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Was tun, wenn ein Wildschwein auftaucht?

In Radeberg wurde ein Frischling gesichtet. In solchen Fällen hat der Chef des Kreisjagdverbandes einen dringenden Rat.

Wildschweine tauchen nach Angaben von Gunter Franke, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Kamenz, immer öfter in Städten auf. Grund seien das Futterangebot und die hohe Populationsdichte.
Wildschweine tauchen nach Angaben von Gunter Franke, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Kamenz, immer öfter in Städten auf. Grund seien das Futterangebot und die hohe Populationsdichte. © Archivbild: Ralf Hirschberger/dpa

Radeberg. Am Wochenende ging bei der Polizei ein ungewöhnlicher Anruf ein. Auf einem Spielplatz mitten in Radeberg hatte ein Passant ein junges Wildschwein entdeckt. Da der Platz an der Straße Am Baumhaus an dem Sonnabend durch Familien schon gut besucht war, rief der Mann vorsichtshalber die Polizei. 

Die Beamten trieben das Tier in die Enge und da ein Jagdpächter so schnell nicht erreichbar war, fingen die Polizisten den Frischling auch gleich ein, steckten ihn in einen Funkwagen und fuhren mit ihm in die Dresdner Heide. Dort wurde der Kleine abseits einer befahrenen Straße in die Freiheit entlassen.

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Offenbar hielt sich das junge Wildschwein schon eine Weile in der Radeberger Innenstadt auf. „Mir ist es schon am Freitag so gegen 16.30 Uhr auf dem kleinen Pfad am Friedhofteich begegnet. Es war sehr ängstlich“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Ein Radeberger konnte in der Nacht zum Sonnabend sogar ein Foto schießen, gerade in dem Moment, als das Wildschwein offenbar in aller Ruhe über die Otto-Uhlig-Straße trottet.

Gunter Franke, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Kamenz, wundert das Auftreten der Wildtiere nicht. „Wildschweine sind seit Längerem in der Stadt anzutreffen. Ihre Populationsdichte hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Sie sind dort, wo es Futter gibt“, sagt der Jäger, der selbst in Radeberg wohnt. „Eine Rotte hatte sich vor einiger Zeit am Coca-Cola-Gelände niedergelassen. Jetzt, wo dort das Wohngebiet erweitert wurde, fühlten sie sich gestört und sind weitergezogen“, sagt der erfahrene Jäger. 

Ein Frischling mitten in Radeberg: Ein Anwohner fotografierte den Kleinen, als er die Otto-Uhlig-Straße überquerte. Offenbar handelt es sich um ein verirrtes Tier. Frischlinge sind meist mit der Bache unterwegs.
Ein Frischling mitten in Radeberg: Ein Anwohner fotografierte den Kleinen, als er die Otto-Uhlig-Straße überquerte. Offenbar handelt es sich um ein verirrtes Tier. Frischlinge sind meist mit der Bache unterwegs. © privat

Auch am Silberberg tauchen diese Tiere öfter auf. In einigen Fällen haben sie Gärten schwer verwüstet. „Sie kennen keine Scheu, sie haben keine Feinde.“ Bei einer Begegnung mit Wildschweinen mahnt Franke zu äußerster Vorsicht. „Wer diese Tiere antrifft, sollte sich ruhig verhalten und langsam rückwärts gehen. Auch ich mache das so, wenn ich eine Rotte im Wald antreffe“, sagt er. Auf keinen Fall wegrennen oder Lärm machen, rät der Jäger. Dann könnten sich die Tiere gestört fühlen und zum Angriff übergehen. „Wenn die Muttertiere Junge bekommen haben, sind sie besonders gefährlich. Sie verteidigen ihren Nachwuchs, wenn sie sich provoziert fühlen und sie sind sehr schnell. Also langsam aus dem Gefahrenbereich laufen und dann die Polizei rufen.“ Die Beamten würden dann die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und auch den zuständigen Jäger rufen. „Allerdings können wir auch nicht viel tun. Ein Abschuss ist in bewohntem Gebiet nicht möglich. Es könnten Menschen verletzt werden.“ 

Andere Wildtiere ebenfalls auf dem Vormarsch

Eine Möglichkeit, die Tiere fernzuhalten, ist, ihnen das Futter zu entziehen. „Also nichts Fressbares herumliegen lassen, Biotonnen fest verschließen und auch nichts im Garten anbauen, was sie mögen. Ein stabiler Zaun ist ebenso hilfreich. Allerdings stellt er kein unüberwindliches Hindernis für die Wildschweine dar“, sagt Gunter Franke.

Am Waldteich in Radeberg ist es nach seinen Angaben vor einiger Zeit vorgekommen, dass eine Rotte sogar gefüttert wurde. Neben der Gefahr für Anwohner oder Spaziergänger bei einem Zusammentreffen, besteht auch die Möglichkeit der Übertragung der Afrikanischen Schweinepest. „Sie ist in Nachbarländern verbreitet. Springt sie über, ist der hiesige Nutzschweinbestand in Gefahr. Anfüttern dieser Wildtiere sollte also jeder tunlichst unterlassen.“

Nicht nur Wildschweine sind nach Angaben von Gunter Franke auf dem Vormarsch. Auch Füchse, Dachse, Marderhunde und Waschbären machen sich in Städten breit. „Sie können Krankheiten übertragen. Bei einem Biss beispielsweise vom Fuchs oder Dachs sollte wegen der Tollwutgefahr unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.“ 

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Die Stadtverwaltung sieht nach dem Vorfall vom Wochenende keinen Grund zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen. „Wir wissen, dass immer wieder Wildschweine im Stadtgebiet gesichtet werden und sie auch in Kleingärten immer wieder auftauchen. Doch dass es in der letzten Zeit zu einer starken Zunahme gekommen ist, können wir nicht bestätigen“, sagt Rathaussprecher Jürgen Wähnert.

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