000 Borkenkäferholz) geschlagen. Im Staatsbetrieb Sachsenforst dachte man, es könne eigentlich schlimmer nicht mehr kommen, sagt Öffentlichkeitsmitarbeiterin Kerstin Rödiger. Doch angesichts der Schäden durch den Borkenkäferbefall in den elf Landeswaldrevieren könne man schon jetzt sagen, dass „das ein total verheerendes Jahr wird“ Man habe bereits jetzt, Mitte August, im Forstbezirk Neustadt 75000 Kubikmeter an Schadholz. Und man werde bis zum Ende des Jahres noch weit mehr Bäume fällen müssen als im zurückliegenden Jahr, so die Sachsenforst-Mitarbeiterin.

Schadholz zu Brennholz

Zwar ist der Borkenkäferbefall im Forstrevier von Blaß groß. Aber bei weitem nicht so stark wie bei etlichen seiner Kollegen. Im Vergleich zu anderen Revieren des Neustädter Forstbezirkes hat er keinen großen Fichtenbestand. Denn Fichten sind es, die im Blickpunkt der Borkenkäferplage stehen. Das Revier von Michael Blaß ist dagegen „ein gut strukturierter Mischwald“: Viele Buchen und Eichen, eine Menge Waldtannen. Fichten machten in seinem Revier nur rund 20 Prozent des Baumbestandes aus. Dort, wo der Borkenkäfer sich über die Bäume in seinem Revier hergemacht hat, sind nun Kahlflächen.

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Und das Schadholz? Wird auch als Brennholz angeboten. Bei Blaß stehen bereits weit über 1000 Raummeter zum Verkauf. Zusammen mit den Bäumen ist der Preis für Brennholz auch am Boden. Bezahlte man vor einigen Jahren für das Holz des sächsischen Landeswaldes zwischen 30 und 40 Euro pro Raummeter, kostet ein Raummeter Holz in diesem Jahr gerade mal zehn Euro.An das kommende Jahr mag Revierförster Blaß nicht denken. Da sei alles möglich. Auch eine weitere Borkenkäferplage.

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